Aachen - Einfacher Trick: Brötchen gegen Vorkasse

AN App

Einfacher Trick: Brötchen gegen Vorkasse

Von: Georg Dünnwald
Letzte Aktualisierung:
drouven_bu
Treue Kunden sollen auch am Pfingstsonntag nicht auf ihre Brötchen verzichten müssen: Bäckermeister Josef Drouven will die Backwaren gegen Vorbestellung und Vorkasse abgeben.

Aachen. Die FDP hat sich im Düsseldorfer Landtag zum Fürsprecher der Bäcker und Floristen entpuppt. Die Liberalen wollen das Verkaufsverbot für frische Brötchen und Brot und auch Blumen an Oster- und Pfingstsonntagen und dem ersten Weihnachtstag kippen.

Einige Aachener Bäcker stehen Gewehr bei Fuß und wollen am kommenden Sonntag ihre Kunden mit Brötchen versorgen.

Beim Drouven gibt´s dann Brötchen. Trotz Verkaufsverbots. Doch ein Revoluzzer, den bestehende Gesetze nicht interessieren, ist Josef Drouven keinesfalls.

Eher kundenfreundlich: „Die Kunden, die seit rund zehn Jahren regelmäßig ihre Brötchen sonntags in unseren Filialen kaufen können, sollen am Pfingstsonntag nicht vor verschlossene Türen laufen”, erklärt der Bäcker. Möglich macht das eine Gesetzeslücke, die der Bäckermeister entdeckt hat.

Vor zwei Jahren hatte die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf beschlossen, dass an allen Sonntagen die Bäcker Brötchen und Brot und auch Kuchen und Teilchen verkaufen dürfen, allerdings nicht am 1. Weihnachtstag sowie am Oster- und Pfingstsonntag. Diese Tage wurden kategorisch ausgeschlossen. Die gleiche Regelung mussten Gärtner und Floristen hinnehmen. Als Begründung für die Verkaufsverbote muss die hohe kirchliche Bedeutung der drei Feiertage herhalten.

Konditormeister Udo Petersohn aus Laurensberg verbuchte seinerzeit einen Teilerfolg. Der Petitionsausschuss des NRW-Landtags reiste an und ermöglichte wenigestens den Verkauf feiner Backwaren: „Dafür mussten wir uns um eine große Caféhaus-Konzession bemühen”, erklärt Sven Petersohn, der Sohn des engagierten Konditors aus dem Aachener Norden.

Bäckermeister Josef Drouven will das Verkaufsverbot für Brötchen und Brot nicht einsehen: „Ich komme mir vor wie in Schilda”, kommentiert er. An allen anderen Sonntagen könne er ja auch frisches Brot und Brötchen verkaufen.

Und für die Tankstellen und Läden in den Bahnhöfen oder großen Kliniken gebe es sogar an den besagten Feiertagen keine Einschränkung, Brötchen oder Blumen zu verkaufen. „Das hält man doch im Kopf nicht aus. Mich ärgert diese Regelung”, gibt der bodenständige Bäckermeister zu.

Mit diesem Ärger ist der Aachener wahrlich nicht allein. In Münster läuft ein Bäckermeister namens Dirk Limberg schon seit längerem gegen diese Regelung Sturm. Und dieser Limberg hatte dabei eine Idee, die Josef Drouven nun nach Aachen importiert. Er bietet nämlich jetzt per Vorbestellung und Vorkasse an, Brötchen und Brot auch am Pfingstsonntag und am nächsten Ostersonntag abzugeben. „An Weihnachten öffnen wir allerdings nicht.”

Der Trick dabei: Läden mit angeschlossenen Cafs dürfen an den besagten Feiertagen sowieso öffnen. Und in diesen neun Verkaufstellen mit Kaffeausschank wird Drouven die bestellte Ware auch für die Kunden bereithalten. Neun seiner 18 Läden müssen am Pfingssonntag aber geschlossen bleiben, weil sie kein Café haben. Auch die Petersohns nehmen am Samstag Bestellungen auf, die über Nacht gepackt, am Pfingstsonntag dem Kunden über die Theke gereicht werden. Die geöffneten Cafs dürfen übrigens seit Petersohns Vorstoß sogenanntes Feingebäck, etwa Kuchen und Croissants, verkaufen, aber eben keine Brötchen.

„Das verstehe ich ganz und gar nicht”, sagt Josef Drouven kopfschüttelnd, „Croissants gehören doch auch zum Frühstück wie Brötchen und Brot. Aber verkaufen dürfen wir nur das eine, das andere aber nicht”, klagt er das Leid der Bäckermeister.

Dass das Ordnungsamt eingreift, glaubt Drouven dagegen nicht. Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke zu den „Nachrichten”: „Unsere personellen Ressourcen erlauben uns gerade mal, uns um gesetzte Schwerpunkte zu kümmern.” Bäcker-Innungsobermeister Heinz Klein hat Verständnis für seinen Kollegen Drouven. „Ich öffne sonntags grundsätzlich nicht. Aber jeder Bäckermeister muss das selbst wissen”, sagt Klein.

„Viele Kunden erwarten heutzutage einfach, dass sie jeden Morgen frische Brötchen kaufen können. Die in Nordrhein-Westfalen getroffene Regelung, an den ersten Weihnachts-, Oster- und Pfingsttagen ein Verkaufsverbot für die vor Ort tätigen Bäckereibetriebe auszusprechen, grenzt an Schizophrenie.” Klein unterstützt auf jeden Fall die Forderung seiner Kollegen, „das unsinnige Gesetz endlich abzuschaffen”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert