Aachen - Eine Spende entzweit Kunstfreunde

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Eine Spende entzweit Kunstfreunde

Von: Gerald Eimer
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Verärgert über eine Spende: Meinolf Engel verlässt den Mies van der Rohe-Verein. Foto: M. Jaspers

Aachen. Der Verein „Mies van der Rohe-Haus Aachen“ steht seit Anfang des Jahres ohne Geschäftsführer da. Meinolf Engel, seit der Gründung im Jahr 2005 in Diensten des Vereins, hat nicht nur sein Amt aufgegeben, sondern im Streit auch die Mitgliedschaft gekündigt.

Mit ihm haben zwei weitere Mitglieder den Verein verlassen, weil sie mit einer Spende des Vereins für die Theatergruppe der Mies-van-der-Rohe-Schule nicht einverstanden waren.

„Einige Mitglieder fanden das nicht so prickelnd“, sagt die Vereinsvorsitzende Lili Philippen, die sich ansonsten jedoch über eine breite Rückendeckung für die Vorstandsentscheidung freuen kann. Nahezu einstimmig sei auf der Mitgliederversammlung der Beschluss mitgetragen worden, die Gruppe Rohes-Theater mit 500 Euro zu unterstützen. „Wir fühlen uns der Schule und der Gruppe verbunden“, sagt Philippen. Daher habe man der Theatergruppe im vergangenen Jahr einen Reisekostenzuschuss zukommen lassen, um ihr einen Auftritt bei einem Festival in Berlin zu ermöglichen. „Wir fanden das nicht besonders dramatisch.“

Aus Sicht von Engel widerspricht die Spende jedoch der Satzung und der Zielsetzung des Vereins. Schließlich sei der selber auf Spenden angewiesen, da könne es nicht rechtens sein, Geld an Dritte weiterzuleiten. Er wolle dem Verein nicht schaden, sagt er. „Er hat seine Berechtigung.“ Dennoch wolle er nun Leben und Werk von Ludwig Mies van der Rohe „an einer anderen Stelle begleiten und fördern“.

Unterdessen sieht Philippen weder die Satzung verletzt, noch die weitere Arbeit des Vereins gefährdet. „Die Kulturförderung gehört zu unseren Aufgaben“, sagt sie und fügt hinzu: „Wir haben drei Austritte und fünf Eintritte.“

Dass der Verein trotz seiner rund 100 teils sehr einflussreichen Mitglieder dennoch Schwierigkeiten hat, seinem großen Ziel näherzukommen, ein Mies van der Rohe-Haus einzurichten, ist aus ihrer Sicht vor allem auf die aktuelle Haushaltssituation der Stadt zurückzuführen. Ohne Unterstützung aus Politik und Verwaltung sei die Einrichtung eines neuen Museums nicht denkbar. Derzeit würden allerdings Themen wie der Ausbau der Kita-Plätze, die Alemannia-Krise oder auch der geplante Bau der Campusbahn die Wünsche einer engagierten Kunstszene überdecken.

Noch 2006 sah man sich hingegen kurz vor dem Ziel: Der damalige Oberbürgermeister Jürgen Linden hatte dem Verein die Wetterwarte am Wingerstberg in Aussicht gestellt, um dort Ausstellungsräume für Objekte von Mies van der Rohe und weiteren bedeutenden Aachener Künstlern herzurichten. Die Pläne haben sich dann ebenso zerschlagen wie jene an der Borngasse, wo heute die städtischen Sinfoniker proben.

„Großes Interesse“

Inzwischen hält auch Philippen ein eigenes Mies van der Rohe-Haus für schwer realisierbar. „Unser Anliegen ist es nun, unter das Dach eines bestehenden Museums zu schlüpfen und uns dort einzubringen“, sagt sie. Dass es in Aachen großes Interesse an heimischen Künstlern des 20. Jahrhunderts gibt, zeigt ihr die aktuelle Ausstellung zum 125. Geburtstag von Ewald Mataré in der alten Reichsabtei Kornelimünster. Mehr als 4000 Besucher seien bereits gezählt worden. Noch bis zum 24. Februar können die Arbeiten besichtigt werden.

Mies van der Rohe und Mataré sind nur einige große Namen, die der Kreis um Philippen gerne in einem angemessenen Rahmen präsentieren möchte. Hanns Bolz, Jupp Wiertz, Heinrich Maria Davringhausen, Karl Otto Götz, Karl-Fred Dahmen oder Ludwig Schaffrath sind weitere Künstler, deren Arbeiten sie dauerhaft einer breiten Öffentlichkeit vorstellen würden. Auch ohne Geschäftsführung werde man sich daher weiter für ein Mies van der Rohe-Haus engagieren. Und während Engel meint, der Verein müsse sich verjüngen und eine neue Struktur schaffen, ist Philippen überzeugt, weiter auf dem richtigen Weg zu sein: „Es gibt eine sehr gute Zusammenarbeit.“

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