Ein halbes Jahr Vorbereitung für eine saubere Visitenkarte

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
6335676.jpg
Mit lustigen Spielchen – und meist auch reichlich Alkohol – lernen die Erstsemester bei den Stadtrallyes der Fachschaften ihre Studienstadt samt Elisenbrunnen, Pontstraße und sonstige Sehenswürdigkeiten kennen. Am kommenden Mittwoch ist es wieder soweit. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Sie haben gelernt, die Erstsemester der letzten Jahre. Der Ärger, den es in der Vergangenheit immer wieder bei den Erstsemester-Rallyes der neuen Studierenden gab, ist in den vergangenen beiden Jahren spürbar zurückgegangen. Und dafür gibt es einen guten Grund.

Wenn am nächsten Montag, 7. Oktober, die Erstsemester-Einführungswoche an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen mit der ersten Begrüßung durch den Rektor Ernst Schmachtenberg um 9.15 Uhr beginnt, dann liegen sechs Monate Vorbereitung hinter einem Koordinierungsteam.

Das Team will die Woche mit all ihren Veranstaltungen – samt Stadt-Rallye der Fachschaften am Mittwoch, 9. Oktober – zu einer unvergesslichen Woche machen. Und zwar für die neuen Studierenden und nicht für Ordnungsamt, Polizei, Stadtreinigung und Citybewohner.

Einmalige Kooperation

Die ganze Geschichte basiert auf einer in dieser Form an Deutschlands Hochschulen einmaligen Kooperation zwischen der Studierendenschaft der RWTH und der Zentralen Hochschulverwaltung der Exzellenz-Universität.

Hand in Hand laufen die Vorbereitungen, Gespräche mit Ordnungsamt und Polizei liegen hinter den Organisatoren. Die ganze Stadt soll eben Spaß an den neuen Studierenden haben – und keinen Ärger mit Betrunkenen.

Das Konzept scheint aufzugehen: „Im letzten Jahr hat es sehr gut funktioniert, den neuen Studierenden Stadt und Hochschule näher zu bringen. Es hat Spaß gemacht und war für alle Beteiligten überaus angenehm“, berichtet Sebastian Knoth für die Hochschulverwaltung.

17 Fachschaften unterschiedlicher Größe nehmen die neuen Studierenden ab der ersten Woche an die Hand. Rund 6500 Neue waren es im letzten Jahr, diesmal werden an der RWTH mehr als 7500 erwartet. Natürlich wird die Erstsemesterwoche damit einen Tick größer.

Aber das Koordinierungsteam fühlt sich bestens vorbereitet. „Das beruht auf ganz viel ehrenamtlichem Engagement. Wir sind unglaublich stolz auf unsere Studierenden und die Maßnahmen, die sie getroffen haben“, betont Knoth.

Klar, als insbesondere die Rallye vor lauter Alkohol ausartete, ist die Hochschulverwaltung auf die Studierenden zugegangen. „Es geht in dieser Woche doch darum, ein erfolgreiches Studium einzuläuten. So wie es gelaufen ist, haben wir uns das nicht vorgestellt. Aber es hat ohne Drohgebärden funktioniert“, berichtet Knoth. „Die Rallye hat nun einmal Kultstatus. Die kann man nicht verbieten.“

Stattdessen wurden ein paar Spielregeln formuliert: Die Tutoren beispielsweise verpflichten sich einem Verhaltenskodex. Ganz nüchtern steht dort, dass sie möglichst keinen Alkohol trinken sollen, oder dass Kirchen oder Schulen auf dem Weg durch die Stadt tabu sind. „Das ist alles sehr basisdemokratisch entwickelt worden“, sagt der ehemalige Asta-Vorsitzende Alexander Buchheister. Zu erkennen sind die Tutoren an farbigen T-Shirts.

Vorab gab es für die Tutoren Schulungen. Es ist viel Arbeit, die die Fachschaften, allen voran die Maschinenbauer, mit ihren Tutoren – maximal 50 Euro Aufwandsentschädigung bekommen die für die Woche, wenn überhaupt – leisten.

„Ohne sie würde es eine solche Einführungswoche gar nicht geben. Wir könnten das nicht organisieren“, sagt Sebastian Knoth. „Wir sind sehr stolz, dass es diese Woche hier so gibt“, sagt der Prorektor für Lehre der RWTH, Aloys Krieg .

Entlang der Rallye-Strecke, die vor rund 600 Studierendengruppen liegt, werden in diesen Tagen noch Postwurfsendungen eingehen, in denen die Anwohner über das spaßige Studentenspektakel informiert werden. Geschäfte, die sich nicht an dem zugehörigen Tauschspiel beteiligen wollen, erhalten Zettel, die sie ins Fenster hängen können.

Im Super C wird für die Rallye ein Koordinierungszentrum eingerichtet, an das sich Polizei, Ordnungsamt, Hochschulverwaltung und Anwohner wenden können. Die Telefonnummer lautet 0241/80 90 799.

Die beste Organisation kann freilich nicht garantieren, dass einzelne Erstsemester sich zum Start – die ersten Gruppen machen sich gegen 10 Uhr auf den Weg – auch von den fast 1000 Tutoren nicht bremsen lassen. „Der Einzelne macht sich kaum Gedanken darum, dass er hier auch eine Visitenkarte für seine Hochschule abgibt“, sagt Buchheister.

Der ehemalige Asta-Vorsitzende Matthias Nick fügt hinzu: „Ideal wäre es für alle, wenn Ende nächster Woche sich alle neuen Studierenden in Aachen und an der Hochschule zurecht und wohl fühlen – und niemand belästigt wurde.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert