Eine Menge Ideen fürs Ostviertel

Von: Georg Dünnwald
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Rund 20 Interessierte trafen sich im Kennedy-Grill auf Initiative von Jürgen Kutsch (4. v. r.) zum Gespräch über die Zukunft des Ostviertels, das durch Übergriffe im Oktober ins Gerede gekommen war. Foto: Ralf Roeger

Aachen. „Wir sollten ergebnisorientiert diskutieren, nicht ethnienorientiert“, zog gegen Ende der Diskussion die städtische Sozialarbeiterin Sevim Dogan als ehemalige Bezirks-Sozialarbeiterin im Quartier ein erstes Fazit. Denn in jeder Kultur gebe es Menschen, die versagen und solche mit Erfolg.

Sowohl in der deutschen als auch in der türkischen. „In erster Linie sind wir Menschen“, appellierte die junge Frau an die Anwesenden. Die Stiftung Jürgen Kutsch und die Gastwirtin Aynur Kazak hatten in den Kennedy-Grill gebeten. Die Besucher sollten sich Gedanken über die Zukunft des Ostviertels machen.

Aufgrund der Berichterstattung in den „Aachener Nachrichten“ ist Stiftungsgründer Jürgen Kutsch auf die Idee gekommen, einen ständigen Gesprächskreis über die Probleme und Belange des Ostviertels ins Leben zu rufen, der nun regelmäßig am letzten Donnerstag eines Monats tagen soll. Kutsch, ein Kind des Ostviertel, der jetzt in Kornelimünster lebt, konnte sofort Aynur Kazak gewinnen, mitzumachen. Denn die Inhaberin wehrt sich massiv gegen den schlechten Ruf des Viertels. Sie sagt, dass es in jedem Quartier Problemfälle gebe und fordert ihre Nachbarn auf, mit ihr an einem Strang zu ziehen und das Ostviertel wieder zu einem attraktiven Wohnquartier mit einem guten oder zumindest besseren Ruf zu machen.

„Wir müssen in die Zukunft blicken und das Potenzial im Quartier nutzen“, fordert beispielsweise Axel Deubner, der erkannt hat, dass im Ostviertel die Chancen klar gegliedert sind. „Eine tolle Bausubstanz, die Nähe zur Innenstadt, das sind Pfunde, mit denen gewuchert werden kann“, sagt er und zeichnet ein Bild von einem Stadtteil der Zukunft, der es durchaus mit Berlin-Kreuzberger Verhältnissen aufnehmen könne. „Der Panneschopp als In-Viertel ist kein Traum.“ Für Studenten sei das Viertel geradezu ideal, auch Künstler könnten geeignete Unterkünfte finden. „Die Mieten sind nicht hoch, das Flair ist international“. kommentierte Deubner. Das könne auch junge Familien anziehen.

Auch junge Leute

Auch die städtische Integrationsbeauftragte Heidemarie Ernst und der Leiter der Nadelfabrik am Reichsweg, Walter Köth, trugen zum Gespräch bei. Rund 20 Leute, darunter einige junge, waren gekommen, um sich Gedanken übers Ostviertel zu machen. „Die Bühne im Kennedypark wird jetzt von uns gemanagt, da wird dieses Jahr eine Menge passieren“, versprach Köth bessere Aussichten für den 1966 eröffneten Kennedypark, den er für einen der schönsten unter den Parks in Aachen hält.

Er ist geradezu fasziniert vom Areal zwischen Adalbertsteinweg und Kennedypark und weiter darüber hinaus. „Das Viertel hat den Ruf, den es zurzeit hat, nicht verdient“, äußerte er seine Meinung. Reiner Bertrand, Vorsitzender von Euro­türk Aachen , berichtete, dass sein Verein eigens von Haaren zunächst ins Bürgerzentrum von St. Fronleichnam in der Schleswigstraße gezogen sei und nun in der Nadelfabrik residiere. Auch er ist fest von der Chancenvielfalt des Viertels überzeugt.

Alle Teilnehmer der Gesprächsrunde, Alte wie Junge, wollen sich beteiligen, wenn es darum geht, das Gebiet rund um den Panneschopp attraktiver zu gestalten. Aynur Kazak, die seit Jahrzehnten im Viertel lebt und arbeitet, brachte es auf den Punkt: „Wir lassen uns das Viertel nicht nehmen, nicht von Dealern, nicht von anderen.“

Worauf Uschi Brammertz, die im Aachener Osten, also im Panneschopp und in Rothe Erde, ein Mädchen-Fußball-Projekt ins Leben gerufen hat, bekannte: „Mein Herz gehört dem Aachener Osten, auch wenn ich dort nicht wohne.“ Mehr als 150 Schulmädchen von sechs Grundschulen würden immerhin an ihrem Projekt teilnehmen, auch organisiere sie Sommer-Freizeiten für Jugendliche in der Eifel. Sie hatte die Trainerin der Mädchen, die 20-jährige Nejbir Acar, mitgebracht. „Ich wohne in der Barbarastraße und leiste gerade ein freiwilliges soziales Jahr an der Offenen Ganztagsschule Barbara-straße ab“, bemerkte die junge Frau, die sich vehement für die Kinder beider Viertel einsetzt und Freizeiten organisiert.

Künstler ansiedeln

Es war ein Abend des Kennenlernens, auch Leni Quarten und Margit Michel, beide haben lange im Quartier gearbeitet oder leben dort, beteiligten sich konstruktiv an der Diskussion wie auch junge Männer mit Migrationshintergrund, die sich ab sofort in irgendeiner Weise im Ostviertel engagieren wollen. Beispielsweise in der Nadelfabrik, die von Köth als zur allgemeinen Nutzung angepriesen wurde. Ideen gibt es viele: Aufstellung von Blumenkübeln verbesserte Straßenreinigung, Kreisverkehr auf dem Elsassplatz, Vorträge über den Siedlungsbau, Unterstützung von Künstlern bei der Ansiedlung im Viertel.

In zwei Monaten wollen sich die Gesprächspartner, die sich fast alle vorher nicht kannten, wieder treffen. Und dann wahrscheinlich in der Nadelfabrik. Jürgen Kutsch: Ende Februar geht es nicht, dann ist Fettdonnerstag.

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