Aachen - Eisenbahner wollen in alte Trauerhalle ziehen

Eisenbahner wollen in alte Trauerhalle ziehen

Von: hau
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07. November 2013 TRIX Express Eisenbahn bezieht neue RäumeReimund Beulen und Hubert Horenbeek Copyright Ralf Roeger

Aachen. Die Stadt Aachen verfügt über 28 Friedhöfe auf einer Fläche von 163 Hektar. Viel zu viel, das ist schon seit Jahren klar. So gibt es seit 2006 Überlegungen, Kosten zu sparen und überflüssige Gebäude aufzugeben. Besonders im Fokus stand der Friedhof Lintert, auf dem die Zahl der Beisetzungen seit langem rückläufig ist.

Für die unter Denkmalschutz stehende Aussegnungshalle bahnt sich nun eine neue Nutzung an: Modelleisenbahner haben Interesse, dort einzuziehen. Aufgefallen war der beklagenswerte Zustand der ausgemusterten Trauerhalle dem inzwischen 80-jährigen ehemaligen Baudirektor Fred Quarten bei einer Beerdigung. Quarten hatte die Statik des Gebäudes als junger Ingenieur selbst berechnet und war entsetzt, wie heruntergekommen sie war. Spontan fasste er einen Entschluss, sie zu sanieren, und sammelte bei seinen Freunden zum 80. Geburtstag Geld, um zu diesem Zweck eine Stiftung zu gründen. Zunächst wollte er nur die sieben großen Holzbinder sanieren, die das trapezförmige Dach tragen, doch ein Sachverständiger riet zu einer umfassenden Renovierung des ungeheizten Gebäudes.

Auf der Suche nach geeignetem Material dazu stieß er zufällig in einem Baumarkt auf Reimund Beulen, Fachberater für Farbhersteller und im Nebenberuf begeisterter Modelleisenbahner. Er besichtigte mit Quarten die leerstehende Halle, um ihm fachliche Ratschläge zu erteilen, fand schnell aber Gefallen an dem Gedanken, dort mit seinen Eisenbahnerfreunden einzuziehen. Zurzeit hat der von ihm gegründete Trix-Express-Stammtisch Räume in Burtscheid angemietet, in Lintert könnte man sich ausbreiten und wesentlich großzügiger präsentieren.

Die Eisenbahnfreunde, zu ihnen gehören auch die N-Bahner Aachen, zählen etwa 30 Köpfe, zu Veranstaltungen kommen sogar Gleichgesinnte aus den Niederlanden oder den USA. Sie sehen sich in der Lage, die Halle weitgehend mit eigenen Kräften zu renovieren: „Vom Aufwand her haben wir bei der Renovierung wenig Bedenken.“ Sie hoffen auf eine niedrige Pacht, einen Zehn-Jahres-Vertrag, machen aber zur Bedingung, dass die Stadt die Heizung wieder in Gang bringt. Dann können sie in der Halle ihre Oldtimer ausstellen: Trix-Anlagen, die bis zu 70 Jahre alt sind und die sie teilweise aus Nachlässen bekommen und restaurieren. In der Halle könnten sie auch der Öffentlichkeit präsentiert werden, Spaziergänger etwa an Sonntagen zu Kaffee und Kuchen eingeladen werden, um die alten Schätze zu bestaunen. „Das Ganze soll den Charakter eines Museums haben.“

Beulen hat allein 130 Bahnhöfe aus verschiedenen Epochen gesammelt, auch die könnte er in Lintert schön präsentieren. Schließlich bilden die Modell­eisenbahner einen festen Kern, der beharrlich dem Hobby frönt und auch bereit ist, dafür Hand anzulegen. Auch die Hersteller haben dies bemerkt, kürzlich sei von Märklin, das den Konkurrenten Trix 1997 übernommen hatte, wieder eine Trix-Lokomotive herausgebracht worden.

An der Stadt Aachen soll es nicht liegen. So hat der Betriebsausschuss für den Stadtbetrieb kürzlich einstimmig beschlossen, die Aussegnungshalle und die Flächen, auf denen sie steht, zu entwidmen. Eventuell wollen die Eisenbahner auch die ehemalige Dienstwohnung übernehmen, in die ein Mitglied einziehen könne, da man Angst vor Vandalismus hat. Viele der Ausstellungsstücke sind nämlich unersetzlich.

Dann werde der Friedhof mehr belebt, freute sich Vorsitzender Claus Haase: „Eine Zeit lang haben wir dort Probleme mit Diebstählen gehabt.“ Möglicherweise muss ein neuer Eingang für den Friedhof angelegt werden, aber das Problem sei lösbar, hieß es weiter.

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