Aachen - Ein Ende der Burtscheider Brache naht

Ein Ende der Burtscheider Brache naht

Von: Martina Feldhaus
Letzte Aktualisierung:
Ein langer Bauzaun, ein tiefes
Ein langer Bauzaun, ein tiefes Loch und viel Unkraut: Könnte diese Brache am Benediktinerplatz in Burtscheid bald der Vergangenheit angehören? Das Grundstück gehört zur Rheumaklinik. Und die denkt schon seit längerem darüber nach, hier einen Neubau zu errichten. Foto: Harald Krömer

Aachen. Wenn Reimund Beulen aus dem Fenster seiner Wohnung an der Benediktinerstraße in Burtscheid guckt, ist seine Stimmung ziemlich durchwachsen. Ärger hat sich da angestaut, er hat Befürchtung, aber auch Hoffnungen.

Die erste Gefühlslage richtet sich auf das, was Beulen sieht, wenn er aus der Tür tritt: den Benediktinerplatz. Er liegt quasi auf der Rückseite des Marktes. Beulen nennt ihn den „Hinterhof Burtscheids”.

Denn an seinem Zustand hat der Fachberater für Werkstoffe einiges auszusetzen. Hundekot, Unkraut, ein vermooster Aschenplatz, alte, am Bauzaun angekettete Fahrräder, rücksichtloses Parken und, und, und... Beulens Liste ist lang. „Hier wird einfach nicht regelmäßig gepflegt. Und wenn jemand kommt, wird geschludert.” Mehrmals habe er sich deshalb schon an die Stadt gewandt.

Treffen mit dem Stadtbetrieb

Vor einigen Wochen gab es schließlich ein Treffen zwischen ihm und der zuständigen Kolonne des Stadtbetriebs. Seitdem hat sich vor Beulens Haustür einiges getan. Das Unkraut wurde gejätet, der Aschenplatz gereinigt, Kübel wurden mit frischen Blumen bepflanzt, und sogar das lang vermisste Schaukelpferd auf dem Spielplatz ist zurückkehrt. Weitere Arbeiten folgen im Herbst, wie Rita Klösges vom städtischen Presseamt bestätigt. Dann sollen etwa die Hochbeete, die derzeit eher mäßig attraktiv daherkommen, neu bepflanzt werden.

Zufrieden ist Beulen trotzdem nicht. Für ihn sind das nur Kosmetika. „Der Zustand ist insgesamt einfach schwierig”, sagt er. Dennoch haben Beulen und andere Anwohner - etwa Walter Röpling-Mühlenbruch, der in Burtscheid einen Buchladen betreibt und sein Haus in der Benediktinerstraße hat - Hoffnungen, dass der Benediktinerplatz eines Tages doch ihren Vorstellungen von einem schönen Aufenthaltsort entspricht. Diese Hoffnungen liegen jedoch nicht bei der Stadt, sondern jenseits des langen Bauzaunes, der seit Jahren an der hinteren Seite des Platzes entlang verläuft.

Dort tut sich eine Brache auf. Ein tiefes Loch, das davon zeugt, dass hier einmal ein größerer Gebäudekomplex gestanden hat. Die Wandfliesen des Kellergeschosses sind hier und da noch deutlich zu sehen, den Rest holt sich nach und nach die Natur zurück. Das Grundstück gehört zur Rheumaklinik am Burtscheider Markt. Ein alter Teil wurde vor einigen Jahren abgerissen, seither tut sich an dieser Stelle nichts mehr. Zumindest nicht sichtbar.

Denn hinter den Kulissen ist durchaus etwas im Gange, wie Sabine Gerharz, Geschäftsführerin der Rheumaklinik bestätigt. „Wir denken darüber nach, unseren Betrieb vom Markt an den Benediktinerplatz zu verlegen.” Nur wenige Meter vom heutigen Standort entfernt würde dann ein neuer Bau für die Rheumaklinik entstehen - direkt angeschlossen an das Schwertbad. Gerharz: „Das Gebäude, in dem wir jetzt sind, ist rund 100 Jahre alt. Es wird den Anforderungen an einen modernen Klinikbetrieb nicht mehr so gut gerecht.” Aber noch sei nichts entschieden, sagt die Geschäftsführerin.

Wohnungen im alten Gebäude

Bis Ende des Jahres werde man die Möglichkeit durchdenken. „Wir müssen uns genau anschauen, welcher Bedarf da ist und wie eine Finanzierung aussehen kann.” Auf all das gebe es bislang keine abschließenden Antworten. Zwar gebe es für das alte Gebäude bereits einen Interessenten, der dort Wohnungen einbauen möchte. „Das sind alles nur Überlegungen”, versichert Gerharz.

Dennoch hatte Reimund Beulen in den vergangenen Jahren genug Zeit, sich so seine Gedanken zu machen über das, was da auf ihn und seine Straße zukommen könnte. Das sind zum einen positive. „Es besteht schon Hoffnung, dass durch einen Neubau der Klinik der Platz hier aufgewertet wird”, sind er und sein Nachbar Röpling-Mühlenbruch sich einig. Anzeichen dafür sehe man am Kreisverkehr direkt vor dem Eingang des Schwertbads. „Dort ist alles richtig gepflegt, weil die Klinik sich darum kümmert.” Ebenso wie um die runde Sitzbank mit Regendach, wie Rita Klösges von der Stadt bestätigt.

Anderseits haben die Anwohner Befürchtungen, etwa davor, dass das neue Gebäude ein Betonklotz wird. Röpling-Mühlenbruch: „Eine Grünfläche für die Patienten würde ich da lieber sehen.” Vor allem befürchten sie aber, dass sich die ohnehin angespannte Parksituation verschlimmert. Beulen: „Hier parken sowieso schon Kurgäste, Besucher und Mitarbeiter alles zu, weil das keine Anwohnerparkzone ist.” Klinik-Geschäftsführerin Sabine Gerharz will beruhigen. „Natürlich sind zusätzliche Parkplätze auch ein Thema, das wir bedenken müssen.” Das gehe gar nicht anders, wenn das Baugenehmigungsverfahren anstehe. „So weit sind wir aber noch nicht.”

Gerharz betont, dass man zu gegebener Zeit Gespräche führen werde. Sowohl mit der Stadt, „schließlich muss die einen möglichen Bau unterstützen”, als auch mit der IG Burtscheid und den Anwohnern. Bis dahin wird sich Reimund Beulen noch gedulden müssen. Der Blick aus seinem Fenster bleibt vorerst ein ungewisser.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert