„Einkaufswagen-Streit”: 25-Jähriger zu Geldstrafe verurteilt

Von: Michael Klarmann
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Als „Einkaufswagen-Streit” sorgte der Fall einst für Aufsehen - nun hat das Amtsgericht Aachen einen 25-jährigen Studenten mit Migrationshintergrund wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt. Hintergrund war ein Disput um den letzten Einkaufswagen.

Im deswegen eskalierenden Streit folgten verbale Attacken - laut Zeugen Begriffe wie „Scheiß Moslem”, „Rassist” und „Nazi” - sowie mindestens ein Schlag.

Zugetragen hatte sich der Vorfall am 12. Dezember des vergangenen Jahres in einem Aachener Supermarkt. Beteiligt waren der 25-jährige Student mit Migrationshintergrund, der mit der an Multiple Sklerose (MS) leidenden Mutter, seiner Schwester und der Ehefrau - alle Kopftuch tragende Muslima - in dem Supermarkt einkaufen wollte, außerdem ein 75 Jahre alter Ingenieur mit leitender Funktion bei der „Aachener Bürger Liste” (ABL).

Der 25-Jährige sagte im Prozess aus, seine Schwester und später auch er selbst seien von dem 75-Jährigen als „Scheiß Moslems” beschimpft worden. Daher habe er sein Gegenüber einen „Rassisten” genannt. Als der Senior auf seine Mutter losgegangen sei und sie rücklings auf die Käsetheke fiel, habe er den Mann abwehren wollen und nach ihm geschlagen. Das Opfer jenes Schlages bestritt die Beleidigungen und wollte seinerseits die ihn angreifende Mutter nur abgewehrt haben. Zudem gab er an, die Situation im Laden sei erst eskaliert, weil er zuvor als „Nazi” beschimpft worden sei.

Tumultartige Abläufe

Jene widersprüchlichen Schilderungen zu den teils tumultartigen Abläufen am Tattag ließen sich im Prozessverlauf nicht restlos aufklären. Der Verteidiger des Studenten mahnte jedoch in seinem Plädoyer am Donnerstag an, auch wenn sein Mandant den Schlag gegen den Senior zugegeben habe und das sehr bedauere, gelte es auch zu berücksichtigen, warum die Situation sich überhaupt zugespitzt habe. Er gehe davon aus, dass die „rassistischen Äußerungen” des Opfers ausschlaggebend waren für den Konflikt. Sein Mandant habe seiner Mutter schließlich nur helfen wollen, weswegen der Student freizusprechen sei.

Die Richterin sah das teilweise anders. Der Vorwurf der Körperverletzung habe sich bestätigt, begründete sie das Urteil, zumal der 25-Jährige einen Schlag zugegeben habe. Den verbalen Streit, der in Tumulten ausuferte, sah die Richterin auch. Die Mutter des Studenten sei wohl auch durch einen Schubser des Seniors gestürzt. Doch danach sei „der Angriff beendet” gewesen. Also, schlussfolgerte die Richterin, habe es für den Studenten keine Rechtfertigung mehr gegeben, nach dem seinerzeit 74-Jährigen zu schlagen.

Anhänglich ist in der Sache noch ein Zivilverfahren. Die Mutter des Verurteilten hat laut Anwalt ihrerseits nach dem Vorfall Strafanzeige wegen Körperverletzung gegen den Senior gestellt, der sie in die Käsetheke geschubst haben soll. Der 75-Jährige wiederum sagte, ihm sei nichts davon bekannt, dass gegen ihn selbst ermittelt werden soll. Die rechtliche Bewertung des Streits scheint also noch nicht beendet.
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