Eine Aktion zur Rettung von Lebensmitteln

Von: Corinna-Jasmin Kopsch
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Die Botschaft von der Rathaustreppe: „Containern ist kein Verbrechen.“ Vom Markt zog das gleichnamige Bündnis los ud startete die „öffentlich beworbene Container-Tour durch die Stadt. Etwa 60 Sympathisanten machten mit. Foto: Corinna-Jasmin Kopsch
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Quer durch die Stadt waren die „Lebensmittelsretter“ bei der ersten öffentlichen Container-Tour unterwegs.
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Eine Packung Kartoffeln war auch bei den Fundstücken der Containerer dabei.

Aachen. Es ist verboten, was sie gleich machen werden. Es könnte sein, dass jemand eine Anzeige wegen Diebstahls bekommt – oder sogar wegen Hausfriedensbruch. Doch das sei eher unwahrscheinlich, beruhigt Christian Walter, Mitbegründer des Bündnisses „Containern ist kein Verbrechen!“, die Anwesenden.

Darauf hinweisen wolle er aber.

Das Bündnis hatte (unter anderem über Facebook) zur „wohl ersten öffentlich beworbenen Containertour“ aufgerufen. Beim sogenannten Containern werden noch genießbare Lebensmittel beispielsweise aus den Mülltonnen von Supermärkten genommen – oder geklaut. Das kommt auf die Perspektive an. Der Gesetzgeber bewertet es oft als Straftat. Das Bündnis sieht das, was es tut, jedoch als nützlich an, da zu viele Lebensmittel weggeworfen würden.

Vor einiger Zeit waren zwei Aachener beim „Containern“ erwischt worden, sie stehen bald vor Gericht. Walter und seine Mitstreiter wollen eine Verurteilung der beiden verhindern – und auf die Verschwendung von noch genießbarem Essen aufmerksam machen.

Verschiedene Aktionen wie beispielsweise eine Kundgebung vor dem Elisenbrunnen sollten bislang auf das Thema hinweisen. Die „öffentlich beworbene Containertour“ ist eine weitere Aktion, die mehr Menschen darauf aufmerksam machen soll, wie hierzulande mit Lebensmitteln umgegangen wird. In Deutschland werden pro Jahr etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, sowohl in Supermärkten als auch in Privathaushalten. „Es ist ein Unding, dass profitorientierte Konzerne entscheiden, was mit unseren Lebensmitteln geschieht“, so Walter.

Treffpunkt für die Tour ist der Marktplatz. Es sind deutlich mehr Interessierte gekommen als Walter erwartet hat: „Es sind etwa 60 Leute da. Viele haben noch nie containert. Ich hätte mich schon über fünf neue Gesichter sehr gefreut.“ So findet er es natürlich besser. Ob er mit Polizei in dieser Nacht rechne? Möglich sei es, aber er vermute nicht, dass es Ärger geben würde: „Die Öffentlichkeit ist heute unser bester Schutz.“

Als es dunkel wird, werden Handschuhe verteilt – als Schutz beim Wühlen im Müll und dann gehen die Teilnehmer in drei Gruppen in verschiedene Richtungen davon. Sie wollen unterschiedliche Supermärkte in Aachen aufsuchen und schauen, was sie in deren Mülltonnen finden. „Hinterlasst bitte alles so, wie ihr es vorgefunden habt. Wir wollen kein Chaos veranstalten, sondern nur noch Genießbares mitnehmen“, gibt ihnen Walter noch mit auf den Weg.

Aufregung spürbar

Am Hinterausgang des ersten Supermarktes angekommen, ist etwas Aufregung spürbar. Viele machen so etwas zum ersten Mal und sind gespannt, was sie finden werden – und ob sie jemand erwischen wird. Doch es bleibt alles ruhig, die wenigen Anwohner, die vorbeikommen, schenken den Menschen am Müll keine Aufmerksamkeit. Sie finden Kartoffeln und Salatköpfe und nehmen sie mit. Weiter geht es zum nächsten Supermarkt in der Hoffnung auf weitere Lebensmittel, die eigentlich viel zu schade zum Wegwerfen sind.

Walter hofft, dass der öffentliche Druck, der durch die verschiedenen Aktionen entstehe, und die Aufmerksamkeit durch Medien und soziale Netzwerke – sowie durch die Petition gegen die Verurteilung der beiden Angeklagten, die mittlerweile etwa 97.000 Unterschriften umfasst – dazu beiträgt, dass die Anklage fallengelassen wird. Und dass Containern generell nicht mehr als „Verbrechen“ angesehen wird.

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