Einzigartiger Blick vom Campus-Balkon

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Hier mündet der Campus-Boulev
Hier mündet der Campus-Boulevard in die Forckenbeckstraße. Ende 2011 wird er weiße Mergelboden unter Asphalt verschwunden sein. Foto: Roeger

Aachen. „Mitte 2013 will ich hier fertig sein, denn dann werde ich pensioniert.” Projektleiter Wittich Dahlhaus lächelte. Der Satz des Mannes, der vor Ort den Ausbau des Campus Melaten leitet, kam spontan und war durchaus ernst gemeint.

Er will dann fertig sein mit der Infrastruktur des Campus Melaten, wie viele Hochbauten dann stehen, das kann er nicht sagen. Dahlhaus bewegt für den Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) das Prestigeprojekt der RWTH, den Campus Melaten mit 473.000 Quadratmetern Fläche auf beiden Seiten des neuen „Campus-Boulevards”. Jetzt sieht die Straße noch aus wie bei der Rallye Paris-Dakar. Genau dort an dem künftigen Wissenschaftsboulevard, an dem wie an einer Perlenschnur aufgereiht die Top-Forschungseinrichtungen aus aller Welt siedeln sollen, trafen sich die „Nachrichten” mit dem Bauleiter vor Ort sowie dem Abteilungsleiter beim BLB, Herbert Holler. Die Masse der Erdarbeiten ist bereits vollbracht, Fernwärmeleitungen liegen, Drainagen sind eingebracht, Abwasser- und Stromleitungen sind in der Straße.

Der Wald bleibt stehen

Die beiden Verantwortlichen gehen vom Bauleitungspavillon zur Trasse des Boulevards nordwestlich des WZL (Werkzeug- und Maschinenlabor), dessen leitender Direktor, Prof. Günther Schuh, quasi der Erfinder der Campus-Idee ist. „Dort hinten der Wald bleibt so stehen”, erläutert Holler die Perspektive. Man schaut auf einen Waldsaum, der die hintere Begrenzung der sechs neuen Forschungscluster Logistik, Schwerlastantriebe, Produktionstechnik, Optische Technologien, Biotechnik und nachhaltige Energietechniken bildet. „Wir haben eine ökologische Bauleitung, die passt auf”, schneidet Holler das wie überall schwierige Thema ökologisches Bauen an.

Einigermaßen stolz verweist man darauf, dass die in den Umweltgutachten vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen übertroffen würden. „Wir haben später mehr Bäume, rund 350”, meint Dahlhaus und blickt dabei auf das vor ihm liegende Rabental. Das ist ein besonderes Stück Grün an der südlichen Einmündung des Boulevards neben dem Laborgebäude „Amica”(Nanotechnologie).

Um den „Durchstich Rabental” hatte es erbitterte Gefechte mit ansässigen Umweltgruppen gegeben. „Eines ist gut gewesen”, waren sich beide BLB-Vertreter einig. Durch die frühen Proteste war die Anbindung des Boulevards an die Forckenbeckstraße in einem enger gezogenen Radius geplant worden. „Wir haben so den Talverlauf weitgehend erhalten”, meinte Dahlhaus. Am Rabentalweg grasen momentan Schafe, es sind die offiziell bestallten, lebenden „Rasenmäher” der RWTH. Und es steht dort ein Zaun, der den Rabentalweg in Richtung Seffent absperrt. Wegen ihm hatte es schon Beschwerden gegeben. „Mitte Juni ist der Zaun wieder weg. Wir sind selbst damit nicht glücklich. Es musste aber sein”, erklärte Dahlhaus.

Der BLB hatte das Problem, dass Heerscharen Studierender mittags aus den Instituten über die Großbaustelle in Richtung Mensa liefen. Und Spaziergänger enterten die Baustelle, so dass das Gelände mit einem 6,5 Kilometer langen Drahtzaun abgeriegelt werden musste. Trotzdem schlüpfen immer wieder Unbefugte durch die Maschen. Das Rabental mit dem Gut Melaten hat alle Chancen, zu einer visuellen Attraktion werden. Denn in der Kurve hat man in Hanglage eine weite Ebene angeschüttet, die „Boulevard-Balkon” heißt und als solcher bekannt werden wird. Hier soll man sich draußen aufhalten und entspannen können. Es gibt Platz für Cafés und andere Einrichtungen, der Blick von der Terrasse in Richtung Uniklinik ist einzigartig idyllisch.

Nicht weit davon macht die Brücke Melaten Probleme. Sie ist trotz ihres jungen Alters in ihrer Statik angeschlagen, nur gut, dass sie jetzt als Radweg benutzt wird. Dessen Weiterführung in Richtung Rabental ist bereits neu gebaut, bald werden die Pedaltreter ungehindert fahren können. Das Gebiet unter der Brücke ist eine riesige Baulandschaft, aus der der weiße Mergelboden hervorleuchtet. Hier sollen weitere Cluster entsehen, elf sind es insgesamt auf Melaten. Am Beginn der Forckenbeckstraße wird kommende Woche ein erster großer Kreisverkehr entstehen, das wird den wüstenartigen Gesamteindruck mildern.

Ende 2011 sollen alle Wegungen angelegt und mit einer Straßendecke versehen sein. „Die feine letzte Schicht und die Pflasterung der Gehsteige kommt dann 2012”, versichern die Planer. Wann die Hochbauten in den Himmel schießen, hängt ganz von der Vermarktung des Campus ab, Prof. Schuh zur Situation: „Wir sind etwa ein halbes Jahr in Verzug. Das liegt jedoch nur an Problemen, die wir mit dem Zusammenwirken der verschiedenen Administrationen haben.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert