Aachen - Elterntraining soll „Risikokindern” helfen

Elterntraining soll „Risikokindern” helfen

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Gemeinsam haben Eltern aus der Kita Weißwasserstraße trainiert, wie sie ihr Kind in der Sprachentwicklung unterstützen können. Vorne von rechts Lehrlogopädin Ulrike Stiller und Logopädin Denise Lüdemann, hinten rechts Gabriele Trost-Brinkhues (Gesundheitsamt).

Aachen. Wenn es mit der Sprache nicht so recht klappen will, können Eltern viel tun, um ihrem Kind zu helfen. Eltern aus der Kindertagesstätte Weißwasserstraße in Rothe Erde haben dafür jetzt wertvolle Tipps erhalten.

In der Kita haben sie ein „Heidelberger Elterntraining” absolviert. Es war das erste Mal, dass das Aachener Kindersprach-Zentrum (KIZ) ein solches Training in einer Tagesstätte angeboten hat. Finanziert wurde der Kurs über Fördermittel, aus Mitteln der Stadtteilerneuerung für den Aachener Osten.

Die Kinder, allesamt zwischen zwei und drei Jahren, sind in ihrer Sprachentwicklung verzögert. Solche „Risikokinder” verstehen weniger, und sie sprechen schlechter, als Kinder ihrer Altersgruppe eigentlich sollten. Die Hälfte der Kinder holt dieses Defizit auf und lernt die Sprache ganz normal. Die andere Hälfte aber entwickelt eine Sprachentwicklungsstörung, die therapiert werden muss.

Das „Heidelberger Elterntraining” soll helfen, dass sich mehr als die Hälfte der Kinder positiv entwickelt”, sagt Lehrlogopädin Ulrike Stiller. Zusammen mit Logopädin Denise Lüdemann hat sie Anfang 2008 das Kindersprach-Zentrum aufgebaut. Die Gründerinnen setzen sich dafür ein, dass Sprachentwicklungsstörungen bei Kleinkindern früher erkannt und therapiert werden.

Sieben intensive Wochen haben die Eltern aus der Weißwasserstraße hinter sich. Und sie alle sind sicher, ein Stück weitergekommen zu sein. „Ich weiß jetzt, worauf ich achten muss, zum Beispiel wenn wir gemeinsam ein Bilderbuch anschauen”, sagt die Mutter von Aris. Auch im Alltag von Tim und dessen Vater spielen Bilderbücher nun eine viel größere Rolle.

„Ich nehme mir jetzt mehr Zeit”, sagt die Mutter der kleinen Kimberly. „Anfangs habe ich viel zu viel geredet.” Sie lässt jetzt ihr Kind mehr reden und wiederholt die Sätze korrigierend.

Vom Erfolg überzeugt

„Ich musste erst lernen, ruhig zu werden und die Kleine ein Buch anschauen zu lassen”, gesteht die Mutter von Luca Jil. Vom Erfolg des Trainings ist auch sie überzeugt: „Luca Jil kommt jetzt viel öfter und redet mit mir.” Kleine Sätze spricht das Mädchen jetzt auch bereits. „Seit dem Training spreche und singe ich mehr mit dem Kind”, hat Saras Mutter beobachtet.

Dr. Gabriele Trost-Brinkhues, Leiterin des Jugendärztlichen Diensts beim städtischen Gesundheitsamt, freut sich, dass es gelungen ist, das Elterntraining in die Kita zu holen. „Wir wissen heute eine Menge über Sprachentwicklung. Und je früher etwas getan wird, desto wirksamer ist es.”

Die Ärztin hat auch an Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt geschrieben und diese über die guten Erfahrungen mit dem Elterntraining informiert. „Der nächste Schritt müssten eigentlich weitere Kurse sein”, sagt sie. Meist gibt es allerdings keine Fördermittel oder Spenden, und dann müssen Eltern das Heidelberger Elterntraining häufig selbst finanzieren, denn die Krankenkassen zahlen in der Regel nicht.

Deshalb sind Ulrike Stiller und Denise Lüdemann froh, dass jetzt wieder ein Heidelberger Elterntraining stattfinden kann, diesmal im Familienzentrum Gut Kullen und finanziert zum größten Teil aus Geldern der Familienbildungseinrichtung In Via. „Diese Chance sollten alle Eltern haben”, findet Kinderärztin Trost-Brinkhues.

Erreichbar ist das Aachener Kindersprach-Zentrum unter 0241/9890078, E-Mail ac-kiz@ac-kiz.de
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