Aachen - Ein Heftpflaster hält den Riss zusammen

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Ein Heftpflaster hält den Riss zusammen

Von: Georg Dünnwald
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Restaurator Michael Heymann bei der Arbeit. Er legt letzte Hand an die Mosaik-Madonna an. In den rechten Arm muss der Kopf des kleinen Jesus montiert werden.

Aachen. Als im Jahr 803 die Erde bebte, bekam auch ein noch sehr junges Bauwerk was ab. Risse zogen sich durch das Oktogon, die Pfalzkapelle von Kaiser Karl. Risse, die sich quer durchs Gebäude ziehen und nach und nach breiter wurden.

Dadurch wurden die wertvollen und wunderschönen Mosaiken stark beschädigt. Die werden nun seit geraumer Zeit in mühevoller Kleinarbeit restauriert.

„Wir haben uns gefragt, wie der Riss jetzt nach mehr als 1200 Jahren von außen her stabilisierbar ist”, sagt Dombaumeister Helmut Maintz. Er hat sich deshalb mit Professor Michael Raupach vom RWTH-Institut für Bautechnik zusammengesetzt und beide haben ihre Köpfe rauchen lassen. „Wir haben immerhin einige Voraussetzungen für das benötigte Material gehabt”, erinnert sich Maintz. „Tja”, erzählt der Diplom-Ingenieur, „die Deckschicht für den Riss sollte im Mikrometerbereich dehnbar, nicht dicker als fünf bis sechs Zentimeter sein und auch noch 1000 Jahre halten”.

Nicht ganz einfach für den Professor und seine Kollegen, die nach eigenem Bekunden eigentlich nicht über Zeiträume von etwa 100 Jahren hinausdenken. Auch musste das Material stark genug sein, das Bleidach des Oktogon tragen zu können. Stahlbeton war die Rissverfüllung nicht zu verwenden, „dann hätten sich neue Risse gebildet”, weiß Maintz. „Also kamen wir auf die Idee, Karbontextil mit Mörtel zu verbinden, also eine Art Pflaster aus Textilbeton zu entwickeln, die die Risse zusammenhalten und abdichten”, erklärt Raupach. Im Institut wurde experimentiert. Schließlich musste das „Pflaster” auch erdbebenbeständig ausfallen. Denn die Seismographen, die überall in der Kirche des großen Kaisers installiert sind, messen jederzeit Erdbewegungen. Endlich war die richtige Mischung aus Kalkzement und Karbontextil gefunden.

Boden egalisiert

Vor zweieinhalb Wochen machten sich Raupach und seine Mitarbeiter Till Büttner, Richard Braun und Cynthia Morales an die Arbeit. Büttner: „Zunächst musste das Bleidach abgedeckt werden, dann haben wir den Boden´ egalisiert, als plan gemacht.”

Am Dienstag nun wurde die Arbeit mit dem „Pflasterverband” gekrönt. „Gesponsert wurde die Maßnahme von der Deutschen Bundesstiftung für Umwelt”, teilt der Dombaumeister mit. Der Riss, der Dienstag ein Pflaster aufgedrückt bekam, ist übrigens ungefähr acht Meter lang.

Auch die Arbeiten im Inneren des Münsters gehen weiter. Die Mosaik-Restaurierungen sind schon weit fortgeschritten. Quer durch die Madonna und das Jesuskind hatte ein durch den Jahrhunderte alten Riss ein weiterer Riss die Abbildungen arg lädiert. die Arbeiten an dem „Bild” sind nun fertig, jetzt muss nur noch der kleine Christus in Mariens Arm hineinmontiert werden.

Mitte Juli soll dann das Oktogon im Inneren eingerüstet werden, weil dann in der Kuppel nötige Sanierungen - ebenfalls in mühevoller Kleinarbeit - begonnen werden, die sich über einen langen Zeitraum hinziehen werden. Zurzeit ist neben den Arbeiten im Nordwestjoch auch noch der Eingangsbereich zum Domhof dran.

Dort, gleich hinter der Wolfstür, wurde von Archäologen verbeglich nach Kaiser Karls Grab gefahndet. Es ist immer noch nicht gefunden, was der Faszination der Kirche des mächtigsten Herrschers des Mittelalters aber keinen Abbruch tut.

Dringend auf Spenden angewiesen

Dombaumeister Helmut Maintz schlägt Alarm: „Es besteht die Möglichkeit, dass wir die Restaurierung der wertvollen Mosaike einstellten müssen, weil uns das Geld fehlt.” Denn nur dann, wenn das Domkapitel 50 Prozent der jeweiligen Maßnahme stemmen könne, würden auch die Zuschüsse von 50 Prozent fließen.

„Wir können aber nicht so einfach Schulden machen”, verdeutlicht Maintz. Das hat für ihn die Konsequenz, dass der Spendenfluss für den Aachener Dom nicht zurückgehen darf. „Das Gotteshaus ist für die Ewigkeit , aber es muss auch für alle Ewigkeit mit Sanierungsmaßnahmen gerechnet werden”, verdeutlicht der Dombaumeister

Jede Spende zähle, ob groß oder klein. Immerhin sei das Aachener Münster erstes deutsches Unesco-Weltkulturerbe.

Die Bankverbindung für Spenden für den Aachener Dom: Pax-Bank Aachen, Konto-Nr. 1000644060, BLZ: 37060193. Das Domkapitel sichert eine steuerabzugsfähige Quittung zu.

Zurzeit werden in der Domschatzkammer die Aachener Bischöfe präsentiert. Erst seit 80 Jahren besteht das Bistum Aachen, abgesehen von einer kurzen Phase ab 1802, als in napoleonischer Zeit Bischof Marc-Antoine Berdelot zum Oberhirten von Aachen ernannt wurde. In der Schatzkammer des Doms sind Bischofsstäbe, Bischofsringe, Brustkreuze, die weißen Handschuhe der Oberhirten und Mitren der Diözesanbischöfe und der Weihbischöfe ausgestellt. Das Aachener Bistum ist eines der jüngsten deutschen Diözesen.

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