Aachen - Eine Gedenkstätte wird weiterhin zugemüllt

Eine Gedenkstätte wird weiterhin zugemüllt

Von: Gerald Eimer
Letzte Aktualisierung:
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Würdige Gedenkstätte? Regelmäßig türmt sich der Unrat über einem Gedenkstein für den von Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Adam Kuckhoff.

Aachen. Von einer würdigen Gedenkstätte kann im Deliusviertel ernsthaft keine Rede mehr sein. Missachtet wird dort seit langem eine kleine im Boden eingelassene Tafel, die an den Aachener Schriftsteller und Widerstandskämpfer Adam Kuckhoff erinnert.

Zu erkennen war sie zum Jahreswechsel über Tage hinweg nicht - verschwunden unter einem Berg gelber Säcke.

Verantwortlich für die Müllhalde fühlt sich niemand. Üblicherweise werden die gelben Säcke in der Innenstadt im Vollservice von Mitarbeitern der Abfallbeseitigung aus den Häusern geholt.

Die Stadt verwies am Freitag jedoch auf die Arge Wertstofferfassung Eifel, die die gelben Säcke abholt. Dort teilte eine Mitarbeiterin mit, dass die Säcke planmäßig am Freitag beseitigt werden sollten, warum sie dort schon seit Dienstag lagerten, konnte sie nicht erklären.

„Man weiß einfach nicht, an wen man sich wenden soll”, schimpft Anwohnerin Hilda Giani-Menge, die den Missstand nicht hinnehmen will. Seit Jahren ist sie bemüht, den kleinen Platz sauber zu halten, der von den einen als Hundeklo angesehen wird, von anderen immer wieder als Ablagefläche für wilden Müll oder Sperrgut missbraucht wird.

Bereits im vergangenen Sommer hat sie sich an die Öffentlichkeit gewandt und der Stadt mangelnde Pflege und fehlendes Interesse an der Gedenkstätte vorgeworfen. Damals teilte das Pressebüro mit, sich die Örtlichkeit genauer ansehen und regelmäßig Reinigungskolonnen vorbeischicken zu wollen. Auch sollten die Anwohner für das Denkmal „sensibilisiert” werden.

Unterdessen hat Giani-Menge weiterhin das Gefühl, dass die Kuckhoffstraße samt ihrer Gedenkstätte „ein Stiefkind von Aachen” ist. Sie hat auch einen anderen Standort für die Kuckhoff-Tafel vorgeschlagen - doch auch darüber scheint niemand weiter nachdenken zu wollen.

Ohnehin hat es mehr als zwei Jahrzehnte gedauert, bis die Stadt erste Anregungen aufgegriffen hat, eine Straße nach Adam Kuckhoff zu benennen. Der Gedenkstein wurde erst im September 2003 gelegt - 60 Jahre nach der Ermordung Kuckhoffs.

Adam Kuckhoff wurde im August 1887 im Rosviertel als Sohn einer Nadelfabrikantenfamilie geboren. Er war Literaturwissenschaftler, Schauspieler, Regisseur, Theaterkritiker und Schriftsteller.

Als überzeugter Marxist engagierte er sich in den dreißiger Jahren im antifaschistischen Widerstand gegen Hitler und seine Nazi-Schergen und beteiligte sich am Aufbau der Gruppe „Rote Kapelle”.

Die Gestapo nahm ihn 1942 in Prag fest, Kuckhoff musste sadistische Folterungen ertragen. Am 5. August 1943 wurde er in Berlin Plötzensee mit 14 weiteren Gefährten hingerichtet.
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