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Eine Frau will die CDU in die Moderne führen

Von: Achim Kaiser
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Armin Laschet gibt seinen Post
Armin Laschet gibt seinen Posten als CDU-Vorsitzender ab, Ulla Thönnissen soll die Führungsaufgabe übernehmen und Maike Schlick (r.) bleibt stellvertretende Vorsitzende. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Dass Armin Laschet den Vorsitz der Aachener CDU abgeben würde, war schon länger klar, spätestens, als er für den Vorsitz der Landes-CDU nominiert worden war. Offen war lediglich die Frage, wer seine Nachfolge antreten würde: Maike Schlick oder Ulla Thönnissen.

Diese Frage hat der erweiterte CDU-Kreisvorstand am Dienstag Abend beantwortet. Er sprach sich einstimmig für die einzige Bewerberin aus: Ulla Thönnissen. Sie soll am 7. September beim Kreisparteitag zur neuen CDU-Parteivorsitzenden gewählt werden. Damit würde zum ersten Mal in der Geschichte der Aachener CDU eine Frau den Vorsitz übernehmen. Zwar ist das Verfahren offen, doch mit einer überraschenden Gegenkandidatur rechnet in der CDU-Führungsetage niemand.

Notwendig wird diese Neuwahl am 7. September, weil der noch amtierende bis 2013 gewählte Vorsitzende Laschet zurücktritt: „Ich muss dieses Amt niederlegen, weil ich in Nordrhein-Westfalen vor einer riesigen Aufgabe stehe und die Ämter zeitlich nicht miteinander vereinbar sind.” Der Aachener war am 30. Juni zum neuen Vorsitzenden der CDU Nordrhein-Westfalen gewählt worden. „Ich muss viel durchs Land reisen und viele Gespräche führen, um die Landespartei, die bei der letzten Landtagswahl auf 26 Prozent geschrumpft ist, wieder aufzubauen”, sagt der 51-Jährige.

Elf Jahre lenkte Laschet die Geschicke der Aachener CDU, stets musste er pendeln: zunächst als Europaparlamentarier zwischen Brüssel, Straßburg und Aachen, ab 2005 dann als Minister beziehungsweise Landtagsabgeordneter zwischen Düsseldorf und Aachen. „Es hat während dieser Zeit Aufs und Abs gegeben, wir haben Wahlen gewonnen und verloren”, blickt der gebürtige Burtscheider zurück. Immerhin: Bei der jüngsten Kommunalwahl 2009 ging die hiesige CDU als Siegerin hervor. Sie stellt mit den Grünen die Mehrheit im Aachener Stadtrat und im Städteregionstag.

„Ich weiß, dass ich in große Fußstapfen trete, Armin Laschet hat hier viel zusammengeführt. Ich denke, dass ich hier in kleinerer Dimension ebenso viel zu tun habe wie er auf Landesebene”, schaut die designierte CDU-Chefin nach vorne. Sie versteht diesen Neuanfang auch symbolisch als eine engere „Verzahnung der Stadt und der Städteregion” - zumal die Stimmung momentan zwischen Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und Städteregionsrat Helmut Etschenberg (beide CDU) wieder besser sei.

Viel Arbeit

Gereift sei ihre Entscheidung nach mehreren intensiven Gesprächen mit ihrer Parteifreundin Maike Schlick. „Wir waren zunächst beide nicht so recht entschlossen, schließlich war aber klar, dass das die beste Lösung ist.” Das bestätigt auch Schlick: „Mir war am Ende klar, dass ich als berufstätige Mutter und vielbeschäftigte Ratsfrau diesen Posten aus Zeitgründen nicht ausfüllen kann und will.” Als stellvertretende Vorsitzende will Schlick ihre Kollegin Thönnissen voll unterstützen: „Ich bin sicher, dass wir viel erreichen können.”

Dass viel Arbeit vor ihr liegt, weiß die 49-jährige Heinsbergerin Thönnissen: „Die Partei steckt nach der Wahl noch in der Schockstarre. Wir sind noch nicht im Aufwind. Das wird ein langer Prozess, den wir Schritt für Schritt gehen müssen.” Bei der Klausurtagung im August sollen erste gemeinsame Ziele formuliert werden - auch mit Blick auf die drei bevorstehenden Wahlen auf Bundes- (2013), Europa- und Kommunalebene (beide 2014).

Mit einem „offenen Diskussionsstil” will Thönnissen die akute „Gefühlslage” der Partei erkunden. Dabei will sie viele Gespräche mit den Mitgliedern führen. „Das ist natürlich leichter, wenn man vor Ort ist und nicht ständig pendeln muss”, weiß die sozialpolitische CDU-Sprecherin im Städteregionstag.

„Genau diese ständige Präsenz konnte ich am Ende nicht mehr leisten”, bekennt auch Laschet. Er wird künftig keine Funktion mehr im CDU-Kreisvorstand ausüben, seiner Heimatpartei aber ebenso verbunden bleiben wie seiner Geburtsstadt: „Mein Wohnsitz bleibt weiter in Burtscheid, ich werde auch weiterhin alles von hier organisieren.”

Es sei nur am Rande noch erwähnt, dass ihm seine Vorstandskollegen bei der Bekanntgabe seines Rückzuges aus der Aachener CDU neben Blumen auch ein bemerkenswertes Buch überreichten. Titel: „Die Kunst des klaren Denkens. 52 Denkfehler, die Sie besser anderen überlassen.” Kommentar von Armin Laschet: „Das Buch kommt zwar spät, aber nicht zu spät.”
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