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Eine Märchenwelt erwacht zum Leben

Von: Nadine Preller
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Mammutprojekt Zeltbau: In eisi
Mammutprojekt Zeltbau: In eisiger Kälte und stetigem Regen errichten Zeltmeister Torsten Malmström (li.) und seine Helfer die europaweit einzigartige freitragende Kuppel des „Aachener Foto: Harald Krömer

Aachen. Er gibt sich schon keine Mühe mehr, den tiefen Pfützen zwischen den aufgeschütteten Schottersteinen auszuweichen. Nur seinen grünen Südwester zurrt er noch ein wenig fester um die Ohren, wenn die nächste Windböe über den Bendplatz fegt.

„Dem Wetter muss man einfach trotzen”, nimmt es Torsten Malmström mit Humor. Was hat der 63-jährige Zeltmeister auch für eine Wahl? Noch wenige Tage, dann soll hier das „Aachener Weihnachts-Circus-Festival” in glanzvollem Licht erstrahlen.

In den Vorzelten wird es dann nach süßem Glühwein und Kinderpunsch duften, märchengleich werden grüne Tannen mit weißem Kunstschnee die Eingangshalle säumen. Und in der Manege entführen Weltstarts wie Clownlegende Oleg Popov oder der Original Chinesische Nationalzirkus das Publikum in aufsehenerregende Welten.

„Eine eigene Welt”

Noch aber prasselt der Regen unablässig auf die ausgebreiteten roten Zeltplanen, und die Stahlkonstruktionen auf dem nassen Boden warten darauf, von Malmström und seinen Mitarbeitern hochgestemmt zu werden. Immer wieder schaut der Zeltmeister mit einer gewissen Sehnsucht in den Augen in das bereits aufgebaute Hauptzelt.

Malmström stammt aus einer Zirkusfamilie, „mit 280 Jahren Tradition”. Mit 14 Jahren stand er zum ersten Mal als Akrobat in der Manege, später spezialisierte er sich auf die Arbeiten vor und nach der Aufführung, ist seit 20 Jahren als Zeltbaumeister kreuz und quer in der Republik unterwegs. „Die Begeisterung für diese eigene Welt habe ich mir immer bewahrt. Ich bin im Zirkus einfach zu Hause”, sagt er.

Wieder schweift sein Blick gen Hauptzelt. Noch fehlen die Außenwände, viele der 1430 Sitzschalen sind bereits montiert, einige liegen noch aufgestapelt auf großen Rollwagen. An anderer Stelle Holzpaletten, ein Hammer, Sprühflaschen, Kanister, Kabel. „Bis Sonntag muss der Bau stehen, da beginnen die Proben”, sagt Sascha Freudrich, Produzent des Festivals.

Ein straffer Zeitplan, bei dem alle mit anpacken. Mehr als hundert Helfer - von der Requisite über Gastronomen, Artisten und Zeltbauer - tun ihren Dienst, um das 22 Meter hohe Zelt mit mehr als 40 Metern Durchmesser mit dem Geist der Zirkuswelt zu füllen.

Die Kuppel ist einzigartig in Europa - zumindest, was die außergewöhnliche Konstruktion angeht. Denn anders als bei herkömmlichen Zirkuszelten, die durch Masten im Inneren gehalten werden, ist das Zelt des Weihnachtszirkus freitragend.

Vier Stahlträger halten das mehrere Tonnen schwere Hauptzelt von außen in der Höhe. Vor Tagen sind diese Träger mit einem schweren Baukran hochgezogen und fest miteinander verankert worden. Dann die Zeltplane. „Ringsum halten mehrere Dutzend Gurte, an 1,30 Meter langen Nägeln, die hier in den Boden gerammt sind, die Plane unter Spannung”, erklärt Freudrich.

Zusätzlich sind die vier Außenträger unter der Manege über Kreuz mit Stahlseilen gesichert. „Das Teil ist absolut sturmsicher”, versichert der Produzent mit Hinblick auf das Wetter der vergangenen Tage. Doch die Konstruktion habe noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: „Es gibt bei uns keine Sichtbehinderung durch Masten. Jeder Zuschauer, egal auf welchem Platz er sitzt, hat freien Blick auf die Manege.”

Elf Tage insgesamt dauert der Aufbau des Mammutprojektes, allein 60 Fahrzeuge karren seit Tagen die verschiedenen Bauteile auf den Bendplatz. „Fast vier Kilometer Kabel”, schätzt Freudrich, müssen verlegt werden. Doch die Zeit ist auf seiner Seite. Und auch auf der von Zeltmeister Malmström und seinen Kollegen. Es geht gut voran.

Drahtseilakt auf die Zugspitze

An diesem Samstag reisen die ersten Artisten an. Dann wird Freddy Nock, der weltbekannte Hochseilartist, der bis heute als Einziger die Zugspitze in 3000 Meter Höhe über ein Seil erreichte, seine Requisiten unter die Kuppel hängen. Daneben wird das Duo Supernova seine Schaukeln für seine Trapezkünste befestigen.

„Traditionell bringen die Artisten ihre eigenen Requisiten mit und hängen sie eigenhändig unter die Zeltdecke”, erklärt Freudrich. Die Strickleiter für deren Aufstieg ist schon da. Noch baumelt sie etwas einsam unter der Kuppel, an der später allein vier Tonnen Lichttechnik hängen sollen.

Lächelnd besieht sich Zeltmeister Malmström den Bau. Er hört dem Wind zu, der durch die Sitzreihen pfeift. Bald werden sie alle da sein, die 50 Artisten und Musiker, und vor allen Dingen die zahlreichen Besucher, die Kinder mit ihren Großvätern, die Geschwister, junge und alte neugierige Menschen.

Und irgendwo in der Menge wird auch Malmström sitzen. Wohlig im Warmen, während draußen vielleicht der erste Schnee des Jahres auf das Zirkusdach niederrieselt.

Große Weihnachtsshows am 25. und 26. Dezember

Die Premiere des „Aachener Weihnachts-Circus-Festival” ist am Mittwoch, 21. Dezember. Vorstellungen gibt es täglich um 15 und 20 Uhr bis einschließlich Samstag, 7. Januar. Am Sonntag, 8. Januar, beginnen die Vorstellungen um 14 und 18 Uhr. An Heiligabend und Neujahr gibt es keine Vorstellungen.

Preise: zwischen elf und 41 Euro. Für die Vorstellungen am Premierentag gelten Sonderpreise. Am 22. und 23. Dezember bietet der Zirkus 20 Prozent Nachlass auf alle Plätze mit der „Früh & Clever” Aktion. Weiterhin gibt es vergünstigten Eintritt mit einem Festivalticket für vier Personen.

Am 25. und 26. Dezember gibt es große Weihnachtsshows, ebenso ist eine Silvestervorstellung geplant.

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