Aachen - Engelhardt: „Halte jede Kampfform für zulässig”

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Engelhardt: „Halte jede Kampfform für zulässig”

Von: Heiner Hautermans
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Ein Kämpfer für Gerechtigkeit auf vielen Ebenen: Manfred Engelhardt, hier vor einem Gerichtstermin in Sachen Altersteilzeit. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Geboren wurde die Idee auf der Demo am 1. Mai: Hinter dem Transparent mit der Aufschrift „Generalstreik gegen Regierung und Kapital” versammelte sich mit 140 Gewerkschaftern, Betriebs- und Personalräten, Studenten oder Rentnern „der größte Block”, wie die Beteiligten nicht ohne Stolz feststellen.

Sie beschlossen, sich nicht nur einmal im Jahr zu treffen, sondern ein festes Netzwerk zu gründen. Ein Zusammenschluss gegen Betriebsschließungen, Verlagerungen in Billiglohnländer, Lohnverzicht und Arbeitszeitverlängerungen. Geplantes Gegenmittel: „Streiks und Betriebsbesetzungen gehören auf die Tagesordnung gesetzt.”

Die Gründungsveranstaltung fand jetzt in einer Brander Gaststätte statt, vertreten waren viele Linke. Die Firma Gates, die schließen muss, obwohl Belegschaft und Gewerkschaft ein Alternativmodell mit vielen Zugeständnissen entwickelt haben, wurde als Beispiel dafür angeführt, dass die bisherigen Gegenstrategien nicht ausreichen, um der Spirale nach unten zu begegnen. Auf der anderen Seite habe das Uniklinikum, in dem Zentrallabore und Mikrobiologie privatisiert werden sollten, sich erfolgreich und originell gegen die Einschnitte gewehrt, indem Köche, MTA, Angestellte und Professoren gemeinsam Widerstandsformen entwickelten. Eben durch den Grundgedanken eines Netzwerks, wie Krankenpfleger Thomas von Thenen erläuterte.

„In deutschen Betrieben grassiert die Angst”, hat Manfred Engelhardt, pensionierter Studentenwerks-Personalratsvorsitzender, beobachtet. Er führte das Beispiel Opel an: Die Belegschaft verzichte auf 1,2 Milliarden an Löhnen und Gehältern, Bund und Länder gäben nur 450 Millionen: „Die Krise wird auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen.” Marc Treude, Ratsherr der Linken, konnte Erfahrungen aus eigener Anschauung beisteuern: „Ich bin seit Montag arbeitslos.” Er habe in einer kleinen Druckerei gearbeitet, und die habe nun ein Drittel ihrer Belegschaft entlassen: „Diskutiert wird aber immer nur über die Großen.”

Wichtig sei es, mehr Informationen untereinander auszutauschen, da geschehe seitens des DGB zu wenig. Dennoch verstehe man sich nicht als Ersatzgewerkschaft, eher als Selbsthilfeorganisation, die diese Lücke füllen wolle. Christian Wagemann, Sprecher der Vertrauensleute im Studentenwerk Aachen, erwartet noch einmal einen Schub Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr, weil die öffentlichen Haushalte wegen stark rückläufiger Steuereinnahmen zurückgehen würden. „Die kleinen Leute müssen die Zeche zahlen. Irgendwo muss doch das Geld doch herkommen, das zurzeit gezahlt wird.”

Einig waren sich alle rund 50 Erschienenen, dass man den Kapitalismus in Frage stellen müsse und einen „Hauch von Frankreich” nach Aachen bringen: „Die Wut in den Betrieben ist riesengroß.” Viele Unternehmer würden offenbar erst erwachen, wenn Autos oder Reifen brennen und soziale Unruhe ausbrechen würden. Die IGBCE habe bei Gates mit angezogener Handbremse agiert: „Die Quittung hat sie jetzt bekommen.” Manfred Engelhardt: „Ich halte jede Kampfform für zulässig.”

Kräfte bündeln

Die Kräfte müssten gebündelt werden, herrschte einhellige Übereinkunft. Gaetan Kayitare, der mit Manfred Engelhardt, Harald Siepmann, Heinz Vossen und Reiner Murbach in den Sprecherrat gewählt wurde: „Wir können nur etwas erreichen, wenn wir es gemeinsam machen.”
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