Aachen - Ein neuer Anfang mit einer Schule plus Zweigstelle

Ein neuer Anfang mit einer Schule plus Zweigstelle

Von: Margot Gasper
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Neue Zukunft für das Schulgebäude an der Sonnenscheinstraße in Forst: Die Schule Am Rödgerbach ist ab Sommer die einzige städtische Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wie macht man aus vier Schulen eine einzige? Mit einer Umstrukturierung dieses Kalibers hat auch die Bezirksregierung nicht alle Tage zu tun. Dabei ist die Behörde als obere Schulaufsicht für 1397 öffentliche Schulen und fast 42.000 Lehrerinnen und Lehrer im Regierungsbezirk Köln zuständig.

Wenn nach den Sommerferien am 4. September die Schule wieder losgeht, dann sind drei Förderschulen aus der Aachener Schullandschaft verschwunden. Wie berichtet, werden drei der vier städtischen Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen zum Schuljahresende aufgelöst. Ab Sommer gibt es nur noch die Lern-Förderschule Am Rödgerbach (Sonnenscheinstraße) – zunächst noch mit einer „Zweigstelle“ in der Beginenstraße. Geschlossen werden die Schulen Am Kennedypark und Kurbrunnenstraße und in absehbarer Zeit dann auch die Schule Beginenstraße.

Im November 2012 fasste der Stadtrat den Beschluss, in gut fünf Monaten müssen Fakten geschaffen sein. Und bis dahin ist noch viel zu regeln – in den Schulen, bei der Stadt als Schulträger, bei der unteren Schulaufsicht und bei der Bezirksregierung. „Die Schließung von gleich drei Förderschulen ist auch für uns etwas Besonderes“, sagt Gertrud Bergkemper-Marks, Abteilungsdirektorin Schule bei der Bezirksregierung.

Als etwas Besonderes hat man in Köln indes auch wahrgenommen, wie die Entscheidung für nur einen Standort zustandekam: mit einer Schulentwicklungswerkstatt, in der Betroffene und Beteiligte das Für und Wider verschiedener Varianten diskutierten und eine Lösung erarbeiteten, der sich die Politik anschloss. Einen „Glücksfall“ nennt Bergkemper-Marks diesen Weg der Entscheidungsfindung, durchaus mit Vorbildcharakter für andere Kommunen, in denen ähnlich tiefgreifende Umwälzungen anstehen.

Wie der Neustart am Rödgerbach vorbereitet wird, erläuterten Vertreter der Schulabteilung bei der Bezirksregierung gemeinsam mit Schulrat Norbert Greuel im „Nachrichten“-Gespräch.

Die Schüler

Die „neue“ Schule Am Rödgerbach wird eine Schulleitung haben und ein Kollegium, aber zunächst noch zwei Standorte. Im April wird feststehen, wie viele Kinder angemeldet sind. Aktuell rechnen die Planer mit rund 250 Schülern. Deshalb wird die Schule Beginenstraße zunächst noch als Teilstandort benötigt. Da aber weiter sinkende Schülerzahlen zu erwarten sind, geht Greuel davon aus, dass das Schulgebäude Beginenstraße in absehbarer Zeit nicht mehr gebraucht wird, „in spätestens drei Jahren“, schätzt der Schulrat.

Spätestens drei Monate vor Schuljahresbeginn sollen alle Eltern definitiv wissen, wo ihr Kind ab September zur Schule geht – am Rödgerbach oder in der Beginenstraße. „Die Eltern können einen Standortwunsch äußern“, erklärt Greuel. Wo das Kind letztlich unterrichtet wird, hänge aber von der Zusammensetzung der Lerngruppen ab.

Die Lehrer

Für 250 Schüler werden etwa 27 Lehrerstellen benötigt. „Und die Lehrerversorgung wird sichergestellt sein“, betont Bergkemper-Marks, „die fachliche Versorgung der Kinder steht an erster Stelle.“ Wie es aussieht, sind der Bedarf und die Wünsche der Lehrer auch ganz gut unter einen Hut zu bringen. Eine Abfrage in den Kollegien der vier Schulen hat ergeben, dass etwa die benötigte Zahl an Pädagogen künftig gerne am Rödgerbach arbeiten möchte. Andere wollen sich lieber versetzen lassen oder im Gemeinsamen Unterricht (GU) an einer allgemeinen Schule arbeiten. „Wir werden fast alle Einsatzwünsche erfüllen können“, erwartet Greuel, „wenn auch nicht für jeden einzelnen.“

Die Schulleitung

Die Leitung der Schule Am Rödgerbach liegt auch künftig in den Händen der bisherigen Rektorin Rita Stiller. Sie wird die Schule samt Teilstandort zusammen mit Konrektorin Catherina Engel-Johannsen führen. Das Leitungspersonal der übrigen drei Schulen ist ab Sommer ebenfalls versorgt „Mit Blick auf anstehende Veränderungen haben wir an Schulen im Aachener Raum frei werdende Leitungsstellen freigehalten“, erklärt Michael Odebrecht vom Dezernat für Personal- und Stellenplanangelegenheiten.

Der Schulträger

Wie jede Neugründung muss auch jede Schulschließung bei der Bezirksregierung beantragt werden. „Die Genehmigung für die Schließung der drei Schulen haben die Aachener bereits Anfang Januar erhalten“, so Peter Marx, bei der Bezirksregierung zuständig für Schulrecht, Schulentwicklung und Genehmigungsverfahren.

Bis Anfang September ist vor Ort noch viel zu entscheiden – bis hin zur Frage, wann die Umzugskisten parat stehen müssen. Aber nicht nur in Köln, auch in Aachen ist man aber zuversichtlich: Bis September ist alles geschafft.

Die Ganztagsschule

Dass die Schulentwicklungswerkstatt letztlich für den Standort Rödgerbach votierte, hat neben der Kapazität, die das Schulgebäude bietet, auch viel mit Wahlmöglichkeiten für die Eltern zu tun. Der lange favorisierte Standort Kennedypark hat ein verpflichtendes Ganztagsangebot für alle Kinder. Diesen gebundenen Ganztag wollte man den Eltern aber nicht aufzwingen. Fest steht nun: Wer eine Nachmittagsbetreuung in der Offenen Ganztagsschule am Rödgerbach braucht, bekommt auf jeden Fall einen Platz. Und für Kinder, die bisher am Kennedypark lernen, stellt die Stadt diesen OGS-Platz sogar kostenfrei zur Verfügung.

Gleichwohl favorisieren sowohl untere wie obere Schulaufsicht auch für den Rödgerbach den Weg in den gebundenen Ganztag. Entscheiden werden das aber die Gremien der Schule. Der Antrag wäre dann wieder an die Bezirksregierung zu richten. „Und wir würden uns sehr dafür einsetzen, dass diese Schule zum Zuge kommt“, verspricht Peter Marx.

Schulleiterin Rita Stiller geht mit Optimismus an die neuen Aufgaben. „Das sind Herausforderungen, die wir gerne annehmen. Und wir werden auf diesem Weg von allen Seiten sehr unterstützt.“

Nach den Osterferien will sie alle Kinder und deren Eltern an die Sonnenscheinstraße einladen. „Damit die Schüler das Kollegium und die Räume kennenlernen. Dann ist der Neustart nach den Ferien nicht so schwer.“ Mit der neuen Schülerzahl könne der Unterricht passgenauer gestaltet werden, so Stiller. „Wir werden sehr intensiv mit Projekten arbeiten.“ Ein Thema fürs neue Schuljahr steht schon fest: „Wir werden eins.“

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