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Elternschule macht sich stark für partnerschaftliche Erziehung

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Setzen auf partnerschaftliche Prinzipien in der Erziehung: Marlies Pütz (links) und Ute Müller-Giebeler vom Leitungsteam der Elternschule.

Aachen. Können Eltern ihren Kindern Partner sein? Kann man Kinder überhaupt partnerschaftlich erziehen? Solche Fragen haben das Zeug, Mütter und Väter völlig zu verunsichern. Entsprechend umfangreich ist die einschlägige Ratgeberliteratur.

Manche dieser Werke werden sogar Bestseller. Wie das Buch des Kinder- und Jugendpsychiaters Michael Winterhoff, „Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden”, eine strikte Absage an die Idee der Partnerschaftlichkeit in der Erziehung. Marlies Pütz hat das Buch gelesen. „Und es hat mich total erschreckt”, sagt sie.

Marlies Pütz und Ute Müller-Giebeler leiten die Elternschule Aachen. Die Familienbildungseinrichtung setzt ausdrücklich auf partnerschaftliche Erziehung und bietet dazu auch Kurse an. Winterhoff dagegen, kritisieren die Diplom-Pädagoginnen, rate Eltern, dass sie ihr Kind formen, zähmen, drillen müssten.

Den Leiterinnen ihrer Elternkurse haben Müller-Giebeler und Pütz deshalb eine Antwort auf Winterhoffs Thesen an die Hand gegeben: „Warum unsere Kinder nicht zu Tyrannen werden.” Winterhoff, argumentieren sie, zitiere krasse Fälle aus seiner Praxis - extrem auffällige Kinder - und verallgemeinere die Befunde zu einem Massenphänomen. „Und damit packt er die Eltern”, sagt Marlies Pütz. „Eltern wollen schließlich das Allerbeste für ihr Kind.” Damit Kinder keine Tyrannen werden, brauchen sie laut Winterhoff Grenzsetzung, Führung, Normung und Formung. Bei kleinen Kindern funktioniere das ja auch verführerisch gut, weiß Müller-Giebeler: „Einmal Sandmännchen-Verbot, und man kriegt alles von seinem Kind.”

Die Elternschule setzt solchen Thesen die partnerschaftliche Erziehung nach Thomas Gordon entgegen. Ein Grundprinzip, das der amerikanische Psychologe aufgestellt hat: Die Bedürfnisse aller Familienmitglieder, ob Kind, Eltern oder Oma, sind gleich viel wert. Das heißt nicht, dass das Kind alles darf. Das heißt aber auch nicht, dass der Wunsch der Eltern absolutes Gesetz ist.

Kreative Lösungen

„Eltern dürfen ihre Macht und die Abhängigkeit ihrer Kinder nicht ausnutzen, um ihre Interessen durchzusetzen oder die Bedürfnisse ihrer Kinder als âfalsch, schlecht´ und die eigenen als âgut, richtig´ zu bewerten”, heißt es in den Handreichungen für die Kursleiterinnen. Natürlich gibt es dann Konflikte in der Familie. Unterschiedliche Bedürfnisse lassen sich schließlich nicht unter einen Hut zaubern. „Aber wenn alle offen sind für das, was die anderen sagen, dann lassen sich solche Konflikte im Gespräch auftragen”, sind die Diplom-Pädagoginnen überzeugt. „Und Familien kommen zu kreativen Lösungen.” Grenzen müssten allerdings da gesetzt werden, wo die anderen eingeschränkt oder verletzt werden.

In den Kursen der Elternschule können Mütter und Väter Strategien für diesen partnerschaftlichen Umgang lernen: zum Beispiel Kindern und Partnern so zuzuhören, das sie sich verstanden fühlen; und Konflikte so zu lösen, dass keiner als Verlierer dasteht.

Immer wieder stellen Pütz und Müller-Giebeler fest: „Kinder, die sich respektiert fühlen, sind viel kooperativer.” Die partnerschaftlichen Erziehung nach Gordon bietet keine „Instant-Rezepte”, warnt das Team von der Elternschule. Aber Eltern, die sich auf den Prozess einlassen, seien oft so begeistert, dass sie mehrere Kurse hintereinander besuchten.
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