Aachen - Ein Crash verschärft die Wohnungsnot

Ein Crash verschärft die Wohnungsnot

Von: Gerald Eimer
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Schöne Fassaden, tristes Bild: Drei Häuser an der Alexanderstraße, die offenbar als Spekulationsobjekte dienten, stehen seit geraumer Zeit leer. Foto: Harald Krömer

Aachen. Notdürftig verrammelt und vernagelt – dieses triste Bild geben seit geraumer Zeit drei leerstehende Häuser an der Alexanderstraße ab, von denen zwei unter Ensembleschutz stehen. Trotz der Wohnungsnot in der Stadt ist nicht abzusehen, wann die Wohnungen überhaupt wieder vermietet werden.

Die Stadt habe keine Handhabe, etwas gegen den Missstand zu unternehmen, teilt das Presseamt auf Anfrage mit.

Wenige Meter entfernt vom Hansemannplatz, einem der Einfallstore zur Innenstadt, säumen mit Pressspanplatten verbarrikadierte Schaufenster den Weg der Passanten. Eine schöne Visitenkarte ist das nicht, obwohl die Fassaden der Häuser Alexanderstraße 103-107 selbst durchaus ansehnlich sind. Der Niedergang des Ensembles ist offenbar Folge einer der größten Immobilienpleiten in Deutschland.

Als Eigentümer ist nach „Nachrichten“-Informationen die Vedranel 59. Immobilien GmbH & Co. KG eingetragen, die eine der zahlreichen insolventen Untergesellschaften des Immobilienkonzerns Level One ist, der 2008 zusammenbrach. Insgesamt soll der Konzern mit seinen Spekulationsobjekten und mit Hilfe der Banken Schulden von mehr als 1,5 Milliarden Euro angehäuft haben. Rund 20.000 Wohnungen und rund 500 Gewerbeobjekte – praktisch durchweg fremdfinanziert – gerieten nach dem Crash unter Zwangsverwaltung des Berliner Insolvenzverwalters Rolf Rattunde, darunter auch die drei Häuser an der Alexanderstraße.

Vom Hausschwamm befallen

Um sie zu Geld zu machen, sollen in den letzten Jahren verschiedene Pläne verfolgt worden sein – vom Abriss bis hin zum Neuaufbau mit deutlich verdichtetem Wohnungsbestand. Zunächst aber musste auf Geheiß der Stadt seit vergangenem Jahr saniert werden, denn die Häuser waren vom echten Hausschwamm befallen, der auch die Substanz der benachbarten Gebäude gefährdete. Der Schädling sei inzwischen sachgerecht beseitigt worden, versichert die Stadtverwaltung. Mitte Februar seien die Arbeiten abgeschlossen worden.

Darüber hinaus aber habe die Stadt keine Handhabe, etwas gegen den Leerstand zu unternehmen. „Wir können nur bei einer Gefährdung eingreifen“, sagt Evelyn Wölk vom Presseamt. Im übrigen sei es schwierig, überhaupt den richtigen Ansprechpartner zu finden, der für die Häuser zuständig ist.

Doch dabei wollen es zumindest die Grünen nicht belassen. „Ich halte es für einen Skandal, dass die Wohnungen in der jetzigen Situation so lange leerstehen“, meint Hermann-Josef Pilgram, der nicht zuletzt als Aufsichtsratsvorsitzender der gemeinnützigen Gewoge um die vielen wohnungssuchenden Menschen in Aachen weiß. Die Stadt muss mit dem Eigentümer Kontakt aufnehmen und eine Vermittlerfunktion übernehmen, meint er. „Sie hat Mittel und Wege und muss sich kümmern.“

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