Eine „Raumfahrt“ auf dem Fahrrad durch Aachen

Von: Nina Krüsmann
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40 Stationen: Mit Markus Ulrich und Joachim Schmidt vom archigraphus-Netzwerk ging es auch durch den Elisengarten. Foto: Nina Krüsmann

Aachen. Eine „Raumfahrt“ durch Aachen bildete am Wochenende den Auftakt zu „across the borders“. Das Kulturfestival schlägt im August zum mittlerweile sechsten Mal den Bogen zwischen dem sommerlichen Aachen und kulturellen Leckerbissen aus der ganzen Welt. Neue Eindrücke, exotisch anmutende Erlebnisse an ungewöhnlichen Orten stehen im Mittelpunkt.

Markus Ulrich und Joachim Schmidt vom archigraphus-Netzwerk für Architektur und Raumkonzepte hatten mit einem neuen Konzept großen Erfolg: Die Radtour zu Orten und Geschichten in der Stadt mit 30 Teilnehmern bildete den Start. Ulrich und Schmidt sind Experten für Räume in der Stadt, für Kunst im öffentlichen Raum, Hintergrundwissen über die vielen Brunnen und Pferdeskulpturen, Geheimnisse von Graffiti.

„Für diese Entdeckungsreise nutzen wir bewusst das Fahrrad, weil es so viel zu sehen gibt. Wir wollen den Stadtraum-Phänomenen auf den Grund gehen, klären, welche Geschichten uns der Raum erzählt, wie er nutzbar gemacht wird und wie er mit Skulptur, Textur, Tag, Graffiti, Monument, Relief und Farbe umgedeutet wird“, erklärt Ulrich. Alles sei in Bewegung in Raum und Zeit. „Es geht auch darum, was der Raum mit uns macht, nicht nur, wie wir ihn gestalten. Wir möchten Raumkultur vermitteln“, sagt Ulrich.

Beim Start an der Citykirche, Großkölnstraße, war die Vorfreude groß. Bei schönem Wetter ging es in Richtung Elisenbrunnen. Hintergründiges über die Quellen und Bäderkultur der Stadt und die „Frittenzange“ am Holzgraben verfolgten die Teilnehmer interessiert. Jung und Alt hatten sich für diese ungewöhnliche Radtour angemeldet, darunter echte Öcher, Zugezogene und sogar eine Kölnerin. Auch für alteingesessene Bewohner der Innenstadt gab es Neues zu erfahren.

Die Archigraphen hatten sich eine tolle Route überlegt: Über den Theaterplatz ging es zur Kreuzanlage „Henger Herjotts Fott“ bis zur Richardstraße. Bei einer kleinen Pause im Gemeinschaftsgarten Hirschgrün kam man in lockerer Runde ins Gespräch. Salome Ziermann hatte einen kleinen Imbiss vorbereitet – aus Lebensmitteln, die normalerweise im Müll gelandet wären.

Krystina Rütten, Alexa Kessler, Jan und Silke Willen erklärten die Idee von Hirschgrün: Der im Mai 2013 gegründete Verein „Urbane Gemeinschaftsgärten Aachen ist ein erfolgreiches Pilotprojekt, das als Beispiel für innerstädtische Gartenräume dienen soll. „Der Garten schafft ungezwungene Kontakte zwischen den Menschen in der Innenstadt, alle packen gemeinsam mit an, gestalten gemeinsam diesen urbanen Raum. Dabei liefern uns die Beete kostengünstige und gesunde Lebensmittel“, erklärt Rütten.

Der Suermondtplatz, die Synagoge, die Flüsterschüsseln auf dem Spielplatz an der Augustastraße und der Schinkelpavillon im Stadtpark waren nur einige weitere der 40 Stationen, die bis nach Rothe Erde führten. Am Samstag, 24. August, von 15 bis 18 Uhr gibt es einen zweiten Termin, um die Stadt mit dem Rad zu erfahren.

Musik aus Äthiopien

Am Samstagabend ertönten in der voll besetzten Citykirche äthiopische Klänge. „Krar Collective sind die Vertreter der Musik ihres Heimatlandes. Der Abend reicht von spirituellen Liedern bis zu fröhlichen Rhythmen. Tanzen ist ausdrücklich erlaubt“, erklärte Festivalleiter Rick Takvorian.

Die beiden äthiopischen Musiker Grum Begashaw und Temesegen Zeleke sind Virtuosen: auf der Krar, einer sechssaitigen, mit Fingern oder einem Plectrum gespielten Leier mit dem Beinamen „Teufelsharfe“, die auf die Zeit König Davids zurückgeht. Krar Collective spielen Eigenkompositionen und traditionelle äthiopische Musik.

Das Repertoire umfasst einige der bekanntesten Melodien und ansteckendsten Rhythmen ihrer Heimat. Uralte traditionelle Instrumente wie die äthiopische Kebro-Trommel sowie die Messenqo, eine einsaitig gestrichene Violine, zählen ebenfalls zu ihrem Instrumentarium. Mit ausdrucksstarker Stimme ergänzt Sängerin Genet Assefa das Trio.

„Mit across the borders wollen wir kulturelle Erlebnisse schaffen, die es sonst nicht mal eben vor der Haustür gibt, ein Fenster zur Welt nach Afrika, Asien und Lateinamerika öffnen“, sagt Takvorian.

Das war auch am zweiten Festivaltag Programm: Am Sonntag ging es weiter mit dem 8. deutsch-arabischen Lyrik-Salon in der Citykirche.

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