Aachen - Eine Schule kämpft um ihren Hausmeister

Eine Schule kämpft um ihren Hausmeister

Von: Achim Kaiser
Letzte Aktualisierung:
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Solidarität: Die Montessori-Gesamtschule kämpft für den Verbleib ihres Hausmeisters. Noah Schwarz (SV-Mitglied), Sarah Degner (stellvertretende Schülersprecherin), Anne Sigle (Vorsitzende der Elternpflegschaft), Basil Babar (SV-Mitglied), Malte Mischlich (Schülersprecher) und Noah Schiffler (stellvertretender Schülersprecher, v.l.) hoffen, dass der leere Hausmeister-Stuhl bald wieder besetzt ist. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Am Freitag hat Ralf Feyerl die Sachen gepackt und sein Büro in der Montessori-Gesamtschule geräumt. Dort hängt draußen ein kleines Schild mit der Aufschrift: „Gebäudemanagement und Troubleshooting”. Das heißt so viel wie „Störungssuche” oder „Problemlösung”.

Sein Vertretungsvertrag als Hausmeister ist fristgerecht ausgelaufen. Der gelernte Werkzeugmechaniker, der mit seinem Pferdeschwanz aussieht wie der Gitarrist einer Hardrockband, hat sich bereits bei der Agentur für Arbeit gemeldet. Wie seine berufliche Zukunft aussehen soll, weiß der 36-Jährige nicht, Ein neuer Mann wird ihn ab Montag ersetzen.

Ginge es nach den Schülern der Montessori-Gesamtschule, würde sein Kontrakt langfristig verlängert. Um diese Forderung auch nach außen zu dokumentieren, haben sie eine beispiellose Solidaritätsaktion gestartet und ein Paket mit annähernd 1000 Unterschriften beim Schulamt abgegeben. In dem Schreiben machen die Schüler deutlich, warum sie sich für ihren Hausmeister so stark machen: „Herr Feyerl ist für uns ein wichtiger Ansprechpartner. Er ist immer ruhig und hilft uns, wo er kann.” Auch zu den Lehrern habe er ein sehr gutes Verhältnis.

Das bestätigt die stellvertretende Schulleiterin Petra Cönen: „Herr Feyerl hat hervorragende Arbeit geleistet. Wir würden gerne mit ihm weiterarbeiten.” Wie die Vorsitzende der Elternpflegschaft, Anne Sigle, hatte auch sie sich mit einem Schreiben pro Feyerl an die Stadt gewandt - ohne Erfolg.

„Der Vertrag von Herrn Feyerl läuft aus. Das ist leider so. Wir können personalrechtliche Abläufe nicht in der Öffentlichkeit diskutieren”, bittet Personaldezernent Heinz Lindgens um Verständnis. Der städtischen Bitte will Anne Sigle nicht folgen: „Dieser Fall zeigt, wie uns das bürokratische System gefangennimmt. Auf die Kinder wird einfach keine Rücksicht genommen.” Wie Lehrerin Cönen findet auch sie die Aktion der Schülerschaft „super”.

„Dass Herr Feyerl gehen muss, bedrückt uns alle sehr”, sagt Basil Babar, Mitglied der Schülervertretung (SV). Ihr Hausmeister habe immer ein offenes Ohr für die Belange der Schüler gehabt und auch schon mal den einen oder anderen freien Tag für sie geopfert, wenn eine Party anstand.

Ruhender Pol

„Unsere Schule ist außergewöhnlich, da brauchen wir passende Hausmeister. Mit Georg Thom und Ralf Feyerl haben wir ein perfektes Team. Und jetzt nimmt man uns einen davon weg”, bedauert Schülersprecher Malte Mischlich. Feyerl sei „ein ruhender Pol und absolut stressresistent”, betont der stellvertretende Schülersprecher Noah Schiffler. „An unserer sozial engagierten Schule ist eine gute Atmosphäre sehr wichtig. Dafür hat Herr Feyerl mit gesorgt ”, ergänzt SV-Mitglied Noah Schwarz.

Ralf Feyerl will sich zu seiner Situation nicht äußern, er sagt nur: „Die Aktion der Schüler hat mich tief berührt.”
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