Ein Plädoyer für eine Politik des Dialogs

Von: Martina Stöhr
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Sie verfassten Beiträge für das Buch wohnten der öffentlichen Präsentation bei: Aachens Ex-OB Jürgen Linden (2.v.l.) und der niederländische Europapolitiker René van der Linden (3.v.l.). Foto: Heike Lachmann
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Herausgeber Winfried Böttcher hat sein Buch „Klassiker des europäischen Denkens“ in der Domsingschule der Öffentlichkeit vorgestellt. Fotos (2): Heike Lachmann Foto: Heike Lachmann

Aachen. Zu einem Plädoyer für den politischen Dialog geriet die Präsentation des Buches „Klassiker des europäischen Denkens“, das Herausgeber Winfried Böttcher in der Domsingschule einem breiteren Publikum vorstellte.

Auf rund 800 Seiten vereint der Band die Friedens- und Europavorstellungen von über 100 herausragenden Persönlichkeiten aus über 700 Jahren europäischer Kulturgeschichte. „Das Buch ist ein Meisterwerk und eine Lebensarbeit“, sagte der niederländische Europa-Politiker René van der Linden, bevor er in seinen Diskurs zur Europapolitik einstieg. „Europa ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte er und verwies auf das deutsch-französische Verhältnis, das sich wie eine rote Linie durch das präsentierte Buch ziehe. Den Europa-Skeptikern hielt er entgegen: „Nicht die Allmacht Europas ist das Problem, sondern seine Ohnmacht.“

Kalter Krieg

Mit dem Konflikt in der Ukraine kämen auch die Gefühle des Kalten Krieges zurück, fuhr er fort. Um die Stabilität in der Ukraine zu gewährleisten, sei eine Partnerschaft mit Russland unerlässlich. Van den Linden forderte eine Politik des Dialogs und nicht der Sanktionen. Dass Europa nach dem und Zweiten Weltkrieg zu einer Union zusammengefunden hat, hält er für einen großen Erfolg. Und er forderte: „Wir brauchen mehr Europa.“

Der Leser der „Klassiker des europäischen Denkens“ trifft auf Texte renommierter Philosophen, Historiker, Kultur- und Sprachwissenschaftler sowie auf Beiträge der bekennenden Europäer Jean Claude Junker und Martin Schulz. Auch Aachens früherer Oberbürgermeister Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums, hat einen Text über Johannes Paul II. verfasst.

Das Buch beginnt mit dem „Europäischen Erbe“, beschreitet die Wege durch die verschiedenen Etappen der Geschichte und fragt zum Schluss: „Quo vadis, Europa?“ Historische Personen wie Stalin und Hitler haben keinen Platz gefunden in dem Band. Sie seien keine Klassiker des europäischen Denkens und kämen deshalb in dem Buch auch nicht vor, meinte Winfried Böttcher. Der emeritierte Professor hat es herausgegeben, weil er in seiner Zeit als Hochschullehrer ein solches Werk vermisst hat: ein Buch, in dem man sich über die Menschen informieren kann, die unser Denken in Europa bestimmt haben.

Kultur einbeziehen

„Wie und was wir heute geworden sind, verdanken wir einem mehr als 3000-jährigem Ringen der europäischen Völker um Frieden“, sagte Böttcher und forderte, unbedingt die Kultur in das Denken über die Zukunft Europas einzubeziehen. „So wichtig die institutionellen, ökonomischen und vor allem sozialen Potenzen für eine Europäisierung unserer Gesellschaft auch sind, sie wird scheitern, wenn wir nicht die Kultur in das Denken über die Zukunft Europas einbeziehen“, so Böttcher.

Im Mittelpunkt des Abends stand aber auch immer wieder der Konflikt in der Ukraine. „Wir brauchen eine Überwindung der Polarisierung zwischen Russland und dem Westen“, sagte Böttcher. Auch er machte sich stark für einen Dialog, der die Übereinstimmung sucht, und forderte schließlich: „Wir brauchen eine zweite Ostpolitik, eine neue Vorstellung von Gesamteuropa, die zunächst eine kulturelle ist.“

 

 

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