Einhard-Gymnasium: Furiose „Zugfahrt” mit Michael Lentz

Von: Lee Beck
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Auf der „Lentz-Couch”: Micha
Auf der „Lentz-Couch”: Michael Lentz und die Moderatoren Jonny Saacke, Cedric Wagner und Carsten Pruski. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Mit tosendem Applaus begrüßten die Schüler des Einhard- Gymnasiums ihren „Lokalpatrioten”, den aus Düren stammenden Schriftsteller Michael Lentz.

Am Wochenende hatte er den Walter-Hasenclever-Literaturpreis, dessen Namensgeber übrigens 1908 am Einhard sein Abitur absolvierte, für sein facettenreiches und beeindruckendes Werk erhalten. Die Literaturpreis-AG der Schule hatte Lentz der Jury vorgeschlagen.

Im Rahmen der Preisverleihung entstand für die Schule „der Höhepunkt des diesjährigen Schuljahrs”, wie Oliver Frühwein, stellvertretender Schulleiter, es ausdrückte: der ICE „Lentz-Lesen-Live”. ICE steht hier für den intermedialen, creativen Express-Zug, das Leitmotiv der Veranstaltung.

Keine Mühe und auch keine kreativen Grenzen hatten die 18 Deutsch- und Literaturkurse gescheut, um Beiträge für diese besondere Veranstaltung in Form von musikalischen, grafischen und literarischen Darbietungen vorzubereiten. Ihre Inspiration: „Sprich, damit ich dich sehe”, ein Anagramm von „Ich sprach ihm dies: Dichte!”, einer Zeile von Aristoteles. Die Event-Farbe: Grün, denn sie steht für „Go!”, für Spaß und für die Zukunft. Es entstanden zahlreiche Beiträge, von denen die Besten dem Preisträger persönlich vorgeführt wurden.

Zu Beginn der „Zugfahrt” begleiteten die Moderatoren Jonny Saacke, Cedric Wagner und Carsten Pruski ihren Ehrengast zur knallgrünen „Lentz-Couch” im Zug, damit er auch keine der zehn Stationen verpasste. Alle waren nicht nur kreativ und sprachlich ausgeklügelt, sondern ebenso zeitkritisch und durchdacht. Die Schüler zeigten, dass man Sprache immer wieder neu erfinden kann, sie drehen und wenden kann, dass Sprache jeden betrifft.

Bei Halt Nummer drei, der „Laudatio durch Buchstabieren”, erklärte Schüler Justin Miller: „Lentz spielt mit der Sprache wie kein Zweiter, er hat einen unwiderstehlichen Stil, der zum selbst Denken anregt.” Für Stop Nummer fünf hatten zwölf Schüler Videoblogs erstellt und dafür eigene Gedichte verfasst und sie mit Videoinszenierungen unterlegt.

„Unser Thema war Gefangenheit, wir haben mehrere Doppelstunden und auch zu Hause daran gearbeitet”, sagt Kim Niecke, Schülerin der zwölften Klasse. Für sie war das Projekt etwas Besonderes, da es völlig vom normalen Schulalltag abwich. „Es hat Spaß gemacht, selbst zu denken und nicht nur den Umgang mit Sprache zu erlernen, sondern auch zu erkennen, dass man philosophische Erklärungen auch noch ergänzen kann”, sagt sie.

Weitere Höhepunkte waren Poetry-Slam-Beiträge und ein Rap zum Thema Sprachwandel und Sprachverfall. Denn auch diese Themen sind den Schülern nicht völlig „wayne”, was so viel bedeutet, wie egal oder „interessiert keinen.”

Mit starken Worten verteidigten die Schüler die so oft kritisierte Jugendsprache, setzten sich kritisch mit dem Thema Sprachvielfalt auseinander und waren sich einig: Ihr „Jugendjargon” ist keineswegs eine Verstümmelung der Sprache, sondern wichtig, damit sich die jüngeren Generationen von den älteren abheben können.

Am Schluss konnten die Kursvertreter dem Ehrengast Lentz noch Fragen stellen, die beim Lesen seiner Werke aufgekommen waren. Darunter auch, warum Sprache so wichtig sei und wie er den Einfluss der neuen Medien auf die Sprache beurteile.

„Wir unterscheiden uns durch die Sprache von den Tieren und weil wir uns beim Namen nennen”, erklärt Lentz. „Sprache ist ein zweites Gleichgewicht und die neuen Medien sind eine wunderbare Herausforderung, sie zu modifizieren.” Am Schluss überreichte Olaf Müller, Leiter des städtischen Kulturbetriebes, den Schülern Preise für ihre Projektteilnahme.
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