Ein Heimspiel für den Minister

Von: Georg Dünnwald und Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
voigtsberger_bu11
Die Ex und der Neue: Die frühere Bundesministerin Ulla Schmidt umarmt beim Aachener SPD-Fest auf dem Lousberg ihren Parteifreund, den Landesminister Harry Voigtsberger. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Herr Minister kommt per pedes zum Drehturm Belvedere auf den Lousberg. Arm in Arm mit Ehefrau Evi. Die Sozialdemokraten aus der Stadt und der Städteregion hatten eingeladen. „Lasst uns gemeinsam feiern”, forderte Unterbezirkschef Karl Schultheis die Gäste auf. Denn zu feiern gibt es genug.

Schließlich ist Harry Kurt Voigtsberger seit dem 15. Juli Superminister im Kabinett von Hannelore Kraft. Und lebt seit 40 Jahren im Aachener Beritt, zurzeit im belgischen Raeren, wie so viele Westzipfler. Trotzdem kann der Öcher, der im allgäuischen Hindelang vor 60 Jahren auf die Welt kam, seine bayerische Herkunft nicht ganz verbergen. Sie ist ihm anzuhören.

Küsschen links, Küsschen rechts - ein Treffen der Sozialdemokraten hat immer auch etwas von einem Familienfest. Und viel mehr haben Schultheis und Genossen auch nicht vor: „Lasst es Euch gut gehen, redet miteinander, frischt Erinnerungen auf”, fordert Schultheis, der bekanntlich für Aachen im Landtag sitzt und als Parlamentarier ja nun seinen Parteifreund, den Minister, kontrollieren muss. Von Voigtsberger wünscht er sich, dass der sich auch für Aachener Belange intensiv einsetzt.

Rund 100 Genossen sind eingeladen, etliche mehr sind am Samstagnachmittag auf dem Lousberg erschienen, um „ihren” Minister zu sehen, um ihm zu gratulieren. Bodenständig ist er geblieben. „Na, altes Haus, Du hast Dich ja gar nicht verändert”, begrüßt er einen alten Mitstreiter aus Juso-Zeiten. „Als es Jusos noch gab”, erinnert sich der Minister etwas wehmütig.

Damals, 1970, als er in den Ortsverein Aachen-Ost der SPD eintrat und automatisch Jungsozialist wurde, „hatten wir auf Unterbezirksversammlungen schnell mal 400 bis 500 junge Menschen im Saal”. Voigtsberger versichert, dass es ihm „gut tut, hier zu sein, bei Euch. Ich bin ein Familienmensch, ich habe es gern, wenn meine Frau und meine drei Söhne und deren Frauen um mich sind. Ich bin ein Familienmensch, und zur Familie gehört Ihr auch”, bekennt er.

Und das nimmt man ihm auch sofort ab. Voigtsberger will keine Extrawurst, brav wartet er, bis er an der Reihe ist, als die Grillwürstchen und die Nackensteaks fertig gegrillt sind.

Voigtsberger hat eine Menge Humor: „Hannelore Kraft rief mich an und fragte mich, ob ich Minister werden will. Ich antwortete, dass ich darüber noch mal schlafen müssen. Tu das, hat die Ministerpräsidentin gesagt, eine Stunde lang kannst Du darüber schlafen, dann muss ich es wissen.”

Was blieb dem wackeren Chef des Landschaftsverbandes Rheinland anderes übrig, als telefonisch die Erlaubnis von Ehefrau Evi einzuholen, um von nun an das Leben eines Superministers zu führen. „Die Abkürzung meines Ministeriums, übrigens das zweitgrößte, ist sehr kompliziert.” MWEBWV, das heißt Ministerium für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr, „ein Ministerium, dass viele Schnittstellen aufweist”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert