Aachen - Energie für Aachens E-Mobile: Ein Windrad würde reichen

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Energie für Aachens E-Mobile: Ein Windrad würde reichen

Von: Werner Breuer
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Fahren ab auf Strom: Stawag-Vo
Fahren ab auf Strom: Stawag-Vorstand Dr. Peter Asmuth (rechts) und Steffen Kruse aus der Vertriebsabteilung.

Aachen. Max Ökopax ist verwirrt: Einerseits soll er sein Auto möglichst gegen ein Elektromobil eintauschen und abgasfrei durch die Gegend rollen. Andererseits hört und liest er immer wieder, dass der Ausstieg aus der Atomenergie eine ganz heikle Angelegenheit ist und deshalb womöglich die Lichter ausgehen. Woher soll denn dann der Strom fürs Elektroauto kommen?

Stawag-Vorstand Dr. Peter Asmuth sieht das ganz gelassen und deutet auf die Lampe über dem Konferenztisch. „Brennt doch” - ­ auch an einem Tag, an dem in Deutschland 13 Kernkraftwerke abgeschaltet und nur vier am Netz sind. Im vergangenen Jahr habe Deutschland fünf Prozent seines Stroms exportiert, das entspreche etwa der Leistung von fünf Atommeilern. Als vor Jahren in Frankreich Anlagen wegen Kühlwasserknappheit heruntergefahren wurden, seien die Nachbarn über das europäische Verbundnetz mitversorgt worden. „Es gibt genügend Kraftwerksleistung”, meint Asmuth, „da gehen die Lichter nicht aus.” Die Kernenergie sei einfach nur billiger.

Weil sie aber auch gefährlicher ist, soll nun 2022 Schluss sein damit. Und sollte es dann wirklich einmal eng werden, könnte Deutschland immer noch auf einige Veteranen zurückgreifen, sagt der Stawag-Vorstand. „Gasturbinenkraftwerke, Kohlekraftwerke, sogar noch alte Ölkraftwerke”zählt Asmuth auf. Diese „Kaltreserve” ließe sich zwar nicht einfach anknipsen wie eine Stehlampe, aber innerhalb einer gewissen Frist könnten die alten Anlagen hochgefahren werden.

Vor allem aber soll der Strom dann viel grüner werden. Laut Energiekonzept der Bundesregierung soll der Anteil der regenerativen Energien von derzeit etwa 16 bis 17 Prozent bis zum Jahr 2020 auf 38 Prozent hochgeschraubt werden. Das Aachener Versorgungsunternehmen hat sich die Latte noch höher gelegt. „Deutlich über 40 Prozent”, so Asmuth, sollen dann aus erneuerbaren Quellen kommen.

An der Zukunft wird schon kräftig gearbeitet. Mit Partnern stellt die Stawag im Hunsrück Windkraftanlagen mit einer Leistung von 90 bis 100 Megawatt auf. Insgesamt werden dort 150 Millionen Euro investiert. Zudem sind zwei große Solarparks im Osten in Planung, im Bau ist schon eine Anlage zur Biogasvergärung gemeinsam mit der Abfallwirtschaft Aachen (AWA) in Würselen.

Zusammen mit der Energiehandelsgesellschaft Trianel engagieren sich die Aachener Stadtwerke bei einem Off-Shore-Windpark in Borkum, der Ende nächsten Jahres in Betrieb gehen soll. Daneben verweist Asmuth auf Biogasanlagen in Kerpen und Straelen am Niederrhein oder Photovoltaik-Anlagen in Aachen, etwa auf dem Dach der Aseag. „Wir sind auf einem guten Weg, unser Ziel zu erreichen”, glaubt der Stawag-Vorstand.

Zu diesem Ziel gehört auch, den Ladestrom für Elektrofahrzeuge in Aachen ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu holen. Viel müsste das gar nicht sein. Steffen Kruse aus der Vertriebsabteilung der Stawag hat mal etwas herumgerechnet: Würden nach Maßgabe der Bundesregierung 2020 in Deutschland eine Million Elektromobile rollen, entfielen davon 3500 bis 4000 auf Aachen.

Der Stromverbrauch würde dann um zwei oder drei Prozent steigen. „Die Menge, die wir dann brauchen”, erklärt Peter Asmuth, „schaffen wir mit einem einzigen Windrad.” Das müsste allerdings etwas größer dimensioniert sein. „138 Meter Nabenhöhe, 101 Meter Rotordurchmesser”, nennt Asmuth die technischen Daten - und weiß wohl, dass gerade die im Südraum die Ängste beflügeln, in den Münsterwald würden für Aachener Elektroautos große Schneisen geschlagen: „Solche Anlagen bauen wir im Hunsrück.”

Eine größere Herausforderung könnte die Infrastruktur sein, wenn wesentlich mehr Elektrofahrzeuge ans Ladegerät angeschlossen werden. „Die Autos können zwar Schnellladung”, erklärt Asmuth, „aber das Netz nicht.” Das würde wohl in die Knie gehen, wenn etwa in einem Unternehmen sämtliche Elektromobile des Fuhrparks gleichzeitig kurz vor Feierabend eingestöpselt würden. „Wir brauchen ein intelligentes Netz”, meint Asmuth.

Ein solches System, bei dem Stromerzeuger und -verbraucher miteinander kommunizieren, könnte etwa die Ladezeiten steuern und Verbrauchsspitzen etwas abflachen. „Und einen siebenpoligen Stecker braucht man dann auch”, merkt Steffen Kruse ganz praktisch an.

Was man hingegen nicht braucht, ist für seinen Chef ganz klar: „Für die Elektromobilität müssen wir kein neues Kraftwerk bauen”, sagt Peter Asmuth. Stawag-Ablesedienst fährt mit Elektroauto von Zähler zu Zähler

Die Elektromobilität der Aachener ist der Stawag einiges wert: Die Stadtwerke gewähren ihren Kunden Zuschüsse beim Kauf von E-Bikes, E-Rollern oder Pedelecs (Pedal Electric Cycle). Das seit dem vergangenen Jahr bestehende Angebot stößt auf große Resonanz: Bislang wurden über 300 Elektrofahrzeuge auf diese Art gefördert. Alternativ zum Zuschuss - für Roller oder Pedelecs sind es 100 Euro, Ökostromkunden der Stawag bekommen 150 Euro - gibt es auch Monatskarten für die Busse der Aseag.

Der Fuhrpark des Energieversorgungsunternehmens wird überdies Zug um Zug mit Elektrofahrzeugen ausgestattet. Seit Anfang des Jahres kurven die Mitarbeiter des Ablesedienstes mit drei Mitsubishi i-MiEV durch die Stadt und sind dem Vernehmen nach sehr angetan von dem Modell. Daneben sind noch zwei elektrisch betriebene Fiat 500 (Karabag) mit Stawag-Logo zu Forschungszwecken unterwegs, sie sollen Erkenntnisse zu Fahrprofilen und Nutzerverhalten liefern.

Außerdem gehören rund drei Dutzend Elektroroller zum Fuhrpark des Unternehmens, viele davon sind allerdings an die Stadt oder die RWTH verliehen. Ein weiteres Elektroauto vom Typ Mia soll noch im Laufe des Jahres bei der Stawag seinen Dienst antreten. (wb)
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