Aachen - Ende 2013 sollen sich die ersten Rotoren drehen

Ende 2013 sollen sich die ersten Rotoren drehen

Von: Heiner Hautermans
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Vier der vorhandenen Windräde
Vier der vorhandenen Windräder bei Vetschau aus niederländischer Sicht. Sie stehen unter Bestandsschutz und können durch größere ersetzt werden (Repowering). Foto: Ralf Roeger

Aachen. Zwei Großprojekte bestimmen zurzeit die Kommunalpolitik. Während es bei der Campusbahn auf einen Bürgerentscheid im April 2013 hinausläuft, befindet sich der Bau von bis zu zwölf Windkraftanlagen auf dem geordneten parlamentarischen Weg.

Die Bezirksvertretungen Richterich und Laurensberg haben schon mehrheitlich zugestimmt, am Donnerstag legte der Planungsausschuss mit den Stimmen von CDU und Grünen nach.

Der Antrag der SPD, nur über den Münsterwald abzustimmen, wurde abgelehnt. Die Bezirksvertretung Kornelimünster/Walheim, die als erste dran war und sich mit der 1200-seitigen Vorlage überfordert fühlte, legt eine Sondersitzung am 19. November ein, am gleichen Tag befasst sich auch der Landschaftsbeirat mit dem Thema. Die eigentliche Entscheidung wird dann in der Ratssitzung am 21. November getroffen.

Knapp 100 Stellungnahmen auf rund 800 Seiten sind im Rahmen der sogenannten Offenlage für oder gegen das umstrittene Vorhaben eingegangen, berichtet Klaus Meiners, der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Umwelt. Beileibe nicht alle sind negativ eingestellt: „Es gibt viele Gruppierungen, die sich für die Windkraftanlagen aussprechen.” Alle Argumente seien geprüft worden: „Wir haben uns intensiv mit jeder Einwendung beschäftigt.”

Und vieles werde beim weiteren Vorgehen berücksichtigt. Beispielsweise die Vorbehalte niederländischer Gemeinden wie Bocholtz und Simpelveld, die höhere Lärmbelästigungen oder Beeinträchtigungen durch Schlagschatten sowie des Landschaftsbildes in den grenznahen Standorten Vetschau (Vetschauer Weg/Bocholtzer Weg) und Horbach (Alter Heerler Weg) befürchten.

So sei diesen Standorten, auf denen je zwei Anlagen errichtet werden sollen, ein höherer Lärmschutzwert zugebilligt worden. Das bedeutet konkret, dass möglicherweise nicht die effizienteste, sondern die leiseste Anlage genommen werden könne, als Auflage für den Betrieb. Denn noch steht nicht fest, welche Anlagen aufgebaut werden. Sie sind üblicherweise zwischen 150 und 200 Meter hoch und kosten 3,5 Millionen Euro pro Stück.

Sieben bis acht Anlagen sollen, wie berichtet, im Münsterwald platziert werden. Dort seien auch ergänzende Freilanduntersuchungen vorgenommen worden, nachdem aus der Bevölkerung Vorkommen streng geschützter Arten wie Rotmilan und Schwarzstorch gemeldet worden waren. Die im Oktober abgeschlossene Studie habe aber bestätigt, dass die Windkraftanlagen dort mit dem Artenschutzrecht vereinbar seien.

Teilweise seien die Flächen nach einer nochmaligen Untersuchung verändert worden, zum Beispiel im Münsterwald. So sei die Teilfläche östlich der B 258 verkleinert worden, um einen Abstand von 300 Metern zum Roetgener Naturschutzgebiet Vichtbachtal sicherzustellen. Meiners: „Wir können jetzt sicherstellen, dass in den Windkraftpotenzialflächen keine unzumutbaren Belastungen auftreten werden.”

Fällt der Rat am 21. November den endgültigen Beschluss, muss dieser noch von der Bezirksregierung genehmigt werden, diese Prozedur dürfte angesichts des sperrigen Themas rund drei Monate in Anspruch nehmen. Ab Februar 2013 könnten dann die Bauanträge gestellt werden, als Interessent haben sich schon die Stadtwerke gemeldet.

Meiners: „Definitiv entschieden ist noch nichts. Es gibt noch keine Verträge.” Bis die Anträge in einem umfangreichen Genehmigungsverfahren beschieden sind, vergehen weitere zwei bis drei Monate. Eine Weile werde man auch brauchen, um Rahmenbedingungen zu erfüllen, zum Beispiel: „Die Netzanbindungen müssen fertig sein.”

Im Sommer nächsten Jahres könne also frühestens mit dem Bau der ersten Windkrafträder begonnen werden - wenn alles glatt geht. Die eigentliche Bauzeit beträgt weitere zwei bis drei Monate, so müssen etwa Fundamente gegossen werden und aushärten. „Ziel ist es, noch vor Jahresende Anlagen ans Netz zu bringen.”

SPD in Laurensberg stimmt gegen die Anlagen

„Es ist aberwitzig und unverantwortlich, zu behaupten, die geplanten Windkrafträder in Vetschau stünden den Bedürfnissen der Menschen entgegen”, kritisierte Georg Hilfrich (Grüne) die Haltung der SPD. Die stimmte in der Sitzung der Bezirksvertretung Laurensberg gemeinsam mit der FDP gegen die Änderung des Flächenutzungsplans.

„Die SPD-Bezirksvertretung Laurensberg ist grundsätzlich nicht gegen erneuerbare Energien”, heißt es in einer Erklärung dazu. „Wir sind der Meinung, dass die Windkraftgewinnung in Deutschland, neben Pumpkraftspeicherwerken und Fotovoltaik, ausgebaut werden muss. Aber die menschlichen Bedürfnisse dürfen dabei nicht in den Hintergrund geschoben werden”, meint die SPD. Schlagschatten, Infraschall und zu geringer Abstand zur Bebauung seien Aspekte, die man nicht einfach unter den Tisch fallen lassen dürfe.

Die Verwaltung habe ein Konzept entwickelt, um die Menschen zu schützen, argumentierte dagegen die CDU. „Wir müssen einen Kompromiss zwischen den Menschen und den Windrädern finden”, meinte Christian Krenkel (CDU). Und Martin Knörzer (Grüne): „Wir müssen jetzt die richtigen Weichen stellen.” Mit den Anlagen könnten schließlich 35 000 bis 40 000 Menschen mit Strom versorgt werden. (mas)

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