Aachen - Eine Primusschule für den Kronenberg?

Eine Primusschule für den Kronenberg?

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Gemeinsamer Unterricht von Klasse 1 bis 10, in altersgemischten Gruppen, im Ganztag und mit einer Struktur, in der Kinder mit und ohne Behinderung gut zusammen lernen können: Im Modellversuch Primusschule eröffnet das Land die Möglichkeit, „Schule für alle“ auszuprobieren.

Eine erste Primusschule in Münster gibt es schon, 14 weitere können in den nächsten beiden Schuljahren an den Start gehen. Die spannende Frage ist nun, ob Aachen auch dabei sein will.

Eine Initiative in diese Richtung gibt es sogar schon, sie kommt vom Kronenberg. Die dortige Stadtteilkonferenz hat beantragt, eine solche Schule mit Unterricht von Klasse 1 bis 10 im Viertel einzurichten. Die Stadtteilkonferenz schlägt eine Schule nach dem Vorbild der reformpädagogischen Jenaplanschule vor.

Junge Familien am Kronenberg

Der Antrag sei eine Reaktion auf die demografische Entwicklung am Kronenberg, sagt Christel Schäfer, Leiterin des Kinder- und Jugendzentrums St. Hubertus und eine Sprecherin der Stadtteilkonferenz. „Vermehrt siedeln sich hier junge Familien an.“ Nach dem jetzigen Planungen aber hat der Kronenberg schon bald gar keine Schule mehr. Die Grundschule ist schon geschlossen, und die Hauptschule soll 2016 dicht machen.

Die SPD versucht unterdessen zu ergründen, welches Interesse es in Aachen gibt, am Schulversuch teilzunehmen. Unter dem Motto „Braucht Aachen eine Schule für alle?“ luden die SPD-Ratsfraktion und die sozialdemokratische Arbeitsgemeinschaft für Bildung (AfB) jüngst zum Gespräch ein. „Gibt es Unterstützung für einen solchen Modellversuch?“, wollte Bernd Krott, schulpolitischer Sprecher der SPD, wissen. Zwar war die Resonanz nicht gerade riesig. Einschließlich der Gastgeber saßen rund zwei Dutzend Leute am Tisch. Von denen allerdings kamen sehr dezidierte Argumente für eine Primusschule in Aachen.

„Für Aachen und die Städteregion ist es sehr wichtig, dass so ein Modell kommt“, ist etwa Lehrerin Monika Wagner überzeugt. Die Konrektorin der Gemeinschaftsgrundschule Driescher Hof befasst sich seit Jahren intensiv mit Fragen des Übergangs zwischen Grundschule und weiterführender Schule. Gerade mit Blick auf die Inklusion sei das Modell Primusschule attraktiv, das Kinder nicht nach vier Schuljahren auf verschiedene Schulformen verteile.

Monika Wallbrecht argumentiert ähnlich. Die Leiterin der Grundschule Pannesheide in Herzogenrath kämpft seit Jahren zusammen mit einer Elterninitiative für das gemeinsame Lernen bis Klasse 10. Die notwendigen politischen Beschlüsse zur Einrichtung einer Jenaplanschule sind allerdings bisher nicht zustande gekommen. „Wir muten den Kindern zu, nach Klasse 4 die Systeme zu wechseln“, kritisierte Wallbrecht, „besonders für Kinder mit Behinderung ist das absolut frustrierend“. Alle Kinder, versicherte die Rektorin, profitierten vom jahrgangsübergreifenden Unterricht und einer längeren gemeinsamen Schulzeit, „auch die superguten“.

Der Verein „Gemeinsam leben, gemeinsam lernen“ setzt ebenfalls auf das Modell Primus. „Wir wünschen uns eine solche Schule für Aachen“, erklärte Christa Rößler, Vorstandsmitglied der Elternini­tiative. „Wir möchten die Entwicklung einer solchen Schule aktiv begleiten.“

Demnächst wird sich der Schulausschuss mit dem Antrag der Stadtteilkonferenz Kronenberg zur Jenaplanschule befassen. SPD-Ratsherr Bernd Krott erklärte am Ende des Bürgerdialogs, die SPD werde das Thema Primusschule zunächst mit den Mitgliedern diskutieren. „Bevor wir einen Ratsantrag stellen, wollen wir auch das Gespräch mit den anderen Fraktionen im Stadtrat suchen“, so Krott. Bisher habe in Aachen noch keine Schule konkret signalisiert, Primusschule werden zu wollen.

Helga Pennartz könnte einer solchen Modellschule sehr viel abgewinnen. „Das wäre eine supertolle Sache fürs Viertel“, sagt die Schulleiterin der Reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck, vormals Hauptschule Kronenberg. „Das Konzept hätte auch für uns sehr gut gepasst“, sagt Pennartz. Nur leider sei das Aus ihrer Schule längst eingeleitet.

Privatschule in Herzogenrath?

In Herzogenrath wiederum ist die Elterninitiative Jenaplanschule gerade dabei, sich neu zu organisieren. „Da alle bisherigen Versuche gescheitert sind, wollen wir versuchen, eine private Ersatzschule zu gründen“, kündigt Vorsitzende Dagmar Südfeld gegenüber den „Nachrichten“ an. Zunächst müsse man geeignete Räumlichkeiten finden. „Und dann brauchen wir auch einen Investor.“

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