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Eine alte Frau trifft das junge Mädchen, das sie einst war

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
Aus Monolog wird Zwiegespräch
Aus Monolog wird Zwiegespräch: Susanne Schieffer (li.) und Beate Lohse spielen dieselbe Figur - in jungen und in späten Jahren. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Wenn man Beate Lohse und Susanne Schieffer zusammen sieht, gewinnt man schon einen ersten Eindruck von Daniel Keenes ungewöhnlichem Stück, das ja eigentlich ein Monolog ist. Ein Monolog, der im Theater K zu einem ungewöhnlichen Zwiegespräch führt.

Denn Beate Lohse, im Theater K schon lange ein gern gesehener Gast, und die junge Susanne Schieffer, die jetzt - noch vor dem Besuch einer Schauspielschule - bereits eine große Rolle am Theater K erhält, verkörpern in „Der Regen” ein und dieselbe Frau. Beate Lohse spielt die Hanna als Greisin, Susanne Schieffer, 21, ist als die junge Hanna zu sehen.

Der australische Theaterautor Daniel Keene, Jahrgang 1955, gilt als „gefährlicher Stückeschreiber”, der keine Angst vor unbequemen Themen hat. In seinem dichten Monolog geht es ums Erinnern und Vergessen. Eine alte Frau erinnert sich.

Sie erinnert sich an ihr jugendliches Ich, irgendwo auf einem öden Feld außerhalb der Ortschaft. Sie denkt an die vielen Menschen, die hastig in einen Zug stiegen. Sie haben Anna viele Dinge übergeben, Dinge, die nicht mitgenommen werden durften, von Schuhen über Brotlaibe, Fotografien, Koffern, Blumen oder Federn. Immer wieder geschieht dies, und Anna trägt alle Gegenstände nach Hause. Sie ordnet und bewahrt alles, aber niemand kehrt zurück?

Das Wort Deportation komme kein einziges Mal vor, sagt Annette Schmidt, die das Stück inszeniert. „Und dennoch spürt man, worum es geht. Das Stück hat eine wahnsinnige Logistik, die sich jedem erschließt.” Und Michael Kampermann, Germanist und Theologe, Schmidts einstiger Lehrer, der an der Einrichtung des Stücks beteiligt war, sieht in dem ungewöhnlichen erweiterten Monolog etwas „tief und unmittelbar Bewegendes jenseits aller Betroffenheitsschienen”. Was natürlich das Stück auch für Schulen interessant macht.

Die junge Susanne Schieffer, hat das Theaterblut von beiden Eltern in den Adern - ihre Mutter ist Petra Welteroth, ihr Vater ist Anton Schieffer. Beate Lohse ist begeistert von ihrer jungen Kollegin - die Ältere hält ebenso wie das junge Nachwuchstalent viel davon, dass der eigentliche Monolog zu einem packenden Zwiegespräch ausgeweitet wurde.

„Das Stück ist in 20 bis 30 Minuten gelesen, aber unsere Bühnenfassung umfasst jetzt etwa 60 Minuten”, berichtet Annette Schmidt. Auch stumme Augenblicke und Musik sollen zu einem besonderen Theaterabend verhelfen. „Die Zuschauer sollen ruhig skeptisch sein”, wünscht sich Schmidt. Fragen seien hier oft interessanter als Antworten. Schuld und Verstrickung, Wegsehen wie etwa bei den so genannten „Döner-Morden” - all dies mache das Stück zeitlos, „ganz ohne pädagogischen Beigeschmack.”

Premiere von Daniel Keenes Stück „Der Regen” ist am Samstag, 14. April, im Aachener Theater K, Ludwigsallee 139. Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen gibt es am 24. und 27. April. Aufführungen sind zudem am 3., 15. und 24. Mai geplant.

Der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 10 Euro. Kartentelefon: 0241/151155.

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