Aachen - Ein großer Abend der Mundart

Ein großer Abend der Mundart

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
krüzz_bu1
Leo Bardenheuer mit dem frisch gebackenen Krüzzbrür-Ordensträger Karl Allgaier (2.von links) im „Knipp”, daneben Präsident Martin Waldeck und Präses Propst Ruprecht van der Weyer. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Zu „krüzze” kriechen, das ist gar nicht die Sache der etwa 70 Herren, die sich wie jedes Jahr im „Knipp” die Ehre ihres gegenseitigen Besuchs gaben. Denn die Krüzzbrür im Schatten von Hl. Kreuz (jetzt Franziska von Aachen, Gemeinde Hl. Kreuz) treffen sich seit 1973 nicht nur, um den begehrten Krüzzbrür-Orden zu verleihen.

Die Herren haben traditionell in der ältesten Öcher Kneipe am Bergdriesch einen Höllenspaß miteinander, ohne Narrenkappe, ohne jede Pappnase, einfach nur mit begnadetem Mutterwitz und Öcher Mundart ausgestattet.

Am Dienstagabend stand ein Mann des Geistes, des Glaubens und des liebevollen Hintersinns im Zentrum. Der Pfarrausschussvorsitzende Leo Bardenheuer, zugleich Moderator des Abends, hatte gemeinsam mit dem Krüzzbrür-Präsidenten Martin Waldeck und Präses Ruprecht van de Weyer die Ehre, den Leiter der Bischhöflichen Akademie, Karl Allgaier, mit dem 38. Krüzzbrür-Orden auszuzeichnen. Soweit der trockene Tatbestand im feuchtfröhlichen Ambiente.

Tenor Willy Schell trug die Laudatio vor, tatsächlich, er sprach sie, erst später erhob der Sangesmann seine edle Stimme mit dem legendären Chianti-Lied von Gerhard Winkler. „Ja, ja der Chianti-Wein, da sagt uns keine nein ...” erklang mächtig, die Zeilen reimten sich auf manche Wesensart des Ordensempfängers „Karl Allgäuer”. Denn der Willy hatte den Namen des 56-Jährigen in einer Sekunde sprachlicher Unaufmerksamkeit unwiederbringlich verballhornt: „Allgäuer” statt „Allgaier” war ab da der Running Gag. Ein Meister des Öcher Platts, ein tiefsinniger Mundart-Creativer mit „Witz, Intelligenz” und überbordender Lebenslust sei der Allgaier - worauf prompt das Echo erscholl: „Klar, der Allgäuer!”

Der Ordensritter aus Burtscheid, seit Jahrzehnten jedoch wohnhaft im schönen Monschau, bedankte sich artig auf eigene Weise. „Ich bin seit Geburt ein echter Pechvogel. Und jetzt hab´ ich auch noch den Krüzzbrür-Orden bekommen!” Hein Engelhardt hatte genauestens die Maßregeln des Ordentragens erläutert, auch nachts sei „das Ding” nicht abzulegen.

Dann folgten die blitzgescheiten und humorvollen Repliken der anwesenden Ordensträger, da waren Max Kerner, Manfred Birmans, Wendelin Haverkamp, Karl Zilkens und Hans-Josef Thouet, um stellvertretend nur einige zu nennen. Zuvor war auch OB Marcel Philipp eingetroffen, der sich Ministerpräsident Jürgen Rüttgers hatte widmen müssen. CDU-Mann Heiner Berger stand über solchen Tagesgeschäft: „Ich habe mich gegen Rüttgers und für euch entschieden!” Leo Bardenheuer hatte das Stündchen bis zum Eintreffen Philipps genial überbrückt, jeder einzelne wurde bis zu vier Mal begrüßt.

Orden auch an Dünnwald

Ebenso wichtig wie das geschliffene Wort mit dem erwähnten Mutterwitz ist aber den Herren, und es sind ausschließlich Herren, die zugelassen sind, das 50er-Jahre-Buffet mit echtem Lachsersatz, rotem Heringssalat und Mettbrötchen. „Nun eröffne doch endlich das Buffet.” „Ich hab Hunger.” So wird Bardenheuer oft unterbrochen, während Heiner Schnitzler als Kellner bei den Wirtsleuten Ramrath zackig das Tablett durch die engen Stuhlreihen balanciert.

Mit einem ebenso herzlichen Beifall wie für Allgeier wurde Journalist Georg Dünnwald bedacht. Denn der „Nachrichten”-Mann wurde mit dem Ponttor-Orden für seine treuen medialen Verdienste um die Krüzzbrür geehrt. Bardenheuer: „Unter deiner Feder haben wir uns stets wohlgefühlt!”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert