Ein Möpp als Preis für einen dicken Fehler

Von: Werner Czempas
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Aachen. Kaum haben die Wählerinnen und Wähler die neue herrschende Farbenlehre im Aachener Rathaus, die schwarz-grüne, verblüfft zur Kenntnis genommen, da ist der mit Hilfe der CDU frisch inthronisierte grüne Bezirksvorsteher Achim Ferrari in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte auch schon auf den Hund gekommen.

Es kam so: Noch vor Eintritt in die Tagesordnung der jüngsten Sitzung gab sich der Herr Bezirksvorsteher selbst das Wort und kündete von einem „ziemlichen Lapsus der Verwaltung. Die habe zur Sitzung „alle möglichen Leute” eingeladen, nur die entscheidenden, die Bezirksvertreter, eben nicht.

Die Ahnungslosen seien erst zwei Tage zuvor in den Besitz der Einladung und notwendigen Unterlagen gekommen. Die waren immerhin ungewöhnliche 29 Tagesordnungspunkte stramm und gefühlte zwei Kilo schwer.

Ohne die Unterlagen ausreichend studiert zu haben, das leuchtet auch dem Polit-Laien ein, kann auch der Klügste nichts entscheiden.

In der ihm eigenen Art brummel-brabbelte Achim Ferrari fortan, der Fehler der Verwaltung sei geradezu „preiswürdig”. Er sei „ein dicker Hund”. Bei diesem Stichwort verzog sich die Mimik des Tadelnden zu breitem Schalk - und flugs zauberte er unterm Tisch hervor einen kleinen weiß-braunen Hund. Einen Mischling, Richtung Terrier.

Gott bewahre, keinen echten, das Kerlchen war aus Plüsch. Mit seinen Knopfaugen blickte es freundlich den stadtamtlichen Geschäftsführer der Bezirksvertretung Dupont an.

Ihm, stellvertretend für die Behörde, überreichte Ferrari den Stoff-Möpp und verlas auch eine Urkunde zum Preis „Der dicke Hund - vergeben für eine besonders dicke Verwaltungspanne”.

Was blieb Gerd Dupont anderes übrig als tapfer zu lächeln. Und zu erklären, wie es „zum dicken Hund” habe kommen können. Irgendeine städtische Spezialabteilung geht wohl der Aufgabe nach, die Briefkästen und sonstigen Fächer der Volksvertreter mit Sitzungsunterlagen zu füttern.

Was in diesem „einmaligen Fall” (Dupont) leider nicht korrekt funktioniert hat, weil die Schweinegrippe den zuständigen Sachbearbeiter lahmgelegt und somit seine Restkollegen erstens verwirrt und zweitens arbeitsmäßig mächtig unter Druck gesetzt hat. Dupont, selbst unschuldig am Geschehen, entschuldigte sich „in aller Form” - und knuffelte seinen neuen Freund, den dicken Hund.

Das liegt aber nicht an den neuen Freunden der CDU.

Nun gut, was soll´s, mag der Außenstehende achselzuckend grübeln, dabei nicht die weitreichenden verheerenden Folgen der Panne bedenkend: Ohne ordnungsgemäße Ladung keine Sitzung der Bezirksvertretung, ohne Sitzung keine weitere Beratung der Themen in den Fachausschüssen des Stadtrats und ohne Fachausschüsse nix los im Rat etwa zum RWTH-Campus Melaten. Schlamassel ohne Ende.

Verkürzte Ladungsfrist

„Wir wären in Teufels Küche gekommenÓ, sagte Gerd Dupont - und bedankte sich artig bei den Mitte-Politikern, die laut Satzung mögliche und von Ferrari deshalb auch erklärte „verkürzte LadungsfristÓ einstimmig zu akzeptieren.

Die Sitzung konnte beginnen. Ordnungsgemäß. Von den 29 Punkten auf der Tagesordnung setzten die Mitte-Streiter aber gleich einmal neun als nicht so drängend und dringend wieder ab. Weitere neun wurden tags darauf im Verkehrsausschuss nicht nur beraten, sondern sogar entschieden.
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