Radarfallen Blitzen Freisteller

Ein Schraubenzieher öffnet das Fenster in Windeseile

Von: wb
Letzte Aktualisierung:
5728925.jpg
Schnell erledigt: Norbert Winkler, technischer Berater der Aachener Polizei, hebelt ein Fenster in wenigen Sekunden auf. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Das Tempo von Norbert Winkler ist beeindruckend. Nur ein paar Sekunden braucht der technische Berater der Aachener Polizei, um ein Fenster aufzuhebeln. „Etwa 80 Prozent aller Häuser sind mit solchen Fenstern ausgerüstet“, sagt Winkler. Einbrecher wissen das zu schätzen.

In der Branche der Langfinger muss es nämlich flott gehen. „Schnell rein, Bares, Schmuck und Elektronikgeräte – die sich gut zu Geld machen lassen – greifen und schnell wieder raus“, erklärt Alex Milar. Er ist der Leiter des Kriminalkommissariats Vorbeugung und als solcher darauf aus, den Einbrechern kräftig in die Suppe zu spucken. Das gelingt am besten durch Ausbremsen. Je länger ein Dieb braucht, um in ein Haus oder eine Wohnung einzusteigen, desto größer ist sein Risiko. Und desto größer wird dann auch die Chance, dass er aufgibt und sich ein anderes Ziel sucht.

Milar kann das schön mit Zahlen belegen. Im Jahr 2011 registrierte die Aachener Polizei in ihrem Zuständigkeitsbereich etwas mehr als 2000 Einbrüche, 2012 waren es rund 250 weniger, derzeit steigen die Zahlen wieder. „Aber von 2000 Fällen bleiben 800 im Versuchsstadium stecken“, weiß Milar. Die Täter arbeiten sich an Fenstern und Türen ab, hinterlassen dort Einbruchsspuren, aber kommen nicht zum Ziel oder werden vorher gestört.

Und genau da will das Kriminalkommissariat Vorbeugung ansetzen. Mit der landesweiten Kampagne „Riegel vor!“ sollen die Bürger auf diverse Möglichkeiten hingewiesen werden, mit denen sie ihr Heim vor Einbrechern schützen können. In Aachen beraten Milar und seine Mitstreiter die Leute in ihren Räumen an der Jesuitenstraße 5 in den nächsten Wochen – entgegen sonstiger Gewohnheit – auch ohne Terminvereinbarung, zudem verteilen sie Informationsmaterial an Ständen etwa beim Soerser Sonntag auf dem Reitturnier-Gelände.

Und außerdem touren sie mit einem „Info-Mobil“ durch die Region. Das macht in Aachen am Elisenbrunnen Station (Freitag, 28. Juni, Samstag, 29. Juni, Freitag, 19. Juli und Samstag, 20. Juli, jeweils von 13 bis 18 Uhr. In Eschweiler wird das Info-Mobil am Freitag, 5. Juli, und Samstag, 6. Juli, jeweils von 13 bis 18 Uhr entweder in der Marienstraße oder vor am Rathaus stehen, in Stolberg parkt es am Freitag, 12. Juli, und Samstag, 13. Juli, jeweils von 13 bis 18 Uhr vor dem Rathaus.

Die Polizei rührt so kräftig die Trommel, „weil wir auf die Mithilfe der Bürger angewiesen sind“, sagt Milar. Im Gegensatz zu anderen Delikten sei bei Einbrüchen die Aufklärungsquote von 10 bis 15 Prozent „nicht berauschend“. Die Ermittler seien angewiesen auf die Beobachtungen von aufmerksamen Zeugen. „Wir sind dankbar für jeden Hinweis“, betont Milar. Wer Verdächtiges bemerkt, sollte die Polizei informieren. Wachsamkeit nützt den Polizisten nicht allein bei der Aufklärung, sie dient auch der Vorbeugung. „Aufmerksame Nachbarn sind der Alptraum eines jeden Einbrechers“, weiß Alex Milar. Mitunter reiche schon eine freundliche Ansprache („Kann ich Ihnen helfen?“) im Hausflur eines Mehrfamilienhauses, um einen Täter von der auserkorenen Wohnungstür fernzuhalten. Solche Türen sind in großen Mietshäusern die bevorzugten Einstiege für Einbrecher. Wer sie einfach nur hinter sich ins Schloss zieht, hat seine eigenen vier Wände nicht ausreichend gesichert. Das Kommissariat Vorbeugung rät zu massiven Schlössern oder auch Querriegeln.

Bei Einfamilienhäusern nähern sich die Täter meist von hinten. An der Vorderseite könnten sie von der Straße aus beobachtet werden, deshalb versuchen sie es eher bei Terrassentüren oder rückwärtigen Fenstern. Und dabei schleppen sie keine größere Werkzeugkisten mit. Nicht einmal eine solide Brechstange gehöre zur Grundausstattung, weiß Alex Milar, es reiche ein kräftiger Schraubenzieher. Der sei auch leicht im Ärmel zu verstecken, erklärt Norbert Winkler. Damit Standardfenster einem Aufbruchsversuch länger als ein paar Sekunden standhalten, sollten sie technisch aufgerüstet werden, raten die Experten. Das könne pro Fensterflügel oder Terrassentür einige hundert Euro kosten, meint Norbert Winkler. Alex Milar hält das Geld für gut angelegt: Manche Opfer von Einbrüchen seien traumatisiert durch die Vorstellung, dass Fremde in ihre Refugium eingedrungen sind. „Es gibt Menschen, die deshalb ihre Häuser verkauft haben.“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert