Eine besondere Partnerbörse für Menschen mit Behinderung

Von: Christopher Gerards
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Ulla Heister (l.)  hat mit ihr
Ulla Heister (l.) hat mit ihrer besonderen Partnerbörse Erika Nagjiof und Wolfgang Knebe zusammengebracht. Fotos (2): Andreas Steindl Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eigentlich hätten die Beiden sich nie kennengelernt. Einen Partner finden, der über 30 Kilometer entfernt wohnt, wie sollte das gehen für einen Menschen mit Behinderung?

Erika Nagjiof (51) aus Aachen und Wolfgang Knebe aus Geilenkirchen (44) hatten schon ein paar Beziehungen, doch ihre Partner wohnten nie allzu weit weg. Heute sind Nagjiof und Knebe verlobt, trotz Distanz und trotz Handicaps. Die Beiden haben sich gefunden, weil sie Ulla Heister kennengelernt haben.

Einfach was für die Menschen mit Behinderung tun, das wollte Ulla Heister damals, als sie im April 2010 die „Schatzkiste” in Aachen eröffnete, deren Träger die Josef-Gesellschaft ist. „Viele Menschen mit Handicap sind einsam und haben Probleme, Partner zu finden.”

Heister möchte im wahren Sinne Liebe vermitteln mit der „Schatzkiste”, Aachens erster Partnerbörse für Menschen mit Behinderung. Und die Sozialpädagogin hat Erfolg: Nicht nur Nagjiof und Knebe haben sich gefunden, schon zehn Pärchen haben Heister und ihr Kollege Daniel Stärke vermittelt, darunter auch Homosexuelle.

Erika Nagjiof und Wolfgang Knebe erfuhren damals über ihre Betreuer von der Partnerbörse, meldeten sich an und schickten gleich ein Foto mit. „Wir schauen uns dann an, wer zu wem passen könnte und senden dann die Fotos weiter”, erläutert Heister. Klar, das Foto seiner Erika habe ihm damals gefallen, sagt Knebe, „aber ich muss die Frau erstmal in Natura sehen.” Das konnte er dann auch. Die Schatzkiste plante ein erstes Date, die Beiden saßen in einem Café, es ging um Hobbys, um Interessen. Ein normales Treffen also, nur dass Heister als Betreuerin mit am Tisch saß, das Gespräch betreute.

„Am Ende gehe ich dann meistens für zehn Minuten raus. Nach dem Kennenlernen fragen wir dann, wie es war. Wenn es nicht geklappt hat, organisieren wir noch ein zweites Date mit jemand anders.” Bei Nagjiof und Knebe war das nicht nötig. „Ich habe mir innerlich gewünscht, dass ich sie nochmal sehe”, sagt Knebel. Es folgten weitere Treffen, in Cafés, Lokalen, in der Stadt - diesmal ohne Begleitung, denn nach dem ersten Date endet die Begleitung durch die Schatzkiste.

Einige der rund 80 Angemeldeten seien jedoch wegen ihrer schweren - ausschließlich geistigen - Behinderungen, kaum zusammenzubringen, sagt Heister deren Büro im Vinzenz-Heim am Kalverbenden liegt. Dort würde sie übrigens gerne noch mehr weibliche Gesichter sehen, denn: „Wir haben das Problem, dass viele Männer angemeldet sind, aber nur wenige Frauen.”

Erika Nagjiog bereut ihre Anmeldung nicht. Irgendwann folgte der erste Kuss, die Beziehung, Urlaub in der Türkei, die Verlobung im Mai. Elf Monate lieben sich Nagjiof und Knebel nun schon. Knebel sagt: „Mein Leben hat sich verändert. Ich bin glücklicher geworden.”
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