Fluch der Karibik Freisteller Kino Jack Sparrow

Ein Karlspreisträger ganz ohne Allüren

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
14621519.jpg
Vorfreude auf die Verleihung (v.l.): Jürgen Linden, Matthias Hindemith (Mercedes-Benz), Bernd Vincken (Geschäftsführer Karlspreis-Stiftung), OB Marcel Philipp und Claudia Wellen (Protokollchefin). Foto: A. Herrmann

Aachen. Alles gleich. Und doch alles anders. Zumindest ein bisschen. Geht es um den Internationalen Karlspreis zu Aachen, dann steht die Festfolge wie ein Fels in der Brandung. Daran hat sich nichts geändert: Eingangsmusik, Begrüßung, Ansprache, Überreichung, Karlshymne, Rede des Preisträgers und so weiter.

Der Preisträger ist – keine Überraschung – ein anderer als im vergangenen Jahr. Der Zeitpunkt seiner Ankunft in Aachen ebenfalls. Der britische Professor für Europäische Studien an der Universität Oxford, Timothy Garton Ash, trifft gemeinsam mit seiner Frau früher ein, als alle seine Vorgänger. Am Mittwoch wird er deshalb bereits vormittags am Karlspreis-Europa-Forum teilnehmen und unter dem Titel „Die Welt im Umbruch“ über eine „Schmerzhafte Kursbestimmung für die EU“ plaudern.

„Wir haben den Preisträger bisher als sehr unkompliziert erlebt“, antwortet Oberbürgermeister Marcel Philipp auf die Frage, ob die Edelfisch-Trilogie, die 2017 zum Karlspreis-Empfang als Hauptgang serviert wird, Garton Ashs Wunsch war. „Das wird in seinem Sinne sein.“ Ebenso wie die Eingangsmusik – das Sinfonieorchester spielt Mozart –, die sich Garton Ash ausdrücklich gewünscht haben soll. „Sehr, sehr froh“ sind Karlspreisdirektorium und Oberbürgermeister Philipp darüber, dass wenig später Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei einem seiner ersten großen Auftritte im Rahmen der Karlspreisverleihung sprechen wird. Zum Dinner am Vorabend der Verleihung übernimmt das Donald Tusk, Präsident des Europäischen Rates. Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, sagt, Tusk und Garton Ash verbinde eine persönliche Freundschaft, die sich nach ihrem Kennenlernen im Polen der 80er Jahre während der Solidarno-Bewegung entwickelt habe.

In den vergangenen Jahren stand die Verleihung des Karlspreises immer unter dem Eindruck der Krise.

Das hat auch Linden so empfunden. Dieses Mal sei es jedoch anders. Zwar sei die Krise noch nicht überwunden, aber es gebe deutliche Anzeichen dafür, dass sich vielerorts die Einsicht durchsetzt, „dass es zu dem europäischen Gemeinschaftsprojekt keine gescheite Alternative gibt.“ Allem voran die „Pulse of Europe“-Kundgebungen im ganzen Land, an denen Tausende teilnehmen, aber auch die pro-europäischen Demos in Polen und Ungarn stimmten ihn zuversichtlich, dass der Wind für Europa nach dem Brexit dreht.

Dafür stünden auch Gäste wie György Konrád, der den Mut fand, sich und seine Familie mit einem geharnischten offenen Brief an die Adresse Viktor Orbáns in Gefahr zu bringen. „Ich hoffe, dass der Karlspreis in diesem Jahr Europa feiert.“

Linden bedauerte, dass sich der Kreis politischer Würden- und Amtsträger, die ihr Kommen angekündigt haben, bisher auf den aktuellen Kreis beschränkt. Allerdings müsse bedacht werden, dass in Brüssel zeitgleich zur Karlspreisverleihung der Nato-Gipfel stattfindet, dessen Hauptakteur Donald Trump sei. Viele europäische Politiker hielten sich deshalb dort auf.

Was das Medieninteresse angeht, ist OB Philipp demgegenüber zufrieden. Knapp 60 Anfragen wegen Akkreditierung seien bei der Stadt bisher eingegangen, von Fernsehsendern aus dem In- und Ausland bis hin zu regionalen und überregionalen Zeitungen und Agenturen. „Es zeigt sich, dass die tiefgreifenden Botschaften, die Timothy Garton Ash hat, die Medien interessieren.“ Die Sicherheitsvorkehrungen gehören übrigens zu den Dingen, die im Großen und Ganzen unverändert bleiben und doch ein bisschen Anpassung erfahren mussten. In diesem Jahr wird es mobile Straßensperren geben. Lastwagen werden Zufahrtswege blockieren, die für Anschläge missbraucht werden könnten.

Und das Wetter? Zur Karlspreisverleihung wirds schön. Marcel Philipp: „Im Moment lassen wir es massiv regnen, damit es kommende Woche trocken bleibt.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert