Ein Gespräch hilft in schwierigen Situationen weiter

Von: Anja Klingbeil
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„Sorgen kann man teilen” lautet das Motto der Telefonseelsorge: An Weihnachten suchen viele Einsame Hilfe. Foto: Heike Lachmann

Aachen. Am Heiligen Abend werden die meisten Menschen gemeinsam mit der Familie, mit Verwandten, Bekannten oder Freunden feiern. Wer ohnehin einsam ist, das spürt das an solchen Festtagen besonders. Und so hat auch das Team der Telefonseelsorge (Telefon 0800/1110111 oder 0800/1110222) gerade in diesen festlichen Tagen des Jahres jede Menge zu tun.

Rund um die Uhr sind die Ehrenamtler im Einsatz und hören zu. Ein Engagement, das Ulla Schmidt (SPD) beim gestrigen Besuch lobte.

„Ich hatte schon Gespräche, wo ich mit einem Anrufer gemeinsam gefrühstückt habe. Das ist wichtig. So füllt sich der Raum an einem einsamen Tag mit Leben”, sagt eine der Mitarbeiterinnen. Sie bleiben genauso anonym wie die Anrufer.

Das ist wichtig: Anonymität schafft eine Nähe. So kann sich der Hilfesuchende sicher sein, dass nichts weitererzählt wird. Die Hemmschwelle, sich bei der Telefonseelsorge zu melden, wird so sehr niedrig gehalten. Das Angebot hat sich auch den neuen Medien geöffnet: Das Angebot wurde auf Mail und Chat ausgedehnt (www.telefonseelsorge.de).

Ein Gespräch hilft in schwierigen Lebenssituationen oft weiter. Sei es bei Problemen mit der Partnerin oder dem Partner, Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz, Sucht, Krankheit oder Einsamkeit. Manchmal genügt es bereits, die Probleme in Worte zu fassen, und sie verlieren alleine dadurch schon ihren Schrecken. Zudem lassen sich im Austausch neue Perspektiven entwickeln.

Besonders psychische Probleme, etwa Krankheiten wie Depressionen, führen in der Gesellschaft immer noch zu Stigmatisierung und Ausgrenzung. Gerade in den vergangenen Jahren erreichen die Telefonseelsorge mehr und mehr Hilferufe von psychisch kranken Menschen und deren Angehörigen - ganz aktuell nach dem Tod von Nationaltorwart Robert Enke. „Wir sind immer ganz nah an der Gesellschaft. Als ich vor 28 Jahren als Ehrenamtliche bei der Telefonseelsorge angefangen habe, waren eher Themen wie Arbeitslosigkeit aktuell.”

Nachwuchsprobleme hat die Aachener Telefonseelsorge nicht. Gerade beendet wieder eine Gruppe ihre Ausbildung. Diese Schulung dauert ein Jahr. Unter anderem in Rollenspielen werden die Ehrenamtler auf die nicht immer ganz einfache Aufgabe vorbereitet. „Am Anfang hatte ich natürlich Angst vor Suizidanrufen. Ich musste lernen, dass wir nicht Herr über Leben und Tod sind.”

Wer als Telefonseelsorger gut 20 Stunden im Monat seinen Dienst tun will, sollte ein gewisses Maß an Lebenserfahrung haben. „Und er sollte neugierig sein. Aber ganz besonders muss es gut zuhören können, denn darauf kommt es an”, sagt Frank Ertel, Leiter der Telefon-Seelsorge Aachen.
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