Radarfallen Blitzen Freisteller

Einsteins Musicbox, die Zweite: Klassik ohne Krawatte

Von: Werner Breuer
Letzte Aktualisierung:
6846057.jpg
Einstimmung auf das klassische Konzert: RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven, Solist David Kindt, Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und Theater-Dramaturg Michael Dühn (von links). Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Immer schön locker bleiben, darauf legt RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven großen Wert. Schließlich soll das klassische Konzert ein „niederschwelliges Angebot“ sein. Schon der Titel ist Programm: „Einsteins Musicbox“ soll eine Verbindung herstellen zwischen Musik und Wissenschaft. Der Physiker sei auch ein großer Musiker gewesen, erklärt Theater-Dramaturg Michael Dühn.

Der Gelehrte hatte sich schon bei der ersten Auflage im vergangenen Jahr als Zugpferd erwiesen. „Beim letzten Mal mussten wir sogar einige Leute wieder wegschicken“, berichtet Nettekoven.

So niederschwellig günstig bekommen Studenten aber wohl auch kaum ein Konzert des Aachener Sinfonieorchesters geboten. Generalmusikdirektor Kazem Abdullah und seine über 60-köpfige Truppe spielen für Studierende der Aachener Hochschulen „für lau“, Schüler und RWTH-Mitarbeiter zahlen zehn Euro, alle anderen dürfen auch rein und zahlen den Normalpreis von 38,45 Euro. „Es ist ein Geschenk des Orchesters an die Studenten“, erklärt Dramaturg Dühn.

Überreicht wird es am Samstag, 11. Januar, ab 20 Uhr in der Aula des RWTH-Hauptgebäudes am Templergraben 55. Zum Einstieg gibt es „Sphärenklänge“ von Josef Strauß, die laut Programm „den Hörern der Medizin gewidmet“ sind. Müssen die anderen so lange draußen warten? Keineswegs, aber das Werk sei seinerzeit bei einem Medizinerball in Wien uraufgeführt worden, erklärt Dühn den Hintergrund. Weiter geht es mit Arthur Honeggers „Rugby“ und Mozarts Prager Sinfonie. Die darf in Einsteins Musicbox nicht fehlen, weil der Physiker ein großer Mozart-Fan war, sagt Nettekoven.

Im zweiten Teil wird dann die Brücke über den großen Teich in Adullahs amerikanische Heimat geschlagen. Neben Dvoáks Sinfonie „Aus der neuen Welt“ erklingen von Samuel Barber die „School for Scandal“-Ouvertüre und das Adagio for Strings sowie Aaron Coplands „Fanfare for the common Man“ und sein Klarinettenkonzert.

Das sei „gar nicht so einfach“, meint Klarinettist David Kindt, der es als Solist über die Bühne bringen muss. Dühn formuliert es positiver: Das Werk „gibt dem Solisten Gelegenheit, seine Qualitäten herauszustellen“. Die Musik passe zwar noch in den klassischen Rahmen, meint Abdullah, sei aber stark vom Jazz beeinflusst.

Vielleicht eignet es sich deshalb gut als „Einstiegsdroge“, wie Dramaturg Dühn das Angebot verstanden wissen möchte. Kanzler Manfred Nettekoven hat dabei eine Zielgruppe im Blick, die ansonsten in Konzertsälen so selten vertreten ist wie junge Frauen in Maschinenbau-Vorlesungen. „Wir freuen uns vor allem über Leute, die die Prager Sinfonie noch nicht mitsummen können“, sagt Nettekoven.

Die anderen sind auch willkommen, aber der Platz ist begrenzt. 550 Plätze bietet die Aula der RWTH; die Bühne muss eigens verlängert werden, um das Sinfonieorchester unterzubringen. Die Macher raten deshalb zu zügiger Kartenreservierung. Das gilt auch für nicht zahlende Studenten, die kostenlose Zählkarten bekommen. Aber auch dafür müssen sie zur Theaterkasse und dort ihren Studentenausweis vorlegen.

Nach der Premiere im vergangenen Jahr soll es nun bei der zweiten Auflage auch eine Premiere geben. Nach dem Konzert sollen Musiker und Besucher nicht sofort auseinandergehen. „Wir wollen Berührungsängste abbauen und Menschen ins Gespräch bringen“, sagt Nettekoven. Ganz zwanglos natürlich, locker und ohne vorgeschriebene Abendgarderobe. „Wenn jemand unbedingt seinen Smoking ausführen will“, erklärt Kanzler Nettekoven, „kommt er damit auch rein, auch mit Studentenausweis.“ Aber von Krawattenzwang will man in Einsteins Musicbox nichts wissen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert