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Eine frische Sicht auf viele alte Bekannte

Von: Jenny Schmetz
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Schön bunt und schwarz-weiß: Direktorin Brigitte Franzen ordnet im Ludwig Forum Highlights der Sammlung neu – oben die Supermarket Lady vor Gerhard Richters Farbfeldern – und zeigt zwei Neuerwerbungen der Ludwig-Stiftung: hier Fotografien Andy Warhols. Foto: Andreas Herrmann
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Schön bunt und schwarz-weiß: Direktorin Brigitte Franzen ordnet im Ludwig Forum Highlights der Sammlung neu – oben die Supermarket Lady vor Gerhard Richters Farbfeldern – und zeigt zwei Neuerwerbungen der Ludwig-Stiftung: hier Fotografien Andy Warhols. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Aachens Mona Lisa“ hat ein neues Zuhause. Zuletzt hatte die Supermarket Lady von Duane Hanson im hintersten Winkel des Ludwig Forums ihren gelangweilten Blick aus dem Fenster geworfen, jetzt hat die füllige Hausfrau ihren überfüllten Einkaufswagen an ein prominenteres Plätzchen „geschoben“.

Auf einem weißen Podest lässt der Superstar des Hauses die Kippe im Mund nun in ganz schön bunter Gesellschaft glimmen: vor fünf Farbfeld-Bildern Gerhard Richters. Und der Betrachter darf den Dialogen zwischen dem Lockenwickler-Rosa der Lady und Richters rosa Autolack-Quadraten „lauschen“.

„Mir hat es in den Fingern gejuckt, das so zu kombinieren“, sagt Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig Forums. „Ein bisschen Faust aufs Auge“, gibt sie zu. Aber schon bei der documenta 5 im Jahr 1972 seien beide Werke ähnlich gezeigt worden. „Ich weiß noch nicht, wie lange wir das aushalten, so nah beieinander“, gibt sie schmunzelnd zu bedenken.

Fotos von Warhol und Winogrand

Aber mindestens bis zum September 2014 soll diese Konstellation so zu sehen sein. Sie bildet einen Blickfang im Haus an der Jülicher Straße, das jetzt Highlights seiner Sammlung neu präsentiert. Rund 40 Werke geben im gesamten rechten Flügel vor allem Einblick in die amerikanische Kunst der 1960er bis 1980er Jahre. Vertreten sind die großen Namen von Andy Warhol und Roy Lichtenstein bis Jean-Michel Basquiat und Jeff Koons – passend zum Jahres-Schwerpunkt mit US-Kunst und flankierend zum aktuellen Nancy-Graves-Projekt.

Gravese_SSRq Markenzeichen, das Kamel, klebt als Silhouette neben manchem Werk, um Zusammenhänge aufzuzeigen: etwa neben der Collage „Hazard“ (1957). Robert Rauschenberg, Lehrer von Graves in Yale, verwendete als einer der Ersten Tier-Elemente, hier kombinierte er einen (echten) Vogelflügel mit Papier und Plakatfetzen, Malerei und Fotos. Das „Combine“ ist die älteste Arbeit der Aachener Pop-Art-Sammlung von Irene und Peter Ludwig. Schon in den 1960 Jahren reiste das Ehepaar regelmäßig über den großen Teich, um Kunst zu entdecken. Werke, die heute weltberühmt sind.

Neben der frischen Sicht auf solch alte Bekannte präsentiert die Ausstellung auch zwei Neuerwerbungen. Neun Schwarz-Weiß-Fotografien von Andy Warhol, Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre bei Streifzügen durch die Straßen New Yorks geknipst, zeigen Alltägliches: einen Obdachlosen, Schaufenster, Häuserfluchten. Ungewöhnlich ist das Medium, da der Pop-Art-Künstler Fotografien sonst vor allem als Vorlagen für seine Gemälde verwendete. Unikate sind die Fotos zwar, aber bei weitem nicht so wertvoll wie Warhols in der Nähe hängendes Popeye-Gemälde, das Franzen auf rund 80 Millionen Euro taxiert.

Wertvolle Einblicke in die US-amerikanische Gesellschaft, in der die Ludwig-Kunst entstand, eröffnet der zweite Neuankauf: 17 Schwarz-Weiß-Fotografien von Garry Winogrand aus der Serie „Public Relations“. Der Hauptvertreter der Street Photography dokumentiert Zeit-Momente von der Haarpracht bei Demo oder Dinner bis zur Politikerpose, auch Warhol taucht wieder auf – als Ausstellungsbesucher.

„Man muss nicht so viel wissen, um sich das anzuschauen“, betont Brigitte Franzen. Rote Fäden sind zwischen den Werken viele zu spinnen, etwa entlang des Themas Nacktheit: angefangen bei Allen Jones, der Pin-Up-Girls als Möbelstücke dienen lässt, bis zu Jeff Koons, der sich selbst beim Liebesakt schnitzen ließ. Das Sexspiel des teuersten lebenden Künstlers steht jetzt zurückhaltend in einer Ecke. Nur ein Prunkstück von vielen.

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