Aachen - Eine riesige Vielfalt bei der Kunstroute: 250 Künstler stellen sich vor

Eine riesige Vielfalt bei der Kunstroute: 250 Künstler stellen sich vor

Von: Ingrid Peinhardt-Franke
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„Fantomes de la mer“ heißen die Werke des südafrikanischen Künstlers Bruce Clarke, die sich den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer widmen. Viele bleiben nachdenklich stehen. Foto: Ralf Roeger
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Brücken bauen mit der Kunst möchte der iranische Maler Nasser Eghbalpour in seiner Atelier-Galerie gegenüber der Jakobskirche.
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Die Performance der Aachener Künstlerin Christiane Denes zieht viel Publikum ins Deutsch-Französische Kulturinstitut.

Aachen. „Noch vielfältiger, mit Arbeiten von rund 250 Künstlern, präsentieren wir in diesem Jahr die Kunstroute“, erläutert Heinrich Hüsch, Organisator der Mammutschau und selbst Maler. „In den letzten fünf Jahren haben wir insgesamt etwa 700 Künstler vorgestellt.“ Dass dabei die Bandbreite enorm ist, versteht sich fast von selbst. Bei der 20. Aachener Kunstroute gibt es Ausstellungen an fast 50 Orten.

In der Aula Carolina, dem Informationspunkt mit Ausstellung je einer Arbeit aus den Galerien, Ateliers und anderen Schauräumen, gab es einen ersten Eindruck von der beschworenen Vielfalt. So saß etwa „Deborah“ im weißen Kleid als alttestamentarische Richterin mit Waage vor einem nahezu säulenhohen Patchwork-Gemälde einer Palme, die Künstler der Freien evangelischen Gemeinde geschaffen hatten.

Gleich gegenüber dominierte Spaß statt biblischem Ernst: Ein feinstens gemalter Affe von Simon Czapla mit einem bunten Partyhütchen auf dem Kopf sorgte für eine gewisse Heiterkeit. Seriös und gleich mit sechs Künstlern präsentierte sich das Deutsch-Französische Kulturinstitut zum 50. Geburtstag der Städtepartnerschaft Aachen-Reims am Kopfende der Aula.

Schon mittags, gut eine Stunde nach einer Eröffnung, füllten die Menschen die Räume der Kunst. Bei Theo Ramrath fanden sich echte Kunstkenner ein, um seine neuen Gemälde und raffinierten Wandinstallationen in Glaskörpern sowie die Glasarbeiten seines Gastkünstlers Gotthard Walter zu sehen. „Latest Informal Ram-Art“ nennt Ramrath seine Kunstrouten-Arbeiten.

Auch die Banner der „Fantomes de la mer“ in der Citykirche fanden viele Besucher. In Kooperation mit der ARTCO-Galerie gibt es eine Ausstellung des südafrikanischen Künstlers Bruce Clarke, die sich den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer widmet. Kein Betrachter kann sich den dramatischen Eindrücken entziehen, die die wasserblauen Banner mit den darin schwebenden Gestalten, die wie Wassergeister wirken, vermitteln.

Brücken bauen mit der Kunst möchte der iranische Maler Nasser Eghbalpour, der eine kleine Atelier-Galerie direkt gegenüber der Jakobskirche betreibt. Sein Ausstellungspartner ist Professor Edward Zoworka, der mit seiner minimalistischen Malerei eine deutliche Gegenposition zur üppig-detailreichen Kunst seines Gastgebers einnimmt.

„Vierkammerblick“ nennt sich die Ausstellung von vier Künstlern in der Ateliergemeinschaft „CAAC“, die sich „als chirurgischer Blick in das fassadenlose Innere des Menschen in einer nach Inszenierung drängenden Gesellschaft“ versteht. Oliver Czarnetta, Raffaele Horstmann, Sabrina Schelker und Akos Sziraki bieten in der Tat eine höchst interessante und ebenso professionelle Schau an Malerei, Bildhauerei, Raum-Installation und Fotokunst, die die Qualität der diesjährigen Kunstrouten-Mammutschau anhebt.

„Diese Kunstroute wirkt angesichts der Menge wie eine Flut, und es kann in der Tat nie genug kulturelle Angebote geben“, sagt Sabrina Schelker. „Aber Qualität ist wichtiger als Quantität, und es gibt ja auch genügend objektive Kriterien für Qualität. Kunsthistorische Rückgriffe etwa, besonderes Handwerk oder theoretische Bezüge.“ „Vielfalt ist wichtig“, hält die Kunsttherapeutin Kerstin Thelen, die als Besucherin unterwegs ist, dagegen. „Kunst spiegelt die gesellschaftliche Vielfalt“.

Muntere Farbigkeit

Einig war sich das Publikum im Deutsch-Französischen Kulturinstitut, das zur Performance der Aachener Künstlerin Christiane Denes massenhaft gekommen war. In der Ausstellung von drei Aachener und drei Reimser Künstlern anlässlich des 50. Geburtstags der Städtepartnerschaft Aachen-Reims gab die Profi-Flötistin zunächst ein kleines Konzert, ehe sie zu Jeanne d’Arc wurde, die den französischen Thronfolger Charles VII zur Krönung in die Reimser Kathedrale gebracht hatte.

Verzicht auf Überflüssiges ist ein Thema des niederländischen Künstlers Ton Slits, der als Gastkünstler bei der Malerin Vera Hilger in der Warmweiherstraße ausstellt. Er ist ein Minimalist, der mit Löchern punktet und wie Fontana nach dem Raum dahinter fragt, aber gleichzeitig mit seiner munteren Farbigkeit und Dynamik das Erleben von Kunst als innere Bewegung leicht macht.

Gleich drei Ausstellungen gab es im Tuchwerk in der Soers, das sich zu einem neuen Kulturbetrieb entwickelt. Im Aufführungsraum des Theater K präsentierten sich die Frauen des euregionalen Künstlerinnenbundes „dreieck.triangle.driehoek“ zum Thema „Es brennt“ und inszenierten mit einer improvisierten Hängung weltweit brennende Themen zwischen Krieg, Gewalt und Angst.

Nebenan hatte der BBK im mit Sitzmöbeln vollgestellten Foyer des Theaters Werke seiner Künstler verteilt, um sie vom Publikum entdecken zu lassen. Neu bei der Kunstroute ist das im Parterre befindliche „Atelier Pasch“ mit Werken von Simon Czapla, Freddy Witz und Clemens Pasch inmitten von Skulpturen seines gleichnamigen Großvaters, der zu den namhaften Künstlern des Nachkriegs-Rheinlands gehört.

Erstmalig in 20 Jahren Kunstroute zog sich die Qualitätsdebatte wie ein roter Faden durch Besucher- und Künstler- wie Galeristenmeinungen. Katharina Schmitz, Besucherin aus Kohlscheid, meinte: „Das Angebot ist zu groß mit fast 50 Ausstellungen. Wie soll man da auswählen, wenn man was Neues und wirklich Gutes sehen will?“

Ela Schwartz von der Produzentengalerie Artikel 5, Sandro Mugavero von „il quadro“ und Robert Mertens, Galerie Freitag 18.30, sind sich einig: „Die Besucher berichten von enormen Qualitätsschwankungen in den Ausstellungen. Das finden wir sehr schade.“ Ela Schwartz erzählt von den Anfängen der Kunstroute: „Vor Jahren waren nur ausgesprochene Profis dabei. Das sollte nach meiner Meinung auch so sein. Das würde helfen, die Qualität hoch zu halten.“

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