Aachen - Eine Portion Fürsorge und eine Perspektive für junge Leute

Eine Portion Fürsorge und eine Perspektive für junge Leute

Von: Jule Klieser
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Reiner Priggen (links), Frakti
Reiner Priggen (links), Fraktionschef der Grünen im Düsseldorfer Landtag, schaut Sidney (13) beim Kochen zu. Rechts Betreuer Heiko Bodonge. Foto: Harald Kroemer

Aachen. Schulmüde oder schulverweigernde Jugendliche finden bei Motivia an der Krefelder Straße 23 Unterstützung. „Schulverweigerung geschieht nicht aus Lust und Laune, sondern es steckt immer eine Problematik dahinter”, beschrieb Heiko Bodonge, sozialpädagogischer Betreuer der Einrichtung, den Grund, warum Motivia Schülern im Alter zwischen 12 und 16 Jahren eine zweite Chance gibt.

In Reiner Priggen, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landtag, fanden Bodonge, In Via-Geschäftsführerin Gabriele Jülich und Fachbereichsleiterin Hildegard Kaufmann einen interessierten Zuhörer. Der Abgeordnete besuchte aus Anlass des Josefstages das Haus. Am Josefstag, dem Namenstag des Heiligen Josef am 19. März, weisen katholische Träger und Einrichtungen bundesweit auf die Bedeutung der Jugendarbeit hin.

Bodonge berichtete von immer häufiger auftretenden psychischen Auffälligkeiten und häuslichen Problemen als Ursache für Schwierigkeiten in der Schule. „Manche Jugendliche sind so belastet mit einem kompletten Paket an Sorgen und Problemen, dass sie keinen Kopf mehr für die Schule haben.” Bis zu zwölf junge Menschen können bei Motivia eine Anlaufstelle finden, wo sie täglich hinkommen und sogar den Hauptschulabschluss nachholen können.

Vermittelt werden sie vom Jugendamt, nachdem sie in der Schule, meist durch Abwesenheit, aufgefallen sind. „Wir sind eine freiwillige Maßnahme, und die Grundvoraussetzung ist der Veränderungswille der Schüler”, betonte Bodonge. Eine Grundlage des Schulwissens bilden heißt dann der erste Ansatz der Betreuung. Dazu kommen Lehrer aus der bischöflichen Marienschule in die Einrichtung. „Rücksack leeren” nennt Bodonge den zweiten Aspekt und meint damit die sozialpädagogische und konstante emotionale Begleitung. Dazu gehört auch jeden Tag Hauswirtschaftsunterricht in Theorie und Praxis. Die Schüler kaufen selbst ein, lernen, mit dem Budget umzugehen, und jeweils zwei kochen täglich für die anderen. „Waren die Kinder früher als Schulverweigerer stigmatisiert, finden sie hier eine fürsorgliche Umgebung mit einem warmen Mittagessen.”

„Wenn wir in der Fraktion jetzt Präventionspolitik besprechen, geht es auch um ganz Konkretes”, nannte Priggen eine Motivation, die Einrichtung kennen zu lernen. Schließlich seien die Kosten für die Hilfen zur Erziehung immens, der zweitgrößte Posten nach der Vorschulbetreuung.

„Ich finde das beitragsfreie Kindergartenjahr gut”, meinte Priggen. Doch Prävention hält er für noch wichtiger und vor allem wirtschaftlicher. Eine Kostenentlastung für die Kommunen sei deutlich zu beobachten bei sehr frühzeitiger Prävention, das heißt, wenn Jugendamt-Mitarbeiter schon während der Schwangerschaft in Familien mit Problemen gingen. Jugendliche mit Schulproblemen seien hier gut aufgehoben.

„Wir brauchen sie nachher”, meinte er im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel und rückläufige Schülerzahlen. Mit einem Rundgang durch Haus und Baustelle endete der Besuch. Das vordere Haus wird gerade renoviert. Die pädagogische Arbeit findet im hinteren Haus statt, dort wo früher die Offene Tür Salvatorberg war.
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