Aachen - Ein Koch, Betrügereien und die Liebe zum Auto

Ein Koch, Betrügereien und die Liebe zum Auto

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Gefangen, jedoch keineswegs in goldenen Ketten, ist der heute 57-jährige Verurteilte, geboren in Duisburg und seit längerem Wohnsitz nehmend in der Aachener Soers, dort in Haus 1 der Haftanstalt.

Zahlreich sind die Vergehen jenes freundlichen Mannes mit Sicherungsverwahrung, mit der ihn die Gesellschaft auf unbestimmte Zeit von sich fern hält - zum Schutze derselben.

Betrug, Urkundenfälschung, Diebstahl sowie fortgesetztes Fahrens ohne Fahrerlaubnis stehen auf seiner kriminellen Agenda. Der gelernte Koch der klassischen französischen Schule, der noch Mitte dieses Jahrzehnts als Freigänger-Knacki sogar in einem Sterne-Restaurant Anstellung fand, hat einen, so kann man sagen, „Tick”.

Kaum ist er draußen, hält er sich nicht mehr an die Spielregeln. Vor allem das Autofahren hat´s ihm angetan. Da ihm der „Lappen” fehlt, führte die Lust auf das Automobil desöfteren zu Rückfällen, ebenso wie manche unnötige Diebstähle, begangen etwa in den Jahren 2005 und 2007.

Bewährungsversager haben es schwer bei Haftprüfungen - das Justizsystem lässt sich nicht gerne veräppeln, da ist es völlig humorlos. Doch der „auskunftsbereite und freundliche”, so ein Gutachten, Verurteilte hat neue Fürsprecher bekommen.

Denn er habe schließlich keine Kronjuwelen geklaut, oder gar brutal gemordet, auch ein unverbesserlicher Sittenstrolch sei er nicht, meinen der ehemalige Personalratsvorsitzende des Studentenwerks, Manfred Engelhardt, und die stellvertretende Vorsitzende des Anstaltsbeirates, Gerda Forsch-Fücker.

Deshalb wollen sie vor dem nächsten Prüftermin der Strafvollstreckungskammerim Juni öffentlich auf den Sinneswandel des Häftlings aufmerksam machen.

Im März erkrankte der Gefangene schwer, kam ins Klinikum, wurde dort operiert und ist jetzt wieder auf dem Weg der Besserung.

„Völlig verändert”

„Das hat ihn völlig verändert”, meinte Engelhardt, der ihm als ehemaliger Koch eine Stelle verschaffte: „Er muss sie bloß in den kommenden zwei Monaten antreten”.

Das wird nicht so einfach sein, da das Erziehungsmittel der Sicherungsverwahrung es möglich macht, einen Gefangenen so lange hinter Gittern zu lassen, bis seine Sozialprognose eine Gefahr für die Mitmenschen gering erscheinen lässt.

Auch das sehe jetzt gut aus, meinte Gerda Forsch-Fücker. Sie führte an, dass der Gefangene eine Therapie „erfolgreich” absolviert habe und inzwischen den Ernst des Lebens begriffen habe.

„Manche müssen ein einige Male mit der Nase durch den Dreck”, bemühte der Ratskandidat der „Linken” ein gängiges Bild, Engelhardt: „Ich verbürge mich für ihn.”

Vor allem sei der Häftling jetzt noch in einem Alter, in dem er wieder Fuß in seinem Beruf - dem Kochen - fassen könne. „Mit 60 geht das nicht mehr”, befürchtet Engelhardt. Im Hafthaus 1 ist der Gefangene momentan der Sprecher, zeigt also soziales Engagement.

Und als Koch bereitet er in der Häftlingsküche die Speisen zu, da wird sich aber ein anderer finden. In guten Restaurants brauche man gute Köche, sagt Engelhardt. Und der Betreiber, den er kenne, wolle den Gefangenen sofort beschäftigen. Im Strafvollzug, mahnte der Gewerkschafter, gehe schließlich eine mögliche Resozialisierung vor. Und auch die Vertreterin des Anstaltsbeirates versicherte, ihn sofort in einem Wohnprojekt unterbringen zu können.

„Ein Mann steckt im Teufelskreis”, titelte 2005 bereits eine Lokalzeitung über die Zwänge der Sicherungsverwahrung, der Gefangene saß damals in Werl bei Arnsberg. Der Teufelskreis könnte jetzt endlich durchbrochen werden, denn der Platz im Knast ist knapp und wird eigentlich für die wirklich „schweren Jungs” gebraucht.
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