Aachen - Eine Mainacht wie jede andere auch

AN App

Eine Mainacht wie jede andere auch

Von: Jan Mönch
Letzte Aktualisierung:
ordnung_bu
In Vierergruppen gehen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf Streife durchs Pontviertel. Hier müssen sie vor allem die Gastronomen daran erinnern, nach 1 Uhr nachts ihren Außenausschank einzustellen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Als der Lichtkegel der Taschenlampe über die Grünanlage zieht, sind die Unruhestifter schon weitergegangen. Nur einige leere Bierflaschen zeugen noch von den nächtlichen Gästen. Weil der Lärmpegel nun aber exakt so niedrig ist, wie er es gegen 23 Uhr am Abend sein sollte, stecken die beiden Leute vom Ordnungsamt ihre Taschenlampen wieder ein und fahren mit ihrem blauweißen Transporter zurück in Richtung Trierer Straße.

Es ist der 30. April, und wie in jedem Jahr bedeutet auch diese Mainacht für den Fachbereich Sicherheit und Ordnung der Stadt erhöhte Alarmbereitschaft. 20 Kollegen sind ab 19 Uhr im Einsatz, 30 Minderjährige werden sie am Ende der Nacht zu ihren Eltern gebracht, außerdem 25 Verwarngelder kassiert und zwei Platzverweise ausgesprochen haben.

„Ganz normal für eine Mainacht”, lautet später das Resümee von Einsatzleiter Armin Bergstein. Einzig die 30 telefonisch eingegangenen Lärmbeschwerden sind im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen.

Hausnummern statt Namen

Aus Sicherheitsgründen sprechen die Ordnungskräfte sich untereinander mit „Hausnummern” an, nicht mit ihren richtigen Namen. Die beiden Kollegen, die in Rothe Erde und Brand Parkanlagen und Grünflächen abfahren, tragen die Nummern 14 und 18.

„Schaut mal bitte in der Zeppelinstraße vorbei”, kommt per Funk die Anweisung von der Leitstelle, kaum dass sich der Einsatzwagen wieder in Bewegung gesetzt hat. Vor Ort plärrt aus einem offenen Fenster im Erdgeschoss Lady Gaga. Einem Mittdreißiger sowie vier Frauen, die es sich mit Schnaps und Bier auf dem Bürgersteig bequem gemacht haben, sagt die nächtliche Beschallung sichtlich zu. Von der Nachbarschaft kann man das nicht behaupten.

Der Besuch vom Ordnungsamt kommt offenbar recht überraschend. Er mache das doch jeden Abend, so die etwas eigenwillige Begründung des Mieters - warum müsse sich denn gerade in der Mainacht jemand beschweren? Dennoch zeigt er sich einsichtig und verspricht, die Zeppelinstraße nun schlafen zu lassen.

Kompliment für die Frisur

Von drei Dingen hängt es ab, weiß Nummer 18, ob eine solche Begegnung so freundlich verläuft. Erstens vom Charakter des Gegenübers und zweitens von dessen Alkoholpegel. „Und natürlich davon, wie man mit den Leuten umgeht. Solange der Andere sich korrekt verhält, gibt es keinen Grund, die Ordnungsmacht raushängen zu lassen.” So können er und seine Kollegin es bei einer mündlichen Verwarnung belassen, das Aussprechen eines Verwarnungsgelds oder gar das Einkassieren der Musikanlage ist nicht notwendig. Stattdessen bekommt Nummer 14 von den anwesenden Damen sogar noch ein Kompliment für seine schöne Frisur.

Im Pontviertel ist die Situation unübersichtlicher. Mit einer wirklich ruhigen Nacht haben hier aber weder die Anwohner noch die Ordnungskräfte gerechnet. In Vierergruppen sind sie auf Streife durch Pontstraße, Marienbongard und Veltmanpark unterwegs. Die Einsatzkräfte wissen: Je später es wird, desto höher die Promillewerte und desto niedriger die Aggressionsschwelle.

Ab 1 Uhr morgens sollten die Wirte zumindest ihren Außenausschank einstellen. Besonders genau genommen wird dies jedoch von kaum einem Lokal. „Das hat mich schon ein bisschen gewundert”, sagt Armin Bergstein am Ende der Nacht. „Schließlich heißt es von Seiten der Gastronomie immer, man würde sich daran halten.” Heißt es. Tatsächlich verbringen seine Leute eine runde Stunde damit, die Vorschrift in Erinnerung zu rufen.

Zahllose zertretene Plastikbecher zeugen außerdem davon, dass einige sich auch das schnelle Geschäft mit den umstrittenen „Cocktails to go” nach wie vor nicht durch die Lappen gehen lassen wollen. Ein Laden auf der Pontstraße verschleudert die zuckersüßen Schnapsbomben gleich im 0,7-Liter-Format für sechs Euro. Den Anschein zu erwecken, es gehe in irgendeiner Weise um Genuss, versucht man hier gar nicht erst. Stattdessen wird mit einem „XXL-Alkoholanteil” geworben.

Dennoch: Als Bergsteins Leute in den frühen Morgenstunden Feierabend machen, haben sie eine Mainacht wie jede andere hinter sich. Grund zu großer Bestürzung gibt es beim Fachbereich Sicherheit und Ordnung also nicht. Zu großem Wohlgefallen allerdings ebenso wenig.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert