Ein Blumenkübel soll den Gehweg schützen

Von: Jan Mönch
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Auch am Einmündungsbereich des Soerser Wegs auf die Krefelder Straße besteht für die Anwohner einiger Diskussionsbedarf hinsichtlich einer sinnvollen Verkehrsberuhigung. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Fahrerin eines weißen BMW macht es vor: Mit schätzungsweise 50 Sachen steuert sie auf die Asphaltwölbung auf dem Soerser Weg zu. Doch anstatt abzubremsen, umfährt sie das Hindernis großzügig, zu Hilfe nimmt sie dabei den Gehweg.

Die Szene verfolgen vom Straßenrand aus rund 50 Anwohner der Soers. Sie haben sich mit vier Vertretern der SPD getroffen, die zu einer Ortsbegehung eingeladen haben.

Unter ihnen ist der mobilitätspolitische Sprecher Michael Servos, der hier seinen Wahlkreis hat. 2009 war nämlich ein Maßnahmenpaket beschlossen worden, um die Verkehrssituation rund um Soerser Weg, Purweider Weg und Merowingerstraße zu beruhigen. Was die Verwaltung umgesetzt hat, empfinden die Soerser jedoch eher als kontraproduktiv.

Ein Beispiel sind die Berliner Kissen, die seit einiger Zeit einmal im oberen Bereich des Soerser Wegs und einmal im unteren Bereich zu finden sind. In den wenigen Minuten, die Michael Servos und die große Menschentraube an der Stelle verweilen, brettern noch exakt elf weitere Autofahrer über den Bürgersteig - Sportwagen, Lieferwagen, Kleinwagen.

Selbst Busfahrer machen es mitunter genau so, weiß ein Anwohner zu berichten. Die Möglichkeit erscheint offenbar deshalb attraktiv, weil der Bordstein an der betreffenden Stelle stark abgesenkt ist. Folglich sei das Ausweichen der Autofahrer durchaus vorherzusehen, findet Michael Servos. „So etwas darf nicht passieren. Damit macht die Stadtverwaltung sich keine Freunde. Und Verwaltung und Politik bekommen dann gemeinsam die Prügel ab.”

Einen Fall von missglückter Planung stellt auch die Zufahrt an der Krefelder Straße dar. Dort sollte eigentlich ein Baumtor eingerichtet werden, um den Autofahrern nachdrücklich zu signalisieren, dass sie im Begriff sind, in eine Tempo-30-Zone einzufahren. Kurz bevor es losgehen sollte, fiel dann jedoch auf, dass unter dem Bürgersteig Leitungen verlaufen. So geschah dann erst mal gar nichts.

Ausflug ins Reich der Bürokratie

Die Ortsbegehung ist für die Soerser auch ein Ausflug ins Reich der Bürokratie. Bestes Beispiel hierfür sind die Radwege, die es gemäß geltenden Rechts eigentlich gar nicht mehr geben dürfte, seit die Soers eine Tempo-30-Zone ist. Da allerdings nach wie vor alte Piktogramme auf dem Boden zu sehen sind, gehen viele Radfahrer davon aus, die linke Seite des Bürgersteigs für sich beanspruchen zu können.

Drei Stunden Zeit nimmt sich Michael Servos für die Ortsbegehung, am Ende haben er und seine Parteifreunde eine breite Palette an Vorschlägen gesammelt. Von Ampeln, die bei überhöhter Geschwindigkeit auf Rot springen über Gehwegverbreiterungen bis hin zu Pollern am Fahrbahnrand. Das Einrichten eines Starenkastens, der etwa die Raserei an der Kreuzung Soerser Weg/Merowinger Straße/ unterbinden könnte, kommt hingegen nicht in Frage - dazu müsste es sich hier nachweislich um einen Unfallschwerpunkt handeln.

„Es müssen natürlich auch die gesamtstädtischen Interessen gesehen werden. Und insgesamt ist die Soers trotz allem ein privilegierter Bereich”, gibt Michael Servos zu bedenken. Gefragt seien daher vor allen Dingen kostengünstige Lösungen, die sich rasch umsetzen lassen.

Eine jedenfalls scheint nach der Ortsbegehung bereits gefunden: Am unteren Soerser Weg soll ein großer Blumenkübel verhindern, dass ungeduldige Autofahrer anstatt über die Berliner Kissen über den Gehweg fahren. Eine Familie hat sich spontan bereit erklärt, hierfür die Patenschaft zu übernehmen. Michael Servos findet das sehr erfreulich: „Das zeigt doch, dass die Leute sich nicht nur hinstellen und meckern, sondern auch bereit sind sich einzubringen.”
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