Ein letztes Jahr für die Melatener Brücke

Von: Wolfgang Schumacher
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Das Loch am rückwärtigen Ende der Brücke Melatener Straße wird wieder zugeschüttet und das Bauwerk an die neue Überquerung angeschlossen. Doch bereits 2014 wird dann die alte Brücke abgerissen, weil sie von Rost zerfressen ist. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Gegenwärtig ist das Brückenbauwerk am Ende der Melatener Straße noch eine merkwürdige Falle für Fahrradfahrer. Denn am Ende reißt die Fahrbahndecke plötzlich ab und es tut sich ein Bauloch auf, daneben führen nur noch steile Stufen hinunter zur Forckenbeckstraße ins Hochschulgebiet des neuen Campus West.

Da haben Biker keine Chance, da heißt es absteigen. Das tun auch manche Radfahrer, lassen ihren Drahtesel einfach stehen, sichern ihn am Geländer der alten Brücke. Wo jetzt ein Erdloch gähnt, sollte es eigentlich schon lange für Fußgänger wie Radfahrer weitergehen.

Nun gibt es in Sachen Brückenbauwerk, das über den vierspurigen Pariser Ring führt, eine gute und eine schlechte Nachricht; welche man zuerst hören möchte, darüber gibt es zumeist verschiedene Auffassungen. Die gute der beiden verkündete der Aachener Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB), der das nebenstehende Parkhaus, für das die Brückenauffahrt weggebaggert werden musste, erbaut hat.

Die stellvertretende BLB-Leiterin Ute Willems gab auf Nachfrage an, man werde von Seiten des BLB „bis etwa Ende Oktober“ das Loch wieder füllen und die alte Brücke aus den 1970er Jahren an die neue Überführung über die Forckenbeckstraße anschließen. Damit wäre der Weg für Fußgänger und Radfahrer wieder ohne jedes Treppenbauwerk von der Hörn in den Bereich Campus Melaten frei. Das heißt auch gleichzeitig weiterführend in die Spaziergängergebiete bei Siebenquellen und am Schneeberg – ein schöner Gedanke für die Bürger auf der Hörn.

Doch die Freude wird nicht lange währen. Denn einen Strich durch die Rechnung macht ein weiterer Landesbetrieb mit Namen „Straßen NRW“. Das tun die inzwischen von Aachen nach Euskirchen ausgelagerten Straßenbauer nicht aus purem Übermut. Ihre Ingenieure stellten bei Untersuchungen des Materials fest, dass „die in der Brückenkonstruktion verbauten Stähle von Korrosion erheblich beeinträchtigt sind“, bestätigte der stellvertretende Niederlassungsleiter Matthias Bächler den „Nachrichten“ auf Anfrage. Also: Die Brücke ist in ihrer Konstruktion inzwischen völlig verrostet. „Die Brücke muss abgerissen werden“, erklärte Bächler daher trocken, da gebe es kein Vertun. Durch die bereits länger andauernde Schließung des Bauwerks für den Autoverkehr – es ist anscheinend ähnlich wie bei der Leverkusener Autobahnbrücke – sei sie entlastet worden.

Befürchtungen, die verrostete Brücke halte aktuell nicht mehr, seien überzogen. Die Stadt Aachen, der BLB und Straßen NRW müssten sich in näherer Zukunft zu Gesprächen zusammenfinden, um den Neubau und den bevorstehenden Abriss zu klären. „Der ist vorgesehen für das Jahr 2014“, erklärte Bächler und schränkte sofort ein, dass natürlich die vorgesehenen Haushaltsmittel dann auch fließen müssen.

Ratsherr Bruynswyck und die Hörner können sich mithin eventuell auf eine einjährige Übergangslösung freuen, bevor die Bagger das marode Bauwerk entfernen und eine wie immer geartete neue Überquerung des Pariser Rings an dieser zentralen Stelle des Gebietes entstehen könnte. Wie lange das dann wieder dauern wird, steht in den Sternen. Die Geschichte hat etwas von Kishons berühmter Satire „Blaumilchkanal“, von dem auch niemand wusste, warum er gebuddelt wurde. Denn bei vernünftiger Koordination hätten die Planer eigentlich alles in einem Rutsch fertigstellen können, findet auch Ratsherr Bruynswyck. Er bemängelt nachdrücklich die schlechte Informationspolitik der beteiligten Behörden.

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