Aachen - Elisabethhalle: Seltene Führung durchs Labyrinth

Elisabethhalle: Seltene Führung durchs Labyrinth

Von: Martina Stöhr
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Bis zu 300 Gäste schwimmen täglich in der Jugendstilhalle in der Elisabethstraße. Das Schmuckstück unter den Aachener Schwimmbädern ist inzwischen mehr als 100 Jahre alt. Foto: Ralf Roeger
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Schwimmmeister Ingo Diesburg zeigt hin und wieder interessierten Gästen die Geheimnisse der Elisabethhalle. Am Wochenende war es wieder soweit. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dampfsauna, Wannenbäder, Hundebad, Massageräume und ein irisch-römisches Bad: Als die Elisabethhalle vor rund 100 Jahren ihre Pforten öffnete, war sie ein richtiger Wellnesstempel. Noch heute zeugen alte Wannen und Armaturen von der Vergangenheit.

„Die Wannenbäder wurden sogar noch bis 2002 benutzt“, erzählt Schwimmmeister Ingo Diesburg. Vor allem Senioren hätten die Gelegenheit genutzt, unter Aufsicht ein Bad zu nehmen. Doch dann wurde das Angebot aus Kostengründen gestrichen. Heute werden nur noch die zwei Schwimmhallen des Jugendstilbades genutzt.

Um den Besuchern auch eine Ruhezone zu bieten, finden sich im oberen Bereich Liegen, Sessel und ein Sofa. Die Kabinen mit ihren Vorhängen und Spiegeln, Fliesen, Geländer und Böden sind noch genau wie vor 100 Jahren. Die Stufen zur Schwimmhalle sind inzwischen sichtbar abgetreten, aber eben immer noch original. Der Duschbereich dagegen wurde wiederholt saniert. Zum letzten Mal 2011. Da wurde er mit einem Sichtschutz aus Glas möglichst originalgetreu instand gesetzt.

Eigene Wäscherei

Und während die Badegäste im Wasser ihre Bahnen ziehen, ahnen sie wohl kaum, das unter ihnen ein wahres Labyrinth an Gängen und Räumen das eigentliche Herz des Schwimmbades verbirgt. Früher gab es hier sogar eine Wäscherei, die die Badegäste mit frischen Handtüchern versorgte. Auf dem Boden zeugen alte Schienen für die Wäschewagen von der Vergangenheit. Getrocknet wurden die Handtücher in einer Art Register mit warmer Luft, die zugeführt wurde. „So konnte die Wäsche bei jeder Witterung innerhalb des Hauses getrocknet werden“, erklärt der Schwimmmeister, während er seine Gäste bei einer der seltenen Führungen durch die Katakomben der Schwimmhalle führt.

Gebaut wurde die Halle an der Elisabethstraße von 1908 bis 1911. Die Front ist 31 Meter breit, und nach hinten erstreckt sich die Halle fast bis zum Münsterplatz. 900.000 Goldmark hat der Bau gekostet. Von den Bombenangriffen des Krieges blieb die Elisabethhalle weitgehend verschont. Der Teil mit dem irisch-römischen Bad allerdings wurde zerstört. Ein Kellerraum der Halle wurde als Luftschutzkeller genutzt. „Und wer dort als Kind gesessen hat, der kann den Raum auch heute nicht ohne Beklemmungen betreten“, sagt Diesburg, bevor es dann weiter geht zu dem riesigen Kamin. Das Wasser wurde früher über drei große Dampfkessel erhitzt. Jeden Tag kam ein Lkw mit Kohle. „Und wer die Augen zumacht und schnuppert, der kann das auch noch riechen“, meint Diesburg.

Heute funktioniert alles mit Fernwärme. Und über eine eigene Anlage wird dem Wasser Chlor zugeführt. Überall unter den Decken hängen gut isolierte Rohre und Leitungen. Auch die Becken des Schwimmbades sind zu sehen. „Zeitweise ist das Schwimmbad auch mit Thermalwasser betrieben worden“, erzählt Diesburg. Aber das habe große Schäden angerichtet. Heute nutzt man wieder Leitungswasser. Bedauerlich sei nur, sagt er, dass die Besucherzahlen auch nach der Sanierung im Jahr 2011 nicht bedeutsam gestiegen seien. 300 Badegäste kommen pro Tag. Dazu kommen noch die Schulklassen, die die kleine Halle benutzen.

Wer auf das klare blaue Wasser unter dem hohen Deckengewölbe schaut, der freut sich, dass die Elisabethhalle so geblieben ist, wie sie ist. Laut Diesburg gab es durchaus immer mal wieder Pläne für eine andere Nutzung. Doch bislang ist den Aachenern das Schmuckstück unter den Schwimmbädern erhalten geblieben.

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