Eltern, Schüler und Lehrer kämpfen weiter um Schule am Kronenberg

Von: Werner Czempas
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Aachen. Blüht dem westlichen Stadtviertel rund um Konenberg ein Niedergang und ein ähnliches Schicksal der Tristesse wie im Preuswald? Diese Gefahr malte FDP-Vertreter Joachim Moselage an die Wand, als es in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte um die Schließung der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck (ehemals Gemeinschaftshauptschule Kronenberg) ging.

Die Schließung der Schule Kronenberg sei „unglücklich” und „kein vernünftiger Schritt”, erklärte Moselage. Die Entwicklung des Viertels sei besorgniserregend. Ein lebendiges Stadtviertel habe in den vergangenen Jahren „immer mehr an Leben verloren”.

Die Stadt müsse dem entgegensteuern. Die Schule Kronenberg arbeite erfolgreich mit ihrem vor einem Jahr entwickelten reformpädagogischen Konzept. „Es weht ein frischer Wind an der Schule. Diese positive Tendenz sollten wir nicht abwürgen”, so der FDP-Politiker.

Das sahen auch die vielen Zuhörer so. Rund 60 Eltern, Schüler und Lehrer nahmen die Gelegenheit wahr, wie schon im Bürgerforum und anderen Ratsauschüssen auch in der Bezirksvertretung Mitte gegen die Schließung der Schule Kronenberg zu protestieren.

In der Fragestunde für Einwohner flogen zu Wortmeldungen die Hände nur so hoch. „Wie wollen Sie das Viertel lebendig halten?” fragte eine Bürgerin in die Runde. Schon die Grundschule sei geschlossen worden und längst gebe es keinen Pfarrer mehr im Viertel, weshalb sie wie viele andere befürchte, dass der gesamte Stadtteil „gesellschaftlich in eine andere Richtung läuft”.

Nun hat die Bezirksvertretung bei Schließungen von Hauptschulen anders als bei den Grundschulen gesetzlich kein Entscheidungs-, sondern nur ein Anhörungsrecht. Bezirksbürgermeister Achim Ferrari wies denn auch eins ums andere Mal darauf hin. Gleichwohl kam sein wiederholtes „Wir sind nicht zuständig!” für die Bürger zwar freundlich, aber wenig überzeugend rüber. Ein Fragesteller: ”Warum denn kann die Bezirksvertretung Mitte keine Empfehlung für die Schule Kronenberg aussprechen? Das ist doch traurig, wenn so etwas nicht geht.”

Ob es fair sei, ihre Schule schon nach einem Jahr mit dem neuen Konzept und mit mehr als 30 Prozent gestiegenen Schülerzahlen zu schließen, wollten die „Kronenberger” wissen. Ob man der Schule nicht die Chance geben müsse, sich „richtig zu entwickeln”? Ob man mit Blick auf die vierte Gesamtschule vor einer Entscheidung über ihren Standort nicht zuerst einmal abwarten müsse, wie hoch die Kosten für einen Umbau der Schule Kronenberg oder der favorisierten David-Hansemann-Schule seien?

Die Schließungs-Befürworter aus den Reihen von CDU und Grünen eierten schmerzlich geplagt, doch etwas hilflos herum. Marianne Conradt, CDU: „Ob des demografischen Wandels können wir eine Vielzahl von Schulen bedauerlicherweise nicht mehr aufrecht erhalten, wir können uns nicht mehr Kinder backen.” Helga Gaube (Grüne) sekundierte: „Die Zahlen an Ihrer Schule sind nicht zufriedenstellend.” Was den erbosten Zwischenruf und erneuten Hinweis auf die Fakten provozierte: „Wir haben keine sinkenden Schülerzahlen.”

„Was Sie vortragen, werden wir in unsere Fraktionen bringen”, versuchte Bezirksbürgermeister Achim Ferrari die um ihre Schule kämpfenden Eltern, Lehrern und Schüler zu beruhigen. „Sie sind nicht umsonst hier, wir hören zu und informieren unsere Fraktionen”, pflichtete Lilli Philippen (SPD)bei. Allein, am Ende der Fragestunde bekannte ein grübelnder Bezirksbürgermeister Achim Ferrari den abziehenden Kronenbergern ahnungsvoll: „Sie haben keine zufriedenstellenden Antworten erhalten.”

Lasse Klopstein (Die Linke) empfahl bei der Abstimmung nach der Fragestunde, die Bezirksvertretung möge die Schul-Schließungsempfehlung der Verwaltung für Schulausschuss und Stadtrat (Entscheidung dort am 8. Dezember) lediglich „zur Kenntnis” nehmen. Seinem Antrag folgten nur SPD und FDP, während die schwarz-grüne Mehrheit sich für das eindeutige „zustimmend zur Kenntnis” aussprach.
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