Aachen - Eine Komödie als Kammerspiel

Eine Komödie als Kammerspiel

Von: Anke Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Gestatten, „Vier Männer im N
Gestatten, „Vier Männer im Nebel”: Bei der gleichnamigen Komödie von Tim Firth kämpfen Wolfgang Merkens, Thorsten Keller, Thorsten Fröhling und René Beaujean vom Blackout Theater ums Überleben, um Hierarchien und ein Würstchen. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Wenn Nebelschwaden wabern, lässt dieses Naturschauspiel auch im beschaulichen Lake District meist nichts Gutes ahnen. Bei „Vier Männer im Nebel”, der Komödie von Tim Firth, mit der das Blackout Theater jetzt Premiere im Theater 99 feierte, ist dieser Nebel natürlich auch ein Hinweis auf ein nahendes Unheil - und das beginnt in diesem Fall mit einem ­„Team-Building-Exercise”.

Diese Maßnahme soll für ein gruppendynamischeres Miteinander in der Firma Pennine Quellwasser AG sorgen, also stechen vier Herren im besten Alter aus dem mittleren Management der Firma als eine von vier Gruppen in See. Den Unbilden der Natur und ihren unzureichenden navigatorischen Kenntnissen schutzlos ausgeliefert, kommen sie als einzige Gruppe vom Kurs ab, das Bötchen kentert, so dass sich Angus, Gordon, Roy und Neville nur noch auf eine Inseln retten können.

Die ist zwar keine zwei Meilen Luftlinie von der Zivilisation entfernt, hat dergleichen aber nicht zu bieten. Jetzt beginnt der Kampf ums Überleben, um Hierarchien, Ansehen und ein Würstchen, ein Desaster bahnt sich an, dessen Auswirkungen mit außerordentlicher Spielfreude und wunderbarer Schauspielkunst ausgetragen werden.

Ursache allen Übels

Neville (Wolfgang Merkens), von der Truppe als Kapitän gewählt, ist schnell als Ursache allen Übels ausgemacht und kann sich der Häme seines Kollegen Gordon (Thorsten Keller) kaum erwehren, während der treue Angus (Thorsten Fröhling) und der gerade von einer Therapie ins Berufsleben zurückgekehrte Roy (René Beaujean)versuchen, die Situation mit einer Prise Optimismus zu retten. Angus, Typ Muttersöhchen und dank seiner Frau bestens für das Überleben ausgestattet, zaubert trockene Feinripp-Unterwäsche, eine Machete und ein Nürnberger Würstchen aus seinem Rucksack, und Roy trägt durch seine neuerworbene Frömmigkeit und seine Vorliebe für alles Gefiederte zur allgemeinen Verwirrung bei.

In dieser bitteren Komödie des Engländers Tim Firth werden alle Register menschlicher Abgründe gezogen, die aber nicht in trockener Ernsthaftigkeit dargelegt werden. Das menschliche Klein-Klein spielt hier die Hauptrolle, etwa wenn sich Gordon auf den Rucksack seines Kollegen Angus stürzt, um nach Essbarem zu suchen. Thorsten Keller stellt diesen diabolischen Charakter so überzeugend dar, dass selbst das Publikum diesen Typ zu hassen beginnt. Sein Pessimismus hat System, mit ihm treibt er den Rest der Truppe in die Krise, dem hingegen gelten alle Sympathien, mit diesen traurig-komischen Gestalten wird gezittert und gebangt. Die Kälte auf der Insel ist spürbar, die Feuchtigkeit durchdringt alle Ritzen, die Verzweiflung ist echt. Vor allem bleibt der Spannungsbogen bei der rund zweistündigen Aufführungsdauer bis zum Schluss erhalten: Begeht Roy tatsächlich Selbstmord, ist die Frau von Angus wirklich die treusorgende Ehegattin, und übernimmt Neville klaglos die Rolle des Sündenbocks?

Auf einer nur mit dem Notwendigsten ausgestatteten Bühne hat Regisseurin Eva Eischet die Komödie als Kammerspiel umgesetzt, dessen Eindringlichkeit sich die Zuschauer trotz aller Komik nicht entziehen können.

„Vier Männer im Nebel” werden am 2. und 3. März um 20 Uhr und am 4. März um 19 Uhr gespielt. Weitere Aufführungstermine sind am 9. und 10. März um 20 Uhr und am 11. März um 19 Uhr, jeweils im Theater 99, Gasborn 9-11. Am 21. April gibt das Blackout Theater um 20 Uhr noch eine Vorstellung im Ludwig-Forum. Karten gibt es unter 0241/27458.
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