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Ein Riesenfest mit bis zu 5000 Künstlern

Von: Martina Feldhaus
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Das „Euregionale Fest der Amateurkünste“ ist Teil der Bewerbung von Maastricht und der Euregio Maas-Rhein zur Kulturhauptstadt 2018. Rund 30 Profi- und Amateurkünstler trafen sich jetzt in der Bleiberger Fabrik, um erste Ideen auszutauschen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Es ist ein Wahnsinns-Projekt. Eines, das es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat. In nicht einmal drei Monaten wollen bis zu 5000 Künstlerinnen und Künstler aus drei Ländern und sämtlichen Sparten der Kultur gemeinsam ein einziges großes Fest auf die Beine stellen.

Das Besondere: Der Großteil der Kulturschaffenden wird dabei aus dem Amateurbereich kommen. Es sind Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Tänzer, Sänger und Theaterleute, die ihre Kunst nebenberuflich, ja vielleicht sogar als Hobby betreiben. Am Sonntag, 2. Juni, werden sie das MVV-Stadion im niederländischen Maastricht einen Tag lang mit ihren Ideen, Darbietungen und Kreationen füllen.

Das „Euregionale Fest der Amateurkünste“ ist Teil der Bewerbung von Maastricht und der Euregio Maas-Rhein zur Kulturhauptstadt 2018. „Der Tag soll – etwas kitschig gesprochen – die Verlobungsfeier werden. Der Beginn einer langen und intensiven Beziehung zwischen den Menschen in der Euregio“, sagt Susanne Güntner vom Kulturbetrieb der Stadt Aachen. „Die Hochzeit folgt dann 2018.“

Güntner gehört zum Team der deutschen Partner bei der Kulturhauptstadt-Bewerbung. Vergangene Woche traf sie sich mit rund 30 Profi- und Amateurkünstlern in der Bleiberger Fabrik in Aachen zum ersten Beschnuppern. Zum Kennenlernen also. Und, um erste kreative Ideen auszutauschen. Organisiert hatte das Treffen Helga Korthals, Kulturmanagerin und Leiterin des „KuKuK“ (Kunst und Kultur im Köpfen) an der deutsch-belgischen Grenze.

Korthals ist auf deutscher Seite – insgesamt sind fünf Regionen in den Ländern des Dreiländerecks beteiligt – die Koordinatorin für das große Fest im kommenden Juni. Das heißt: Sie bringt die Künstler zusammen, organisiert Vorbereitungstreffen und behält den Überblick über das, was geplant wird.

„Wir sind heute hier, um zu schauen, was da von uns so alles kommen kann“, erklärte Korthals in der Bleiberger Fabrik. „Wichtig ist: Jeder, der irgendwie kreativ tätig ist, kann mitmachen. Wir sind für alle Vorschläge offen.“ Denn das Amateur-Fest, betont die Koordinatorin, soll eine Veranstaltung von unten sein. Keine vorgegebenen Abläufe, keine festen Raster, keine von oben verordnete Regieanweisungen.

Alles ist also erlaubt. Einzige Maßgabe: Texte, Bilder, Filme, Szenen und Musik für das Fest müssen sich an einem der zentralen Themen der Maastricht-Bewerbung orientieren – „Speaking in Tongues“ (sinngemäß: in vielen Sprachen sprechen). Es geht also darum, die sprachliche, kulturelle und künstlerische Vielfalt der Euregio auszudrücken. Und in der Bleiberger Fabrik zeichneten sich da schon die ersten kreativen Einfälle ab.

Autor Willi Achten möchte mit einer Gruppe verschiedene Orte in der Euregio aufsuchen, genau hinhören und dann die Stimmen – Töne, Assoziationen – des jeweiligen Ortes zu Papier bringen. Seine Leitfrage: „Was spricht in Dir, wenn Du nicht sprichst?“ Die Autoren sollen den Ort erlauschen und diese Eindrücke dann in der literarischen Technik des Bewusstseinsstroms in Lyrik oder Prosa bringen.

Achten ist einer von neun Profi-Künstlern auf deutscher Seite, die den zahlreichen Amateuren in den Vorbereitungen auf den 2. Juni als Ansprechpartner und Impulsgeber zur Seite stehen. Jeder von ihnen vertritt eine Kultur-Gattung und übernimmt in gewisser Weise eine leitende Funktion auf inhaltlicher Ebene.

Die frei schaffende Künstlerin A.M. Can ist für die Gruppe Textilkunst zuständig. Sie schwärmt schon jetzt von gestrickten Wimpeln, bedruckter Wäsche und anderen Stoffen, mit denen das Thema „Speaking in Tongues“ umgesetzt wird. Lars Kesseler alias Lake 13 nimmt alles aus dem Bereich Jugendkultur unter seine Fittiche. Zwei Schülergruppen haben sich schon zusammengefunden, die für Maastricht Graffiti-Wände entwerfen wollen. Auch ein Zeichner für Comicstrips hat sich schon bei Kesseler gemeldet.

Andere Amateure nahmen beim ersten Treffen am Mittwoch ersten Kontakt auf: Frauen, die kunstvoll stricken wollen, ein Hobbydichter, der seine Lyrik in Symbole übersetzt, ein Mann, der auf seinem Hof jede Menge Material für Kunstwerke bereithält, und eine Künstlerin, die mit Kreide arbeitet.

Viel Potenzial sei vorhanden, stellte Helga Korthals schnell fest. Jetzt allerdings gelte es, dieses zusammenzubringen. Das wollen die Künstler vom 15. bis 21. April tun. Dann soll es eine große Werkwoche geben, an deren Ende sämtliche Ideen auf den Tisch kommen, ausgearbeitet werden und dann wortwörtlich in Kisten verpackt werden. Aus diesen stellt der niederländische Regisseur Sybrand van der Werf dann das Programm zusammen.

Wie das aussehen wird? „Ich habe noch keinen blassen Schimmer“, sagt er und lacht. Es ist eben ein Wahnsinns-Projekt. Und zwar ein ziemlich unberechenbares.

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