Ein Parkpflegewerk für den Stadtpark Aachen

Von: Werner Czempas
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Die Iserlohner Landschaftsarchitektin Ina Bimberg öffnete den Aachener Umweltpolitikern mit ihrem Zwischenbericht die Augen für den Wert des Stadtparks. Foto: Harald Krömer
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Die Iserlohner Landschaftsarchitektin Ina Bimberg öffnete den Aachener Umweltpolitikern mit ihrem Zwischenbericht die Augen für den Wert des Stadtparks. Foto: Harald Krömer
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Die Iserlohner Landschaftsarchitektin Ina Bimberg öffnete den Aachener Umweltpolitikern mit ihrem Zwischenbericht die Augen für den Wert des Stadtparks. Foto: Harald Krömer

Aachen. Viele Aachener schätzen und lieben ihn. Es gibt aber auch Zeitgenossen, die kennen ihn nur oberflächlich oder gar nicht. Eine Fachfrau aus Iserlohn redet Klartext über ihn: „Der Stadtpark Aachen wird unter Wert verkauft.“ Die Dame weiß, wovon sie spricht: Ina Bimberg zählt zu den renommiertesten Landschaftsarchitektinnen.

Die Landesvorsitzende des BDLA (Bund Deutscher Landschaftsarchitekten) gab im Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz einen Zwischenbericht über die Arbeit ihres Büros am „Parkpflegewerk für den Stadtpark Aachen“. Anderthalb Jahre beäugten die Iserlohner bei zahlreichen Besuchen im 2,3 Hektar großen Areal zwischen Monheimsallee, Krefelder Straße, Robensstraße, Passstraße und Rolandstraße jeden Baum und jedes Gebüsch, jede Blume und jeden Hügel, jeden Weg und jedes Denkmal.

Sie kartierten die Bestände und erforschten die spannende Historie des Parks. Sie sprachen mit Besuchern und Anliegern. Nach all dem schwärmte im Umweltausschuss Ina Bimberg, Lehrbeauftragte an der FH Dortmund, Gestaltungsbeirätin in Münster, Wuppertal, Dortmund und arbeitend an einem „Parkpflegewerk“ auch für Düsseldorf, zu Vergleichen also hinlänglich in der Lage und befugt: „Sie haben hier in Aachen einen sehr, sehr schönen Park. Wir arbeiten gerne hier.“

Warum der ganze Aufwand für ein „Parkpflegewerk“? Das Parkpflegewerk für den Stadtpark gehört zu den Förderprojekten des Innenstadtkonzepts 2022. Wegen seiner kultur- und gartengeschichtlichen Bedeutung steht der Stadtpark seit 1995 als Gartendenkmal unter Denkmalschutz. 1853 schon wurde mit der Anlage begonnen. Seither ist der Park verbunden mit einem der berühmtesten Namen deutscher Gartenbaukunst, mit Peter Joseph Lenné, Generaldirektor der Königlich Preußischen Gärten. Nach seinem Entwurf wurde zunächst ein Krankenhausgarten angelegt für das damalige Mariahilfspital, das einmal dort stand, wo seit 1916 das Neue Kurhaus steht. Das große Wasserbecken davor zeugt noch von jener Zeit.

Der Park wandelte sich zum Kurpark inklusive Musikpavillon – „eine schöne, repräsentative Anlage von Bad Aachen für vornehme Kurgäste“, so Ina Bimberg. Ab 1925 kam der Farwickpark hinzu, es war die Idee des Volksparks. Nach 1945 wurde der ehemalige evangelische Friedhof Güldenplan eingefügt.

Im Lauf der vielen Jahrzehnte und der beiden Weltkriege gingen die historischen Strukturen der verschiedenen Parklandschaften immer mehr verloren. Das „Parkpflegewerk“ will also ein „denkmalpflegerisches Leitbild“ entwerfen. Der Stadtpark soll aufgewertet und noch schöner werden. „Die Bevölkerung schätzt den Park sehr, von Kindergärten bis zu Seniorenheimen wird er vielfältig genutzt, er erfreut sich großer Beliebtheit“, erfuhren die Iserlohner Gartenkünstler in vielen Gesprächen.

In einer öffentlichen Veranstaltung habe es im Vergleich zu anderen Städten „nur moderate Kritik“ am Park gegeben: schlechter Zustand der Wege und Bänke, fehlende Beleuchtung, zu wenig Abfallkörbe, mangelnde Sauberkeit, manche Flecken zu sehr Hundeauslauf mit dessen Hinterlassenschaften, mangelnde Sicherheit, auch Drogenkonsum mit den vielfältigen Problemen. Auf dem Wunschzettel der Bürger stand obenan: öffentliches WC, mehr kulturelle Veranstaltungen, ein Open-Air-Kino, ein Biergarten.

„Wir sollten die schönen Überbleibsel wieder herausheben, es sind bedeutende Zeugnisse“, empfiehlt Ina Bimberg. Bei den Wegen sei in der Tat „nicht alles zum Besten“, es herrsche Handlungsbedarf, Steinfassungen seien stark beschädigt. Äußerst problematisch seien die Parkzugänge, ursprünglich einmal sehr repräsentativ, heute versteckt und für Fremde nur schwer zu entdecken, vielfach als Müllabladeplatz missbraucht.

Vom Wingertsberg, mit 193 Metern Höhe nach dem Lousberg mit seinen 264 und dem Salvatorberg mit 229 Metern der kleinste der drei Aachener „Hausberge“, schwärmte Ina Bimberg: „Ein wunderbarer Hügel mit einer wunderbaren Sicht auf Aachen, derzeit ist er leider zugewachsen. Wir empfehlen, ihn freizumachen und ihn wieder in den Park einzugliedern.“

Die ökologische Vielfalt im Park solle verbessert, der Rosengarten neu bepflanzt und ein Staudenweg angelegt werden. Der „gärtnerische Reichtum“ des Parks sei aufzuwerten. Überlegenswert sei, ein Info-Leitsystem so zu installieren, dass es Parkbesucher über den Baumbestand informiere.

Doch bei solchen Umsetzungen, bei konkreten Maßnahmen als der letzten Stufe des „Parkpflegewerks“ ist das Bimberg-Team noch nicht angelangt. Das Maßnahmenkonzept steht noch aus. Der Umweltausschuss sollte im Zwischenbericht über den Stand der Dinge unterrichtet werden. „Ende des Jahres, Anfang des nächsten werden wir etwas vorlegen können.

Viele Maßnahmen werden über mehrere Jahre verteilt werden müssen“, ergänzte Elmar Wiezorek, der Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt. Vom Inhalt und der feinen Art des Vortrags waren die Politiker sehr angetan. Ferdinand Corsten (CDU) fasste den allseitigen Dank für Ina Bimberg und ihr Team zusammen: „Ihre Studie hat uns die Augen noch einmal dafür geöffnet, dass wir mit dem Stadtpark ein wirkliches Juwel in unserer Stadt haben.“

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