Ein Investor will am Büchel nicht mehr mitziehen

Von: Werner Breuer und Sarah-Lena Gombert
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Zankapfel Rotlichtmeile: Die Bordelle in der Antoniusstraße passen nicht zum geplanten Wohnquartier rund um das alte Parkhaus am Büchel, findet Helmut Falter. Der Seniorchef der Mayersche Buchhandlung besitzt zwei Grundstücke im Bereich des geplanten Altstadtquartiers. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wäre er dabei gewesen, hätte Helmut Falter ordentlich Gegenwind gespürt. Doch der Seniorchef der Mayerschen Buchhandlung saß nicht im Planungsausschuss, als dort am Donnerstagabend über die weitere Entwicklung auch seiner Grundstücke im geplanten „Altstadtquartier Büchel“ debattiert wurde.

Dort gehe es womöglich nicht recht voran, argwöhnt eine breite Mehrheit der Politiker, weil Oberbürgermeister Marcel Philipp mit seinem Alleingang in Sachen Bordellverlegung wieder vom eingeschlagenen Kurs abweiche.

Falter hält diesen Kurs für falsch und die Bemühungen des OB um andere Standorte für das Sexgewerbe richtig. Aus seiner Sicht ist die Planung mit Wohnbebauung, Kindertagesstätte und Geschäften „unvereinbar mit dem angedachten Laufhaus“. Die jahrhundertealte Tradition der Bordelle in der Antoniusstraße rechtfertigt für ihn keinen Bestandsschutz. „Das mag historisch interessant sein, hat aber mit einer modernen Stadtentwicklung nichts gemein.“

Keine Blockade

Und bei dieser Entwicklung am Büchel will Falter jetzt nicht mehr mitziehen. „Unter den gegebenen Umständen werden wir zunächst nicht mitbauen“, kündigt er an. Das könnte zu Leerstellen im Plan führen, denn der Familie Falter gehört ein Grundstück an der Ecke Nikolausstraße/Antoniusstraße und ein weiteres oberhalb des Büchel-Parkhauses, hier soll dereinst eine neue Wegeverbindung durchs Altstadtquartier entstehen. Blockieren will Helmut Falter das nicht. Die nötigen Flächen werde er abgeben, verspricht der Unternehmer, auch werde er die Archäologen im Zuge der Umgestaltung auf seinen Grundstücken graben lassen. Doch unter den derzeitigen Voraussetzungen „werden wir keine Millionen investieren“.

Diese Voraussetzungen sind Falter seit langem bekannt, nach eigenem Bekunden hat er „das ganze Hin und Her Jahrzehnte begleitet“. Öffentlich geäußert habe er sich dazu bislang nicht, dennoch wüssten Politik und Verwaltung von seinen Vorbehalten gegen das geplante Laufhaus, in dem der Rotlicht-Betrieb der Anoniusstraße in verkleinerter Form fortgeführt werden soll. Es gebe viele schlechte Standorte für dieses Milieu, meint der Buchhändler, aber der jetzige Standort sei der schlechteste.

Mit Kritik am Puff in der Innenstadt hatte sich zuletzt auch Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach öffentlich zu Wort gemeldet. Damit und mit der Standortsuchaktion des OB ist die Debatte wieder entfacht worden, an der sich nun auch Helmut Falter beteiligt. Das diskrete Vorgehen des Oberbürgermeisters ist aus seiner Sicht verständlich. Würde jetzt schon öffentlich über mögliche Standorte diskutiert, gebe es sofort Gerede, meint Falter. Erst müsse vieles geklärt werden, bevor man mit Eigentümern oder Anwohnern darüber ins Gespräch trete.

Dass dadurch Verzögerungen auftreten könnten, hält Falter zwar für möglich, aber nicht dramatisch. Würde die jetzige Planung weitergeführt, stünde frühestens in fünf Jahren am Büchel das erste neue Haus. Und ehe das letzte der alten Bordelle schließe, schreibe man schon das Jahr 2028. „Durch die neue Standortsuche verzögert sich das Ganze vielleicht um zwei Jahre“, schätzt Falter, „das ist verkraftbar.“

Die Stadt hätte sich allerdings ziemlich „blamiert“, schimpfte Sozialdemokrat Claus Haase im Planungsausschuss, „wenn wir hier zu keinem Ergebnis kommen“. Das steht jedoch für Planungsdezernent Werner Wingenfeld nicht zu befürchten. Er sieht die Entwicklung weiterhin auf einem guten Weg, „wichtig ist, dass die Kontinuität gewahrt bleibt“.

Die werde auch nicht gestört durch die Standortsuche des Oberbürgermeisters, betonte Wingenfeld, die Verwaltung sei auch nicht mit der detaillierten Prüfung irgendwelcher Flächen von Philipps Liste befasst. Konkrete Standorte nannte er nicht und verwies – wie auch der OB zuvor gegenüber den „Nachrichten“ – darauf, dass eine Diskussion darüber derzeit keinen Sinn mache.

„Mehrheit hat entschieden“

„Ihre Auskunft befriedigt mich nicht“, konstatierte SPD-Planungspolitiker Norbert Plum. Und weil er das vorher schon geahnt hatte, zog Plum eine fertig formulierte Ratsanfrage aus der Tasche, mit der er formell Informationen darüber einfordert, welche Standorte schon geprüft worden seien, ob man bestimmte Flächen für geeignet hält, ob die Planungsverwaltung in die Prüfung einbezogen war und wie viel Arbeitszeit („in Minuten“) dabei schon verflossen ist.

In Minuten ist die Zeit wohl nicht mehr zu messen, die Aachens Kommunalpolitiker über die Aufwertung des Büchel-Quartiers beraten haben. Zuletzt gab es dann einen „fast einstimmigen Ratsbeschluss“, betonte CDU-Ratsherr Alexander Gilson. Seine Parteifreundin Gaby Breuer fühlte sich denn auch „überrumpelt“ vom Alleingang des OB. „Die Mehrheit hat entschieden.“ SPD-Mann Haase sieht die Stadt denn auch in der Pflicht, die gefassten Beschlüsse „verdammt nochmal umzusetzen“, zumal es auch keine neuen Argumente gebe.

„Alles war auf einem guten Weg“, befand Pirat Udo Pütz, nun müsse man am Ball bleiben. Marc Beus von der Linksfraktion bekundete ein „gewisses Unbehagen“. Aus seiner Sicht „tun der Oberbürgermeister und der Polizeipräsident alles, um das Beschlossene zu verzögern“.

Dass die Entwicklung am Büchel gebremst werden könnte bis zum Stillstand, befürchtet derweil Sozialdemokrat Norbert Plum. „Wir haben das anständig über die Bühne gebracht, aber jetzt wird es kaputtgeredet, und alles bleibt so, wie es ist.“

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