Ein „Rosenkrieg“ mit köstlichem Dialogwitz

Von: Grit Schorn
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Madeleine Niesche und Thomas Kemper spielen die Hauptrollen in der „Offenen Zweierbeziehung“, die das Grenzlandtheater ab heute Abend auf die Bühne bringt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Jeden Donnerstag will sich Antonia umbringen – sie kann die ständigen Seitensprünge ihres Mannes nicht mehr ertragen. Der wiederum hat in der witzigen Komödie, die vor 30 Jahren entstand und dennoch recht aktuell anmutet, nicht einmal einen Namen. Er ist einfach „der Mann“, der Prototyp des lebenslustigen Fremdgängers, der seine Angetraute schätzt, aber in ihr eher die Mutter seiner Kinder sieht.

In der Probeszene im Grenzlandtheater stellt sich das Mimenpaar temperamentvoll vor – es sind zwei Schauspieler, die in Aachen bereits in „Gaslicht“ zwei sehr unterschiedliche Ehepartner bravourös verkörperten. Auf Madeleine Niesche und Thomas Kemper darf man gespannt sein. Neugierig macht auch das Regie-Duo Uwe Brandt und Anja Junski, das jetzt bereits zum dritten Mal gemeinsam ein Stück auf die Bühne bringt. Die Probeszene hat es in sich: Die beiden Schauspieler beziehen die Zuschauer mit ein – fast wie ein Flirt mit dem Publikum, der die unterschiedlichen Sichtweisen des Paares hübsch deutlich macht. Sie will nicht nur „geachtet“ werden, sondern geliebt und begehrt. Er hat die ewigen Selbstmordankündigungen satt, sie seine ewigen Affären. Richtig spannend wird es, als Antonia ihn verlässt und sich nach einiger Zeit einen Liebhaber zulegt.

Geschrieben wurde das Stück 1983 vom späteren Nobelpreisträger für Literatur, Dario Fo, und seiner Frau Franca Rame. Mit scharfem Blick und köstlichem Dialogwitz wird ein „Rosenkrieg“ feinster, besser gesagt unfeinster Art in Gang gesetzt. Das spritzige „Beziehungsdrama“ bietet ein verblüffendes Ende – übrigens auf einer betont schlichten Bühne, die nicht von den unglaublichen Verirrungen und Verwicklungen ablenkt. Überdies könne man wohl auch einiges aus eigenen „Beziehungskisten“ wiedererkennen, meint Intendant Uwe Brandt verschmitzt. Etwa 80 Minuten (keine Pause) will die „Offene Zweierbeziehung“ im Grenzlandtheater alle Register ziehen.

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