Ein Ort für Tränen, die sonst nicht geweint werden

Von: Martina Stöhr
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An drei neuen Stelen können jetzt Eltern ihrer früh verstorbenen Kinder gedenken. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Sie suchten einen Ort zum Trauern, und auf dem Westfriedhof I haben sie ihn gefunden. Auf Initiative des Vereins „Verwaiste Eltern” wurde dort vor sieben Jahren eine Gedenkstätte für früh verstorbene, fehl- und totgeborene Kinder eingerichtet.

Nachdem die ersten vier Stelen mit den Namen viel zu früh verstorbener Kinder gefüllt sind, wurde die Gedenkstätte nun um weitere drei Stelen erweitert, die jetzt mit Segen, Musik und bewegenden Worten eingeweiht wurden.

Rund 60 Mütter, Väter, Kinder und Verwandte hatten sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem Westfriedhof eingefunden, um der feierlichen Zeremonie beizuwohnen. „Hier werden Tränen geweint, die sonst nicht geweint werden können”, sagte Gerda Palm, die den Eltern als Trauerbegleiterin zur Seite steht. Sie und andere Betroffene hatten sich nicht damit abfinden wollen, dass ihren früh verstorbenen Kindern „kein Grab vergönnt ist”.

„Ich kann mir Weihnachten ohne einen Besuch auf dem Friedhof nicht vorstellen”, erzählte eine Mutter unter Tränen. Sie nehme die weite Anfahrt aus Heinsberg in Kauf, um sich ihrem verstorbenen Kind gerade an den Festtagen nah zu fühlen. Und auch wenn viele nur wenig Verständnis für die nicht enden wollende Trauer der Eltern hätten, so bräuchten auch sie einen Ort der Erinnerung und Besinnung, meinen die Betroffenen. Den finden sie rund um eine Skulptur, die die enge Verbindung zwischen Mutter und Kind symbolisieren soll. Die sieben Steinsäulen, die Stelen, bieten dort Platz für die Namen all der Kinder, von denen die Eltern „Abschied nehmen mussten, ohne sie überhaupt kennengelernt zu haben”.

„Die Stelen sind wie ein Baukastenspiel aus Stein”, erläuterte Steinmetz Andreas Rademacher, der die Säulen entworfen und dem Verein dann gespendet hat. In die Einfräsungen der Stelen werden Steine mit den Namen der verstorbenen Kinder eingesetzt. Auf dem ein oder anderen findet sich ein kleines Spielzeug, das die Geschwisterkinder dort als Andenken zurück gelassen haben.

Drei neue Steine fanden während der Zeremonie Platz in den neuen Säulen. Und die Besucher schmückten die Gedenkstätte mit Rosen, die sie am Eingang des Friedhofes in Empfang genommen hatten. Er habe Hochachtung vor den Eltern, denen ein solch schweres Schicksal widerfahren sei, sagte Friedhofsverwalter Erwin Hendriks. Sein Dank galt all jenen, die die Gedenkstätte initiiert haben.

„Die Trauer mag verblassen, bricht dann aber ganz unerwartet immer wieder auf,” sagte eine Mutter. Sie und die anderen Betroffenen sind dankbar, Trost an der Gedenkstätte auf dem Westfriedhof zu finden.

Eine neue Trauergruppe für früh verwaiste Eltern beginnt am 18. Mai im Gemeindezentrum Philipp Neri, Philipp-Neri-Weg 7. Info und Anmeldung unter ? 0241/ 76688.
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