Aachen - Ein reizendes Spiel um Macht und Triebe

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Ein reizendes Spiel um Macht und Triebe

Von: Grit Schorn
Letzte Aktualisierung:
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Die Frauen sind in „Unser Vater....spielt Gerechtigkeit” in der Mehrheit. Das macht die Atmosphäre locker, fast intim. Foto: Carl Brunn

Aachen. Rock´n´Roll und Shakespeare, geht das zusammen? Heiße Rhythmen und wilde Gefühle passen gut zusammen. So kriegen die Gäste im Mörgens mächtig was auf die Ohren, bevor der Jugendclub zu agieren beginnt.

„Unser Vater spielt Gerechtigkeit” heißt das rasante Stück, das Shakespeares „Maß für Maß” eigenwillig als Vorlage nutzt.

Hautnah am Publikum im ausverkauften Mörgens bewegen sich die jungen Akteure ganz ungezwungen. Zehn Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren präsentieren sich als Gruppe.

Es treten auf: Celina Baluch, Svenija Bräutigam, Pia Dautzenberg, Nick Josten, Maximiliane von Klitzing, Annella Lommetz, Yamila Lenzen, Annika Offergeld, Nadeschda Sabeti und Tim Werths. Mit ihrer Spielfreude und Natürlichkeit lassen sie buchstäblich die Puppen tanzen.

Wie bei Shakespeare, wo sich der „zu milde” Herrscher Vincentio zurückzieht, um dem sittenstrengen Angelo den Stab zu überreichen, sieht man schnell die Folgen: Der „härtere” Angelo entpuppt sich als scheinheiliger „Kopf-ab”-Vertreter, der den armen Claudio, der seine Freundin Juliet geschwängert hat, wegen „Vergewaltigung” hinrichten will. Fast alle sind entsetzt, Juliet und Claudio lieben sich. Doch langsam bröckelt die liberale Fraktion, die „Hardliner” haben das Sagen.

Urkomisch und lustvoll, mit viel Musik, hat Fredrik Jan Hofmann mit Hilfe von Dramaturg Andr Becker und Carina Rother die muntere Adaption in Szene gesetzt. Mit köstlichen „short cuts”, die oft Shakespeares Text gekonnt paraphrasieren. Auch „Vater” taucht wieder auf, als Mönch verkleidet.

Claudios Schwester Isabella will den Bruder retten, doch dafür fordert Angelo, der lüsterne „Tugendbold”, Sex von ihr. Ein Täuschungsmanöver soll das verhindern - und dann überschlägt sich alles. Dass die acht jungen Frauen die Mehrheit gegenüber den beiden Männern haben, macht die Atmosphäre locker und fast intim.

Da schwingt viel Ironie mit, wenn die Strenge gegen „Sittenlosigkeit” triumphiert. Am Ende sind alle verbissene Kuttenträger. Ein „reizendes” Spiel um Macht, Ohnmacht und die menschlichen Triebe.

Weitere Aufführungen von „Unser Vater spielt Gerechtigkeit” sind am 14./15./18. und 21. Juni, jeweils um 20 Uhr, im Aachener „Mörgens”, Mörgensstraße 34, zu sehen. Karten-Telefon: 0241/4784244. Eintritt: 5 Euro.

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